ETF & Fintech – Innovation?

ETF & Fintech – Innovation?

ETF’s sind in aller Munde und mittlerweile auch in vielen Depots der Kleinanleger. Selbst professionelle Anleger benutzen ETF’s in der Vermögensverwaltung bzw. als Ersatz für Futures.

ETF’s sind sicher wie die FAZ in ihrer Sonntagsausgabe vom 13.11.2016 schrieb eine der erfolgreichsten Finanzinnovationen der vergangenen Jahre.

ABS waren auch mal eine Finanzinnovation mit enormen Potential. Leider macht der Markt aus Dingen die ursächlich gut für den erdachten Zweck sind oft ein Produkt, das dann für alles und jeden Zweck herhalten muss.

Das ist meist der Weg zum Scheitern – einer Abkehr – auch von sinnvollen Produkten.

Der ursprüngliche Gedanke von ETF’s war einen breiten Markt relativ kostengünstig nachzubilden. Dabei kommen die ETF’s mit relativ geringen Kosten aus, da man auf den aktiven Fondsmanager verzichtet. Außerdem können die Investitionsprozesse auf wenige Schritte reduziert werden – dies spart ebenfalls Kosten.

In unserer Werkzeugkiste befindet sich damit ein günstiges und effizientes Werkzeug, um Zugang zum Kapitalmarkt zu erhalten. Soweit so gut!

Neuerdings hat die Finanzindustrie diese Fonds-Konstrukte sogleich zum Allheilmittel auserkoren –  darüber hatte ich schon geschrieben. Aber können die ETF’s leisten, was versprochen wird?

ETF’s in der individuellen Geldanlage

Von der Finanzindustrie und auch der Presse wird meist nur das Argument der besseren Performance aufgrund der geringeren Kosten angeführt. Die meisten Fondsmanager schlagen nicht den Vergleichsindex – so das Argument, also sollte man folglich besser in einen ETF investieren und nicht einem Fondsmanager folgen.

Es entsteht der Eindruck, das bei Beachtung dieser Regel nichts schief gehen kann und der Anleger somit blind einen ETF für sein Depot erwerben kann und damit für alle Zeiten versorgt ist – bzw. sollte der Anleger sogleich einen Sparplan eröffnen und somit regelmäßig Geld investieren soll.

Auf den ETF-Zug sind auch die Fintechs bzw. Robo-Advisors aufgesprungen. Sie werben mit den niedrigen Kosten für den Zugang zum Kapitalmarkt. Aus meiner Sicht ist das keine Innovation der Kapitalanlage oder der Vermögensbildung, sondern eine reine Prozess-Innovation.

Die Fintechs haben es vor allem verstanden über Apps oder das Internet einen simplen Zugang für den Kleinanleger zu schaffen. Mit dem Werkzeug ETF wird typischerweise ein Sparplan beworben, der die monatlichen Sparraten in ETF’s verschiedener Ausprägung investiert.

Soweit so gut, aber recht das aus? Wird damit dem Kleinanleger wirklich geholfen?

Die m.E. ungelöste Frage bleibt doch, in welchen ETF soll der Anleger überhaupt investieren – bzw. noch etwas abstrakter in welche Asset-Klasse oder Strategie? Ist es für jeden Anleger ratsam einen Kapitalgewichteten Aktienindex zu erwerben?

Gerade in dieser Disziplin versagen bisher die meisten Anbieter – die neuen Fintechs wie auch die alten Etablierten.

Auf der institutionellen Seite sieht das etwas anders aus. Hier werden nicht nur einzelne Produkte, sonder immer ganze Lösungen angeboten.  Leider auch nicht von allen, aber die Beratungsleistung geht deutlich über „100 minus Lebensalter“ für eine Aktienquote hinaus.

Das Kernproblem für den Privatanleger ist m.E. nicht die Möglichkeit Kosten durch niedrige Gebühren zu sparen – das ist nur die Kür, sondern vor allem sein Verhalten im Griff zu haben – die Pflicht.

