Fonds-Fahr-Schule: Anleihen

Fonds-Fahr-Schule: Anleihen

Vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle meine Fonds-Fahr-Schule eröffnet und die erste Lektion drehte sich um das Sparbuch. In dem genannten Blog-Beitrag, hatte ich auch ein Rendite-Risiko Diagramm gezeigt.

Risiko-Ertrag

Heute soll es einen Schritt riskanter und auch ertragreicher werden. Wir behandeln den nächsten Punkt auf der Liste: Anleihen.

Wie schon in der Fonds-Fahr-Schule gesagt, ist das Sparbuch ein Kredit, den ich der Bank gebe. Mit meiner Einlage bei einem Kreditinstitut erhält die Bank Liquidität und ich bekomme (wenn auch wenig) Zinsen.

Damit sind wir schon bei der Anleihe.

Eine Anleihe ist ebenfalls ein Kredit. Dieser wird dem Emittenten der Anleihe gegeben. Im einfachsten Fall ist es eine Anleihe z.B. eines Unternehmens wie BMW.

Mit dem Kauf einer Anleihe geben wir BMW einen Kredit (Liquidität) und wir erhalten dafür einen Zins. Der Unterschied zum Kredit liegt darin, dass wir diesen Kredit in Form einer Urkunde handeln können. Wir können die Urkunde kaufen bzw. verkaufen. Die Urkunde wird gewöhnlich bei Banken bzw. an einer Börse gehandelt und hat täglich einen Preis.

Kaufen wir die Anleihe bei der Emission und halten sie bis zur Fälligkeit, dann ist der Preis zwischendurch nicht wichtig – wir kaufen zum Preis von EUR 100 und bekommen am Ende der Laufzeit EUR 100 wieder zurück. In der Zwischenzeit erhalten wir die versprochenen Zinsen – ganz wie bei unserem Sparbuch bzw. unserem Festgeld bei der Bank.

Das wichtigste ist zunächst einmal die Frage, wie sicher diese Anleihe ist.

Hatten wir beim Sparbuch noch darauf verwiesen, dass der Einlagensicherungsfonds bis EUR 100.000 bereitsteht jedem Sparer bei einer Bankenpleite zu unterstützen, so gibt es bei Anleihen keinen solchen (externen Schutz) für den privaten Anleger.

Institutionelle Anleger können sich über Credit Default Swaps (CDS) absichern, aber das führt an dieser Stelle zu weit und ist auch für die Anleihe selbst egal. Der CDS ist im Prinzip eine Versicherung die einspringt, falls das Unternehmen insolvent wird.

Zurück zur Frage der Bonität.

Vor dem Kauf sollte der Anleger die Bonität des Emittenten prüfen bzw. prüfen lassen. Eine erste Orientierung geben die 3 großen Rating Agenturen:  Moody’s, Standard & Poors und Fitch. Es gibt noch einige weitere, wie der Tabelle unten zu entnehmen ist. Diese spielen aber international bei der Bewertung von Anleihen nur eine untergeordnete Rolle.

Diese Ratingagenturen vergeben regelmäßig Noten in Form von Buchstaben für Anleihen bzw. Emittenten. Die Rating-Noten sind in der folgenden Tabelle dargestellt:

ratingagenturen_ratingklassen

Den grünen Bereich nennen wir Investment-Grade Bereich – also alles von AAA – BBB-. Der orangefarbenen und roten Teil ist der Bereich der Hochzinsanleihen (High Yield).

In der letzten Fonds-Fahr-Schule hatten wir gelernt:

Rendite ist nicht alles – Sicherheit geht vor!

Dies gilt natürlich auch für Anleihen. Anleihen mit hohem Kupon (das ist der Zinssatz der Anleihe) bzw. mit hoher aktueller Rendite (das ist der Zinssatz unter Berücksichtigung des Erwerbskurses – dazu gleich später) haben in der Regel auch eine deutlich schlechtere Qualität und damit ein hohes Risiko nicht mehr, später oder nur zum Teil zurückgezahlt zu werden.

Anleihen lassen sich neben der Bonität auch in Unterkategorien einteilen. Unser obiges Beispiel der BMW Anleihe würde zu den Unternehmensanleihen gezählt und zwar zum Investmentgrade Bereich. Daneben gibt es Unternehmensanleihen im Hochzinsbereich (Non-Investment Grade, oder High Yield).

Neben den Unternehmensanleihen existieren Staatsanleihen. Diese werden meist in Entwickelte Länder und Entwicklungsländer (Emerging Markets) unterteilt. Dabei ist generell davon auszugehen, dass Anleihen entwickelter Länder eine bessere Rating-Note haben als Anleihen aus den Emerging Markets.

