Fonds-Fahr-Schule: Anleihen Experte

Fonds-Fahr-Schule: Anleihen Experte

In der heutigen Fonds-Fahr-Schule möchte ich das Thema Anleihen vom letzten mal noch etwas vertiefen.

Nachdem wir beim letzten mal auf die Basics der Anleihen geschaut haben, möchte ich das Thema noch ein wenig ausweiten – sozusagen einen Teil 2 für den tieferen Blick.

Ganz speziell soll es um die Risikomaße Duration und Konvexität sowie den Roll-Down-Effekt gehen.

In weiteren Blogs werden wir das Bild dann noch komplettieren und werfen einen Blick auf die Welt der Derivate. Diese sind in der Zinswelt besnders wichtig. Um die Derivate und deren Nutzen zu verstehen, ist im Vorfeld der Expertenblick auf die Anleihen notwendig.

Also wie immer First Things First:

Duration und Konvexität

Die Duration einer Anleihe ist ganz einfach ausgedrückt die mittlere Kapitalbindung die der Käufer der Anleihen eingeht.

Dass klingt etwas spröde und man fragt sich – wozu soll das gut sein?

Führen wir uns aber kurz das Prinzip an einem beispiel einer 5-jährigen Anleihe mit einem Kupon von 5% vor Augen.

Der Investor investiert zum Preis von 100 EUR (Mittelabfluss) und erhält 5 Jahre lang einen Zufluss von 5 EUR (Zins) und am Ende der Laufzeit das Nominal der Anleihe die 100 EUR wieder zurück.

0J 1J 2J 3J 4J 5J
-100 5 5 5 5 105

Die aktuelle Rendite einer 5-jährigen Anleihe sei 5%. Somit lassen sich die einzelnen Cash Flows mit diesem Zins abdiskontieren:

0J 1J 2J 3J 4J 5J
Cash Flows -100 5 5 5 5 105
Diskontfaktor 1,05 1,10 1,16 1,22 1,28
Barwert der CF 4,76 4,54 4,32 4,11 82,27
Kum. Barwert 4,76 9,30 13,62 17,73 100,00

Kumuliert man die ab-diskontierten (also abgezinsten Cash Flows) – Geldflüsse – der Zukunft auf, ist der Zeitpunkt, ab dem der halbe Barwert erreicht ist, ist die Duration in Jahren. In unserem Fall liegt dieser zwischen dem 4 Jahr und dem 5 Jahr bei ca. 4,4 Jahren.

Fondsmanager sprechen häufig von der Modified Duration – diese ist normiert und wird gewöhnlich in % angegeben. Die Effektive-Duration ist ein weiteres Konzept und der Modified Duration sehr nahe. Die Berechung erfolgt jedoch nicht auf dem gleichen Weg.

An dieser Stelle macht man sich die Eigenschaft der Duration als Risikomaß zu Nutzen. Die Duration misst wie sensibel der Preis einer Anleihe auf Veränderungen der des Zinsniveaus reagiert.

Hier ein Beispiel: Am Markt existiert eine Anleihe mit 5 Jahren Laufzeit und einem Kupon von 5%. Das aktuelle Zinsniveau ist ebenfalls bei 5%. Damit ist der Preis der Anleihe 100 EUR.

Würde sich das Zinsniveau genau um 1% nach unten verschieben, dann hätte die Anleihe einen Wert von 104,45 EUR. Die Anleihe hätte damit eine Wertveränderung von 4,45% erfahren.

Die Duration ist das Maß für die Wertveränderung der Anleihe bei einer Zinsverschiebung von 1%. Demnach hätte diese Anleihe eine Effektive-Duration von 4,45%

Parameter der Duration

Die Duration ist von 3 Parametern abhängig: Kupon, Zins und Laufzeit.

Der Zusammenhang ist wie folgt: Die Duration ist höher je ….

  1. niedriger der Kupon ist
  2. niedriger der Zins
  3. länger die Laufzeit

Wenn der Kupon (a) einer Anleihe sehr niedrig ist, so fließen über die Ziet nur geringe Cash Flows an den Investor zurück – es dauert länger bis der Investor die halbe Investition (Barwert) zurück hat.

Wenn der Zins (b) zum ab-diskontieren der Cash Flows gering ist, so steigt der ab-diskontierte Wert der letzten Zahlung deutlich an. Da die letzte Zahlung die Rückzahlung des Nominals ist, bekommt der Anleger später die hälfte seiner Investition (Barwert) zurück.

Wenn die (Gesamt)-Laufzeit (c) länger ist, ist auch die halbe Laufzeit länger.

Konvexität

An dieser Stelle ein Wort zur Konvexität. Die Konvexität beschreibt die Veränderung der Duration bei veränderten Zinsen.

Die Berechnung der Duration unterstellt immer sehr kleine Zinsbewegungen. Bei deutlicheren Zinsveränderungen ändert sich die Duration der Anleihe wie wir eben anhand (b) besprochen haben. Wie stark sich die Duration ändert hängt von der Konvexität der Anleihe ab. Damit ist die Konvexität ein weiteres Risikomaß im Anleihebereich.