Der oben erwähnte FAZ Beitrag war überschrieben mit dem Titel „ETF kaufen, aber richtig!“ beschreibt das Thema ganz gut. Leider nicht umfassend, aber im gezeigten Teilaspekt wird ein Problem der Anleger deutlich.

Die im Artikel beschriebene wissenschaftliche Studie kommt zum Schluss, dass Anleger wohl das Mantra bzgl. der ETF verstanden haben, aber dennoch hinter der erwarteten Performance zurück bleiben.

Wie kann das denn sein – ETF’s und trotzdem Underperformance!

Es wurden verschiedene Anleger bzw. verschiedene Strategien untersucht. Dabei wurde ein Buy-and-Hold Ansatz mit der Wirklichkeit der Anleger – „rein-raus“ verglichen. Die Studie gibt drei Maßnahmen vor, wie man richtig in ETF’s investiert. Alle haben gemeinsam, dass man als Buy-and-Hold Investor in breiten Indizes agiert. Es wird sogar erwähnt, dass eine Buy-and-Hold Strategie weniger Risiko verursacht als das ständige Handeln mit sehr spezialisierten ETF’s auf gewisse Nischenmärkte.

Solche Nischen-ETF’s sind m.E. etwas problematisch und haben mit dem eigentlichen Charater der ETF’s nicht mehr viel gemein. Es werden dabei aktive bzw. regel-gebundene Strategien verfolgt. Leider ist deren Strategie nicht immer transparent, sodass der Anleger entscheiden kann, ob diese Strategie zu seinem Verhalten passt.

Meiner Meinung nach werden aber von der Presse die falschen Schlüsse gezogen.

Sicher ein einfaches Buy-and-Hold sollte die Transaktionskosten gering halten. Die Transaktionskosten von ein paar Basispunkten fallen aber nicht ins Gewicht, wenn der Investor die Strategie im Drawdown von mehreren Prozentpunkten nicht durchhält.

Das ist aus meiner Sicht wesentlich.

Ein einfaches Beispiel zeigt das Dilemma zwischen niedrige Handelskosten und ausgesessene Marktwertverluste.

Die Regel:

  1. Kaufe den Dax Index, wenn dieser sich mindestens 10% von seinem Tief auf monatlicher Basis erholt hat.
  2. Verkaufe den Dax Index, wenn dieser 10% von seinem Höchststand auf Monatsbasis verloren hat.

Initial kaufen wir direkt, um in das System zu starten. Der Kursverlauf ist im nächsten Bild zu sehen. Als Handelskosten habe ich 1% angesetzt.

Dax_mit_System
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Der Performance-Unterschied ist deutlich. Durch einige wenige Trades in den mehr als 22 Jahren konnte eine Performance von 11% vs. 8% für Buy-and-Hold erzeugt werden. Das Risiko war ebenfalls geringer: 18% vs. 22% für Buy-and-Hold.

Der psychologische Unterschied ist jedoch, dass man zu jedem Zeitpunkt handlungsfähig ist. Man muss nicht darauf hoffen, dass der Preisverfall aufhört, sondern man bleibt aktiv – man führt konsequent die Strategie fort.

Vieles was ich bisher aus der Presse lese ist Buy-and-Hold Aktien ETF. Selbst Fintechs, die sich mit der Geldanlage beschäftigen konzentrieren sich ausschließlich auf das Thema ETF. Dabei merken diese nicht, dass sie diese Problem nicht lösen – genau wie die Produktanbieter.

Also wenn wir unsere Werkzeugkiste anschauen, dann haben wir dort, wie oben beschrieben, ein sehr mächtiges Werkzeug. Aber nur weil ich einen Hammer besitze, bedeutet dies nicht, dass alle Probleme Nägel sind.

Meiner Meinung nach wird aber genau das aktuell von den ETF’s und den Fintechs erwartet. Die Geldanlage zu revolutionieren und nur noch Gewinner an den Kapitalmärkten zu produzieren.