Das dies nicht immer zutrifft, hat das Beispiel Griechenland deutlich gezeigt. Normalerweise befinden sich die großen Industriestaaten im Investment Bereich – Deutschland bekommt regelmäßig sogar die Bestnote AAA. Emerging Markets haben zum überwiegenden Teil Ratings im unteren Investmentbereich bzw. oft auch im Non-Investment Bereich.

Natürlich gibt es neben den Nationalstaaten auch Bundesländer, Regionen und Kommunen, die Anleihen begeben. Außerdem emittieren auch Institutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB) bzw. andere staatsnahe Institutionen wie die KfW in Deutschland. Hier gilt generell das gleiche wie über die Nationalsaaten gesagte.

Um es noch etwas komplizierter zu machen, haben Anleihen in der Kapitalstruktur der Unternehmen einen unterschiedlichen Rang. Dieser Rang bestimmt, welche Kupons zuerst gezahlt werden bzw. welche Anleihen im Falle von Schwierigkeiten des Unternehmens ggf. ausfallen. Hier wird unterschieden in erstklassige Anleihen und Nachränge. Das Konzept ist vergleichbar einem Grundbucheintrag eines Häuslebauers.

Die Bank die ganz oben in der Liste steht, wird zuerst aus der Insolvenzmasse (Haus) bedient alle dahinterstehenden werden dann in der weiteren Folge bedient.

Das Leben wäre zu einfach, wenn es nicht auch Ausnahmen geben würde. Die Ausnahme bilden die sogenannten Pfandbriefe.

Pfandbriefe werden in Deutschland von Pfandbriefbanken emittiert. Der Gläubiger – also wir die Käufer – muss sich jedoch nicht (in erster Linie) Gedanken über die Bonität der jeweiligen Emittentin machen.

Vielmehr sind die verpfändeten Rechte bzw. Werte im Pfandbriefpool  interessant. Sind dies Hypotheken, so sprechen wir von einem Hypothekenpfandbrief. Sind es wiederum Anleihen oder Kredite von öffentlichen Institutionen, Staaten, Länder etc. , dann ist es ein Öffentlicher Pfandbrief.

Üblicherweise besitzen diese Pfandbriefe ein gutes bis sehr gutes Rating (AAA – AA). Dies liegt daran, dass Pfandbriefe in Deutschland stark reguliert sind. Jede Transaktion von  Werten bzw. Anlagen im Pool  wird von einem Trustee (also einem unabhängig bestellten Verwalter – Notare / Anwälte etc.) begutachtet. Die Ratingagenturen verlangen höchste Sicherheit für Pfandbriefe. Sollten Mängel an der Qualität der gelieferten Werte bestehen, so muss die Bank zusätzliche Liquidität bereitstellen.

Dem Pfandbrief verwandt sind ABS – Asset Backed Securities. Auch diese Anleihen sind durch verschiedene Werte wie z.B. Hauskredite besichert. Im Unterschied zum Pfandbrief sind die emittierten Anleihen einem bestimmten Rang zugeordnet. Das ist wichtig bei der Frage der Zahlung der Zinsen – je höher der Rang desto eher besteht die Wahrscheinlichkeit für den Erhalt einer Zinszahlung. Gleichzeitig werden Verluste – also wenn z.B. die Hauskredite nicht so wertvoll sind wie gedacht – von unten nach oben verteilt. Dementsprechend sind die untersten Tranchen der ABS am gefährdetsten. Sie besitzen ein hohes Risiko, das die Zinszahlungen nicht reichen und an erster Stelle Verlust zu absorbieren. Deshalb haben diese Anleihen auch eine schlechtere Rating Note als die Erstrangigen.

Der Preis ist doch wichtig!

Hatten wir im ersten Schritt den Preis der Anleihe nicht beachtet, so wollen wir jetzt kurz den Zusammenhang zwischen Preis, Kupon und Rendite aufzeigen.

  1. Kaufen wir eine Anleihe bei EUR 100 mit einem Kupon von EUR 4 pro Jahr und halten diese für 10 Jahre, dann haben wir am Ende (so unsere Anleihe nicht ausfällt) bei einer Rückzahlung der EUR 100 eine Rendite von 4% p.a. erhalten.
  2. Kaufen wir die gleiche Anleihe für EUR 110 und halten diese wieder für 10 Jahre, dann haben wir nur eine Rendite von 2,84% p.a. erhalten. Zur besseren Vorstellung kann man sagen, haben wir die 4% aus dem Kupon erhalten und einen Verlust über die 10 Jahre von EUR 10 gemacht.
  3. Kaufen wir die gleiche Anleihe für EUR 90 und halten diese wieder für 10 Jahre, dann haben wir sogar eine Rendite von 5,31% erhalten. Auch hier gab es wieder eine Rendite aus dem Kupon von 4% und zusätzlich eine Wertsteigerung von EUR 10 in den 10 Jahren.
Jahr Zahlung 1. Beispiel 2. Beispiel 3. Beispiel
0 Kaufpreis -100 -110 -90
1 Kupon 4 4 4
2 Kupon 4 4 4
3 Kupon 4 4 4
4 Kupon 4 4 4
5 Kupon 4 4 4
6 Kupon 4 4 4
7 Kupon 4 4 4
8 Kupon 4 4 4
9 Kupon 4 4 4
10 Rückzahlung
+ Kupon
104 104 104
Rendite 4,00% 2,84% 5,31%