Roll Down

Zu guter Letzt wollen wir noch über Roll Down sprechen.

Wie wir oben gelernt haben ist die Duration von der Laufzeit abhängig. Da die Duration ein Maß für das Risiko einer Anleihe ist verlangt der Markt mit zunehmender Laufzeit einen höheren Zins. Man spricht in diesem Fall von einer normalen Renditekurve.

Es könnte auch sein, dass der Markt das Risiko im kurzen und im langen Bereich gleich einschätzt, dann sprechen wir von einer flachen Renditekurve. Dies tritt v.a. bei Unternehmensanleihen auf. Bei Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist die Wahrscheinlichkeit eines Ausfall der Anleihen kurzfristig sehr hoch. Der dadurch geforderte Renditeaufschlag (Spread) überlagert dann das Zinsrisiko.

In speziellen Fällen kann es (häufig nur kurzzeitig) zu einer inversen Zinsstrukturkurve kommen. Dann sind die Renditen im kurzen Bereich höher als im langen.

Unterstellen wir für unser Beispiel eine normale Kurve mit einer positiven Steilheit zwischen dem langen und dem kurzen Laufzeiten.

Nehmen wir wieder eine Anleihe mit einem Kupon von 5% und einer Laufzeit von 5 Jahren.

Die Zinsstrukturkurve soll wie folgt aussehen:

1J 2J 3J 4J 5J
1% 2% 3% 4% 5%

Damit wird die 5-jährige Anleihe zu einem Preis von 100 EUR am Markt gehandelt.

Würde der Investor diese Anleihe genau 1 Jahr halten und die Zinskurve würde sich nicht bewegen, dann würde sich der Preis der Anleihe auf 103,63 EUR erhöhen.

Bei diesem Preis erzielt der Investor einen Kursgewinn von 3,63 %  – einzig allein über das halten der Anleihe. Dieses Verhalten der Anleihepreise nennt man Roll Down. Die Anleihe „rollt“ die Renditekurve herunter und gewinnt dabei an Wert.

In Zeiten niedriger Zinsen ist das eine sehr schöne Zusatzrendite. Diese lässt sich allerdings nur realisisieren, wenn man die Anleihe auch nach einem Jahr wieder verkauft. Würde man die Anleihe bis zum Laufzeitende halten, dann würde man genau die 5% Rendite erhalten.

Je steiler die Zinsstrukturkurve und je geringer die Kupons und Zinsen, desto stärker tritt dieser Effekt zu Tage (also gerade jetzt).

 

Was gab es heute in unserer FondsFahrSchule zu lernen?

  1. Anleihen haben ein Zinsänderungsrisiko, welches durch die Duration und Konvexität ausgedrückt wird.
  2. Die Duration gibt an, wann der Investor seine halbe Investition (barwertig) wieder zurück bekommen hat.
  3. Einhöheres Zinsrisiko wird bei normaler (steilen) Zinsstrukturkurve auch höher entlohnt.
  4. In diesem Fall kann der Investor durch regelmäßiges Verkaufen von kürzeren anleihen und Neuinvestition in längere Anleihen einen zusätzlichen Rollgewinn erhalten.

 

MAQS – Global Trend Following

Performance November

Die Performance im November war positiv. Die letzten Tage haben MAQS wieder ein Stück nach vorn gebracht. Die Volatilität an den Märkten bleibt hoch. Alle warten auf den großen Einbruch, aber der Aktienmarkt steigt immer weiter. Insbesondere der Amerikanische Markt (immerhin 50% des MSCI Welt) trotzt jeder schlechten Nachricht.

Aber auch die Währungsmärkte steleln sich turbulent da die beiden Positionen gleichen sich nahezu aus. Auf der Anleihen-Seite können trotz Unkenrufe positive Beiträge über den Monat generirt werden.

So auch bei den Rohstoffen: Obwohl das Gold etwas schächelt so wird die von den Industriemetallen und Oel komplett überkompensiert.

September: +0,53%, Seit Jahresanfang: -11,57%

Monatsupdate_201711

Signale des monatlichen Systems:

  • Verkauf der EM Anleihen

Das neue MAQS-Portfolio hält im Dezember 2017 folgende Positionen:

Name ISIN Preis MAQS
DAXEX GY Equity DAX Aktien DE0005933931 111,57 60
EUNZ GY Equity EM Aktien IE00B8KGV557 23,99 300
IBCH GY Equity Welt Aktien IE00B441G979 48,46 290
IUS7 GY Equity EM Anleihen IE00B2NPKV68 96,96 0
IBCL GY Equity EUR Staatsanleihen IE00B1FZS913 225,38 100
XDBC GY Equity Rohstoffe LU0292106167 17,91 800
Gesamt in EUR     89,41
*Schätzung

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Wikifolio: MAQS – Global Trend Following

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