Jedem sollte klar sein, dass dies nicht möglich ist, bzw. sollte man vorher definieren, was man unter „Gewinner“ versteht.

Zurück zu unserem Werkzeug.

  • Der Zugang zum Kapitalmarkt ist immer mit gewissen Risiken verbunden.
  • Nicht jeder ETF ist für jeden Anleger die richtige Wahl.
  • Wenn die gesamte Welt nur noch in ETF’s investiert, wird es für Spekulanten wieder große Möglichkeiten geben einen Vorteil aus der Massenbewegung zu ziehen.

Alles Nägel?

  • Die meisten Anleger scheuen das Risiko – bzw. wie Kahneman sagen würde haben eine Verlust-Aversion. Sie bewerten durch den Dispostionseffekt Gewinne und Verluste nicht gleich.
  • Das führt zum typischen Verhalten: Gewinne frühzeitig mitnehmen und Verluste aussitzen.
  • Im Zweifel verkaufen Anleger dann, wenn der Schmerz am höchsten ist. Da dies für viele Kleinanleger zutrifft – ist dann meist ein Boden erreicht und der Markt dreht nach oben.
  • Schon Herr Kostolany sprach in diesem Zusammenhang von den „schwachen Händen“.

Nun predigen die Zeitungen, dass man auf keinen Fall verkaufen sollte. Das DAI zeigt regelmäßig die Statistiken, das über sehr lange Zeiträume noch kein Verluste am Aktienmarkt erzielt wurden. Dabei wird die Statistik auch einfach zur Beantwortung jeder Fragestellung herangezogen.

Die meisten Anleger in einem Sparplan haben das Problem, dass kurz vor der Auszahlung das Risiko am größten ist – über große Drawdowns viel zu verlieren.

Das DAI rechnet nur mit einer Einmal-Anlage z.B. EUR 2.000. Dabei ist es egal, wann der Drawdown einsetzt. Die Performance jedes Jahres wird multiplikativ verknüpft. Alternativ untersuchen wir, wenn wir jedes Jahr 100 EUR investieren.

Die Tabelle zeigt die Berechnungen:

Jahr DAX Einmal-Anlage Kapital mtl. Rate Kapital
1996 47,1% 2.000,00 2.000,00 100,00 100,00
1997 17,7% 2.942,00 100,00 247,10
1998 39,1% 3.462,73 100,00 390,84
1999 -7,5% 4.816,66 100,00 643,65
2000 -19,8% 4.455,41 100,00 695,38
2001 -43,9% 3.573,24 100,00 657,69
2002 37,1% 2.004,59 100,00 468,97
2003 7,3% 2.748,29 100,00 742,95
2004 27,1% 2.948,92 100,00 897,19
2005 22,0% 3.748,07 100,00 1.240,33
2006 22,3% 4.572,65 100,00 1.613,20
2007 -40,4% 5.592,35 100,00 2.072,94
2008 23,8% 3.333,04 100,00 1.335,47
2009 16,1% 4.126,30 100,00 1.753,32
2010 -14,7% 4.790,64 100,00 2.135,60
2011 29,1% 4.086,41 100,00 1.921,67
2012 25,5% 5.275,56 100,00 2.580,87
2013 2,7% 6.620,83 100,00 3.338,99
2014 9,6% 6.799,59 100,00 3.529,15
2015 6,9% 7.452,35 100,00 3.967,95
Invest-ment 2.000,00 2.000,00

Dabei sieht man den deutlichen Unterschied in der absoluten Performance. Das ist natürlich dem sukzessiven Investieren geschuldet, aber zu einem großen Teil auch dem Zeitpunkt der Drawdowns. Wichtig ist, das die Statistiken des DAI zwar korrekt, aber ggf. nicht genau auf den jeweiligen individuellen Anwendungsfall zugeschnitten sind.