 

 

Muss ich mir das alles antun?

Klare Antwort nein. Es bleibt weiterhin die Möglichkeit ein Festgeld bei seiner Bank zu machen und darauf hoffen, dass die Zentralbanken der Welt bald die Zinsen erhöhen, damit auch vom Zinsertrag mehr als ein Eis für die Kinder im Jahr abfällt.

Meines Erachtens sollten Privatanleger keine einzelnen Anleihen kaufen. Neben den schon vielen genannten Parametern ist es zusätzlich für Privatanleger schwer zu einem guten Preis an Anleihen zu gelangen. Abgesehen von Staatsanleihen sehr guter Bonität (Deutschland, Frankreich, USA, Großbritanien etc.) sind Anleihen deutlich liquider als Aktien und selbst für Profis manchmal nicht einfach zu handeln.

Privatanleger sollten aber nicht auf den Mehrertrag aus Anleihen gegenüber einem Festgeld verzichten. Dazu können Sie Anleihen in Form von Fonds erwerben. Mit aktiven und passiven Fonds (ETF’s) stehen dem Anleger nahezu alle oben aufgeführten Varianten zu Verfügung. Es gibt Fonds für Staatsanleihen mit guter Bonität, Staatsanleihen von Emerging Markets,  Unternehmensanleihen mit guter Qualität und schlechter (High Yield), sogar spezielle Märkte wie Pfandbriefe und ABS werden abgedeckt.

Was gab es heute in unserer FondsFahrSchule zu lernen?

  1. Anleihen können von der Rendite attraktiver sein als das Sparbuch oder das Festgeld.
  2. Anleihen sind deutlich komplizierter als ein Festgeld. Viele Parameter Bonität, Rangfolge, Besicherungspool und nicht zuletzt das Zusammenspiel von Rendite und Preis sowie die Liquidität machen die richtige Auswahl für den Privatanleger schwierig.
  3. Anleihen kann man zum Glück in Form von Fonds kaufen. Es gibt für alle hier vorgestellten Anleihearten und verschiedene Bonitäten aktiv gemanagte Fonds und zunehmend auch ETF’s.

 

MAQS – Global Trend Following

Performance September

Die Performance im September war negativ.  Das Jahr bleibt für Trendfolger schwierig. Die Anleger an den Kapitalmärkten sind hin und her gerissen mit der Angst vor einer Überhitzung des Aktienmarktes und der Zinswende an den Rentenmärkten. Alle Augen sind wieder einmal auf die Fed bzw. EZB gerichtet. Dabei wächst die Wirtschaft global ganz ordentlich. Aber bei diesem Hin und Her kann kein Trendfolger erfolgreich arbeiten.

MAQS rutscht diesen Monat noch tiefer in den Drawdown. Anfänglich sah es so aus als würde zum Ende des 3. Quartals der Turn Araound geschafft, dann aber drehten die Märkte erneut und MAQS beendet den Monat im Minus.

September: -4,11%, Seit Jahresanfang: -13,22%

Monatsupdate_201709

Signale des monatlichen Systems:

  • Kauf DAX (+halbe Position)
  • Kauf der EM Aktien (+halbe Position)
  • Kauf von Rohstoffe (+halbe Position)

Das neue MAQS-Portfolio hält im Oktober 2017 folgende Positionen:

Name ISIN Preis MAQS
DAXEX GY Equity DAX Aktien DE0005933931 111,57 60
EUNZ GY Equity EM Aktien IE00B8KGV557 23,99 150
IBCH GY Equity Welt Aktien IE00B441G979 48,46 340
IUS7 GY Equity EM Anleihen IE00B2NPKV68 96,96 0
IBCL GY Equity EUR Staatsanleihen IE00B1FZS913 225,38 100
XDBC GY Equity Rohstoffe LU0292106167 17,91 800
Gesamt in EUR     89,41
*Schätzung

Signale des wöchentlichen Systems:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Wikifolio: MAQS – Global Trend Following

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