Verkaufen die Anleger im z.B. 30% Drawdown, weil sie die Verluste mental nicht mehr aushalten können und steigen erst wieder bei neuen Höchstständen ein, dann bleibt die Rendite deutlich hinter dem Index zurück (wie im FAZ Artikel beschrieben).

Es ist sicher geschickter dem Anleger nur einen kleinen Verlust zuzumuten und dann z.b. bei neuen Höchstständen (wie oben gezeigt nach einer Erholung) wieder einzusteigen. Dann bleibt man zwar immer noch hinter dem Index zurück, der Anleger fühlt sich aber deutlich besser, da er die Geschicke selbst in der Hand behält und nicht erst im Schockzustand panisch reagiert.

Eine simple Trendfolge-Strategie wie oben gezeigt, kann genau das für den Anleger bewirken.

Die Drawdowns für den Anleger werden kleiner – der mentale Stress bleibt ebenfalls überschaubar und langfristig entsteht eine ähnliche Performance wie Buy-and-Hold aber viel wahrscheinlicher. Die Strategie lässt sich auch sehr gut mit ETF’s kombinieren –  diese sind aber nur das Mittel zum Zweck und nicht die Strategie selbst.

MAQS – Global Trend Following

Performance April

Die Performance des April sieht auf den ersten Blick harmlos aus, aber wer die wöchentlichen Kommentare verfolgt kennt die gesamte Story. Der April brachte uns tief in den Drawdown. Das Portfolio verlor nochmal deutlich an Wert, konnte dann aber in den letzten Tagen des Monats deutlich aufholen und beendetet den Monat fast unverändert. Die vielen Fehlsignale im wöchentlichen System führten zwischenzeitlich dazu, dass nur noch die Aktien-Position blieben – alle anderen wurden diszipliniert geschlossen.

April: +0,27%, Seit Jahresanfang: -5,66%

Monatsupdate_201704.png

 

Signale des monatlichen Systems:

  • keine

Signale des wöchentlichen Systems:

  • keine

Das neue MAQS-Portfolio hält im Mai 2017 folgende Positionen:

Name ISIN Preis MAQS
DAXEX GY Equity DAX Aktien DE0005933931 108,78 70
EUNZ GY Equity EM Aktien IE00B8KGV557 24,03 320
IBCH GY Equity Welt Aktien IE00B441G979 46,31 340
IUS7 GY Equity EM Anleihen IE00B2NPKV68 104,08 70
IBCL GY Equity EUR Staatsanleihen IE00B1FZS913 225,39 0
XDBC GY Equity Rohstoffe LU0292106167 17,52 0
Gesamt in EUR     97,20
*Schätzung

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

 

Wikifolio: MAQS – Global Trend Following

 

Titelbild

 

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„Retro“ Schuhe und Trendfolge

Was haben Schuhe mit Trendfolge zu tun?

Letzte Woche war ich unterwegs, um mir ein paar neue Schuhe zu kaufen.

So what?

Die von mir präferierten Schuhe gab es nicht in diesem Shop. Der nette Verkäufer erklärte mir wie ich die Schuhe bestellen kann, um sie dann in 3-4 Tagen per Post direkt nach Hause zu bekommen. Ich lehnte erstmal ab um weitere Läden danach zu erkunden.

Der Verkäufer meinte gleich, dass die Suche wohl erfolglos sein wird. Daraufhin fragt ich, warum er so sicher sein würde?

Die Antwort kam prompt: Die Schuhe seien eben etwas Retro.

Retro? Ich bin schon mal froh, dass er damit die Schuhe meinte und nicht mich.

Also machte ich mich auf den Weg um das Statement zu überprüfen. Nach einer halben Stunde erfolgloser Suche, kam ich wieder bei dem Verkäufer vorbei, um die Schuhe dann doch zu bestellen.

Da hat die Verlustaversion wieder zugeschlagen: Für einen kleinen Gewinn (die Schuhe sofort) und einem großen Verlust (tagelanges von Geschäft zu Geschäft ziehen) habe ich „gezockt“ die Schuhe doch noch direkt kaufen zu können.

Mein Stop Loss war aber gesetzt: Nach einer Runde durch die anderen Geschäfte wird die Suche aufgegeben und bestellt!

Die Verbindung zur Kapitalanlage mit Trendfolge-Methoden wurde mir erst im Nachgang bewußt.

Bei meiner kleinen Research Tour im Shoppingcenter ist mir aufgefallen, dass in den anderen Schuhläden immer wieder die gleichen Schuhe zu finden waren –> Mainstream.

Mir ist zwar nicht klar, warum alle Anbieter mit dem gleichen Angebot in einen Preiswettbewerb unterwegs sind und keiner Alternativen anbietet – aber gut erstmal akzeptiert – meine Schuhe gab es nicht!

Im Asset Management ist das eigentlich ganz ähnlich. Es werden sehr viele Produkte angeboten, welche alle das gleiche machen. Die meisten Fonds werden nach fundamentalen Kriterien – diskretionär oder quantitativ gemanaged. Die einzige weiter verbreitete halbe Alternative sind die im letzten Blog besprochenen ETF’s.

Daher herrscht ein enormer Preiswettbewerb unter den verschiedenen Anbietern und nur die ganz Großen können sich aufgrund der Economies of Scale in diesem Wettbewerb behaupten.

Fonds welche nach Trendfolge Prinzipien verwaltet werden sind relativ rar und liegen nicht wie der Name vermuten lässt „im Trend“. Einige kleine Nischenanbieter haben sich auf diese Art des Managements spezialisiert und es gibt natürlich – wie immer – einige Ausnahmen: Winton, AHL und Co.

Trendfolge ist jedoch unter den klassischen Asset Managern relativ unbeliebt und das trotz der Erkenntnis, das dieser Faktor einen sehr nachhaltigen Ertrag liefert.

Warum ist das so?

Es könnte daran liegen, dass keine vernünftige ökonomische Erklärung für das Phänomen vorliegt und alle Erklärungsversuche nur mit der immer noch neuen Behavioural Finance begründet werden können.

Dies erscheint mir jedoch relativ kurz gesprungen, da die Investoren sehr oft manche Sinnfrage hinsichtlich der Management-Prinzipien vernachlässigen, wenn die Renditeversprechen im Vordergrund stehen – siehe ABS/CDO kurz vor der Finanzmarktkrise.

Meiner Meinung nach haben Trendfolge-Strategien einige Eigenschaften, welche schwer zu vermitteln sind:

  1. Kein besonders hohes Index Tracking, bzw. deutliche Abweichung zu traditionellen Aktienindizes.
  2. Underperformance in Aufwärtsphasen und Outperformance in Abwärtsphasen. Die Entscheider in den Gremien schauen oft nur auf traditionelle Indizes und vergleichen die Performance Daten. Da fallende Kurse relativ selten sind (nach der Normalverteilung noch zu oft) und heftig, ist in der Mehrzahl der Fälle Underperformance über kurze Zeiträume vorprogrammiert. Das ab und an die gefühlte „Benchmark“ deutlich geschlagen wird, wird dann ausgeblendet.
    Der Fondsmanager bzw. der Berater, der diese Fonds empfiehlt hat damit ein relativ hohes Karriere-Risiko. Getreu nach dem Motto von J.M. Keynes:

    „Worldly wisdom teaches that it is better for reputation to fail conventionally than to succeed unconventionally.“ – The General Theory of Employment, Interest and Money“, Chapter 12, V)

  3. Werden als Blackbox wahrgenommen, da keine besonders gute Geschichte zu erzählen ist. Anleger hören gern Geschichten bzw. Erklärungen warum etwas gestiegen oder gefallen ist – die ganze Medienbranche ist darauf fixiert.
    Ein Rat an dieser Stelle:
    Wer Geschichten hören will, sollte sein Geld nicht in einen Fonds stecken, sondern zum Buchhandel tragen und Bücher kaufen. Dann ist der Verlust überschaubar und der Erfolg bei einem richtig gutem Buch nahezu unendlich.

Warren Buffett’s Wette

Vielleicht ist nicht jedem bekannt, dass der wohl bekannteste Investor der Welt Warren Buffett mit einem Hedge Fonds Manager 2008 gewettet hat, dass ein ETF auf den S&P 500 eine ausgesuchte Gruppe von Hedge Fonds über 10 Jahre schlagen wird.

Warren ist für solche Wetten bekannt und kennt gewöhnlich seine Risiken sehr gut.

Das Ergebnis lässt sich kurz vor dem Ziel schon mal sehen. Allerdings kann man auch sehen, wie volatil die Zeitreihe des S&P 500 gegenüber der Gruppe von Hedge Fonds ist.

… und genau das ist der Mehrwert der Hedge Fonds

Hedge Fonds schaffen typischerweise eine deutliche Reduktion der Performance Ausschläge, obwohl sie z.T. Aufgrund der relativ hohen Gebührenstrukturen einiges an Performance für den Investor einbüßen. So gesehen sind die Gebühren eine Art Versicherungsprämie gegen Volatilität. (Möchte an dieser Stelle nicht die z.T. abenteuerlichen Gebühren der Hedge Fonds Branche verteidigen, aber so ganz ohne ökonomischen Beitrag arbeiten die Hedge Fonds nicht)

Trendfolger wie auch Hedge Fonds (manchmal sind beide in der gleichen Gruppe) managen Risiken und helfen dem Investor lange schwierige Marktphasen durchzuhalten um die Risikoprämien „in the long run“ zu verdienen.

Ein einfaches Investment in einen Index verleitet den typischen Investor zu schnell die „Flinte ins Korn“ zu werfen und am Ende mit deutlich niedrigeren Erträgen auskommen zu müssen.

Von den Trendfolgern wieder zurück zu den Schuhen: Diese werden hoffentlich demnächst geliefert sind dann auch „for the long run“.

Nachträglich zum Monatsende April noch die Performance des Gesamtsystems YTD: +5,56%

MAQS – Global Trend Following

Signale im wöchentlichen System:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Allheilmittel: ETF

Verschiedene Blogs und Presse-Veröffentlichungen propagieren immer wieder ETFs als die ideale Kapitalanlage für den „kleinen Mann“ oder Frau.

Das Hauptargument ist dabei immer das gleiche: ETF sind besonders kostengünstig und transparent. Außerdem schlagen aktive Fondsmanager in 80% der Fälle nicht ihre Benchmark den Index – also hat man mit ETF’s zumindest den Index – so der Talk.

Soweit so gut. Wie ich in meinem Blog schon beschrieben habe nutze ich selbst in meinem monatlichem System ETF’s als Anlagevehikel.

Also ist doch alles in Ordnung, oder?

Werfen wir mal einen etwas genaueren Blick auf den ETF.

Ein ETF ist per Definition erst mal ein Exchange Traded Fund – also ein Fonds der an einer Börse gelistet ist. Mittlerweile sind auch ganz normale aktive Fonds an einer Börse gelistet – die sind aber eigentlich nicht gemeint – und was ist überhaupt aktiv?

Also fangen wir mal damit an, was passiv als Gegenteil von aktiv ist. Ein passiver Fonds ist ein Fonds, welcher Wertpapiere in der gleichen Mischung wie ein bestimmter zugrunde liegender Index enthält. Da dazu kein Fondsmanager einen besonderen Beitrag leistet und aktiv die Gewichte bestimmt, nennt man diese Fonds passiv.

Wer sich an einen meiner ersten Blogs erinnert, habe ich früher auch einen passiven Fonds betreut. Dieser Fonds folgte dem EuroStoxx50, war aber kein ETF, da er nicht an der Börse gehandelt wurde.

Also was ist mit aktiv gemeint. Von aktiv spricht man m.M. wenn ein Fondsmanager auf (meist) diskretionärer Basis einzelne Aktien in seinem Fonds anders gewichtet als im Index (in der Benchmark). Das ist in der Tat recht schwierig und führt nach Kosten oft nicht zum gewünschten Erfolg – einer Outperformance,  also besseren Entwicklung als der Index. Dies ist theoretisch auch gut begründet, da die Outperformance des einen immer die Underperformance eines anderen ist, kann keiner im Mittel besser performen. Leider ist die Outperformance nicht gleich verteilt. Dies führt dazu, dass wenige sehr wohl den Markt schlagen und sehr viele eben nicht und nach Kosten nicht besser sind als der Index und eine Menge eben auch schlechter als dieser.

Neuerdings gibt es Smart Beta ETF’s.

Ich mache demnächst einen eigenen Post dazu – aber jetzt erst mal Aktiv oder Passiv?Streng genommen sind diese aktiv. Da diese jedoch systematisch einzelne Faktoren höher oder niedriger gewichten als in der Benchmark, kann man auch von passiv sprechen.

Sie bilden eben nur nicht mehr den Dax oder EuroStoxx nach sondern eine andere Benchmark, bei der die Gewichtung meist nicht marktwert-gewichtet erfolgt.

Nehmen wir mein Universum: Dort findet wir unter den ETF’s einen DAX ETF. Dieser bildet ganz stumpf die Entwicklung des DAX Index ab. Alle 30 Aktien in diesem Fonds werden exakt so gewichtet wie diese im DAX zu finden sind – also nach ihrem individuellen Marktwert.

Ein zweiter ETF bildet die Entwicklung des MSCI Emerging Market Minimum Volatility ab. Dies ist ein Smart Beta ETF, welcher zwar vom Namen her auf den MSCI Emerging Market referenziert, aber die Aktien in diesem Fonds werden nach der geringsten Schwankung – also Volatilität ausgesucht und dementsprechend gewichtet. Dabei wird beachtet, dass die Länder und Branchengewichtung des Fonds nicht zu weit von der Standard Benchmark abweicht.

Klingt jetzt irgendwie doch nicht so einfach!

Die Beiträge in der Presse und dem Internet suggerieren die spielend leichte Kapitalanlage mit ETF’s und raten dazu, dass deshalb jeder in ETF’s investieren sollte.

Aus meiner Sicht bleiben jedoch bei dieser sehr oberflächlichen Betrachtung eine Menge Fragen offen, bzw. werden dem interessierten Leser vorenthalten.

Nachdem wir eben geklärt haben, was im ETF drin ist, kommt man wahrscheinlich zur nächsten Frage:

Welcher ist denn jetzt der richtige für mich?

 

Das ist eine gute Frage und auch nicht pauschal zu beantworten. Es gibt heute eigentlich auf jeden Index oder Strategie einen ETF – marktgewichtete nach Ländern und Branchen, volatilitätsgewichtete, Value, Growth, Dividenden, Renten (Bonds), High Yield, Gold, Rohstoffe, Long und Short bzw. mit Hebel 2xLong oder 2xShort, in EUR oder USD oder EUR gehedged?

Also einfach kaufen! Scheint nicht die richtige Strategie.

Geldanlage ist m.E. höchst individuell. Nur weil ich „günstig“ an die Bausteine komme (ETF) heißt das noch lange nicht, dass ich daraus ein Haus bauen kann, welches auch in 30 Jahren noch steht.

Dabei haben die ETF’s genau wie aktive Fonds verschiedene Risikoklassen und diese wollen beurteilt und an der richtigen Stelle verbaut werden.

Dabei werden die Risiken nicht durch ETF’s gemanaged, sondern durch Positionsgrößen a.k.a Portfolio Gewichte. Diese Portfolio Gewichte müssen aber bestimmt werden. Einfache Daumenregeln können schon helfen (Aktiengewicht = 100 – Lebensalter), aber eine intensive Beratung kann manchmal nötig sein.

Zur Frage der Positionsgrößen oder der Allokation verschiedener Strategien habe ich ja schon auf meine „Liebling-Aallokation“ Risk-Parity hingewiesen.

Diese ist m.E. auch in der langfristigen Anlage ohne ein Handelssystem sinnvoll. Dazu bieten sich eben die dann doch typischen Bausteine Aktien, Renten, Rohstoffe an – ggf. auch als Smart Beta Variante – aber dazu mehr im nächsten Blog.

Diese werden risiko paritätisch gemischt und dabei wird das Gesamtrisiko im Auge behalten. Wie auch schon oft ausgeführt: Ist für mich das wesentliche Risiko die Tiefe eines Drawdowns (Grund: Ich muss die Allokation auch durchhalten können).

Wenn man für sich entschieden hat, wieviel Geld man bereit ist zu verlieren (prozentual) und dann dies mit dem Faktor 0,8 multipliziert, dann hat man m. M. nach schon die wichtigste Entscheidung getroffen.

Das Risk-Parity-Portfolio wird auf das jeweilige Drawdown Niveau kalibriert und für die nächsten Jahre immer nur z.B. einmal jährlich readjustiert.

Wie man das mit einem Handelsansatz kombinieren kann, um Drawdowns besser zu managen, zeige ich in meinem monatlichem System.

Was hoffentlich deutlich geworden ist:

Ein ETF macht noch kein Portfolio und schon gar keine langfristige Kapitalanlage.

Klar ist, dass durch die verschiedene ETF’s dem Anleger ein ganzer Werkzeugkasten zur Verfügung steht. Das richtige Werkzeug auszusuchen, bleibt aber jedem Anleger selbst überlassen.

Eine Regel hat sich nach meiner Erfahrung immer wieder bewährt:

Keep It Simple!

Damit meine ich, dass man nicht nach einer Mode oder nach Geheimtipps sein Portfolio strukturieren sollte, sondern immer breit gestreut in Standartwerte.

Die Ertragsunterschiede werden nicht durch zusätzliches Alpha (Outperformance) generiert, sondern durch das disziplinierte managen von Risiken.

Noch ein Wort zu den vermeintlich günstigen Kosten von ETF’s

Natürlich werden Kosten für den Fondsmanager gespart – zumindest zum Teil, da die monatlichen Rebalancings von einem Computer erledigt werden können und nur ein paar Portfolio Ingenieure diesen Prozess überwachen müssen.

Fest steht aber auch, dass Unternehmen welche ETF’s anbieten damit ordentlich Geld verdienen und keinen gemeinnützigen Auftrag verfolgen.

Das Geschäft ist natürlich in erster Linie auf Economies of Scale angelegt und funktioniert besonders gut, wenn viele Transaktionen über ein und das selbe System bzw. Plattform abgewickelt werden können.

Das hat aber auch Nebenwirkungen!

Zum einen erhöht dieses gleichzeitige Handeln den Markteinfluss der Beteiligten. Damit werden von den großen ETF-Anbietern die Kurse vielleicht stärker bewegt als gedacht. Das führt dann dazu, das Wertpapierkäufe vermutlich zu teuer und Wertpapierverkäufe zu billig sind.

Ein zweiter Nebeneffekt ist, dass wenn alle die gleichen Wertpapiere nachfragen die vermeintliche Outperformance (bei Smart Beta Produkten) relativ schnell verschwunden sein dürfte.

Als drittes bleibt die Frage, was die großen Kapitalsammelstellen mit den Wertpapieren machen, welche sie im Kundenauftrag halten. Meine Vermutung ist, dass die Unternehmen Wege finden die zusätzliche Liquidität gewinnbringend zu nutzen.

MAQS – Global Trend Following

Signale im wöchentlichen System:

  • keine

Signale des monatlichen Systems:

  • Kauf 1/2 Position DBLCI – OY Balanced (Rohstoff ETF)
    Kauf 1/2 Position MSCI Emerging Markets Minimum Volatility

 

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.