Keine Angst vorm Knock-Out

Keine Angst vorm Knock-Out

Knock-Out Zertifikate sind Teufelszeug.

Der Kauf solcher Produkte wird dem einfachen Sparer  durch gesetzliche Hürden schwer gemacht. Der Gesetzgeber agiert an dieser Stelle, wie immer häufiger in unserem Land, als Beschützer der Verbraucher. Fragt sich nur, ob der Verbraucher das will und ob es letztlich vorteilhaft ist.

Knock-Out Zertifikate haben auf den ersten Blick die unangenehme Eigenschaft, dass diese nahezu wertlos mit einem Totalverlust ausgebucht werden können. Dies geschieht immer genau dann, wenn die im Zertifikat verankerte Preisschwelle unter bzw. überschritten wird.

Schauen wir zuerst auf das Knock-Out Zertifikat.

Ein Zertifikat ist eine Inhaberschuldverschreibung einer Bank – das gilt für alle Zertifikate unabhängig von ihrer Ausgestaltung. Damit sind Zertifikate Fremdkapitalinstrumente der begebenden Bank. Der Anleger ist mit dem Zertifikat abhängig von der Bonität des Kreditinstitutes.

Dies konnten einige Anleger während der Finanzkrise feststellen, die in Zertifikate von Lehman Brothers investiert waren. Leider war das manchmal  nicht sofort offensichtlich, da die Lehman Zertifikate auch von anderen Banken unter ihrem eigenen Namen vertrieben wurden (White-Labeling). Durch die Insolvenz von Lehman Bros. wurden diese Zertifikate wertlos in den Depots der Anleger.

Die meisten Zertifikate sind relativ langweilig.

In Zertifikaten werden z.B. Zinsen für eine gewisse Haltedauer gezahlt, ggf. erhöhen sich diese Zinsen, wenn man das Zertifikat noch ein wenig länger hält immer weiter. Andere Zertifikate ermöglichen die Partizipation  der Kleinanleger an der Performance eines Indexes – ganz ähnlich wie ein ETF, aber eben als Zertifikat und nicht als ETF-Sondervermögen (welches unabhängig von der Solvenz der Bank ist).

Ein Zertifikat ist üblicherweise sehr flexibel in Bezug auf die Ausstattungsmerkmale. Es können im Zertifikat nahezu alle möglichen Konstellationen abgebildet werden, wie und wann ein Zertifikat einen Gewinn oder Verlust erbringt. Natürlich sind auch alle Optionsscheine der Banken Zertifikate. Sie haben ein Auszahlungsprofil wie eine Option, sind aber juristisch eine Inhaberschuldverschreibung einer Bank.

Das Knock-Out Zertifikat ist also auch eine Inhaberschuldverschreibung. Der Unterschied zum Optionsschein ist, dass sich der Preis des Zertifikat 1:1 mit dem zugrunde liegenden Instrument bewegt, während eine Option und ein Optionsschein immer einen Zeitwert aufweisen.

Der Gewinn bzw. Verlust wird entweder am Ende der Laufzeit des Zertifikates festgestellt, oder bei Endloszertifikaten auf jeden Fall bei Verkauf. Im Unterschied zur Option besitzt der Knock-Out jedoch eine festgelegte Schwelle, ab der das Zertifikat wertlos wird.

Ein Beispiel: Wir vergleichen (qualitativ) eine Option mit einem Knock-Out Zertifikat.

Nehmen wir an, es handelt sich jeweils um ein Instrument auf einen Index bei 1.000 Punkten. Beide Produkte haben den Strike (also den Ausübungskurs) bei 800 und sind Long-Instrumente (Long-Call und Long Mini-Future = Long KO) , also für steigende Märkte.  Beide besitzen das gleiche Bezugsverhältnis: 1 Zertifikat = 1 Index. Zusätzlich unterstellen wir bei beiden die gleiche Laufzeit von 1 Jahr.

Der Verlauf des Index über das Jahr ist sehr volatil. Zuerst steigt der Index auf 1.200, dann fällt dieser auf 900. Nach kurzem Zwischenstopp im Sommer kommt es noch schlimmer. Der Index fällt auf 799 Punkte, bevor dieser dann mit einer fulminanten Rallye am Jahresende bis auf 1.300 klettert.

Wie verhalten sich unsere beiden Produkte?

Am Anfang des Jahres kostet das KO exakt die Differenz zwischen dem aktuellen Indexstand und dem Strike, also 200 Punkte. Der Optionsschein wird zu diese Zeitpunkt deutlich teurer sein – man zahlt eine Prämie (siehe: Black-Scholes-Modell) für das Recht zum Strike auszuüben.

Mit dem steigenden Markt auf 1.200 Punkte steigen auch beide Instrumente: Das KO wieder 1:1 also 400 Punkte. Der Optionsschein liegt wieder darüber. Jetzt fällt der Markt auf 900 Punkte und damit fallen beide Instrumente: KO auf 100 Punkte, der Optionsschein darüber.

Im Herbst-Crash fällt der Index unter den Strike!

Damit wird das KO wertlos und verfällt. Der Optionsschein fällt nicht einmal auf 0! Der Zeitwert – also die Erwartungskomponente (bedingt durch die Volatilität und Restlaufzeit) hält den Optionsschein im Spiel.

Mit der Erholung bis zum Ende des Jahres erreicht der Optionsschein seinen finalen Wert bei genau 500 Punkten. Der Zeitwert ist am Verfallstag verbraucht und der Schein besteht nur noch aus dem inneren Wert – dem Abstand des Index vom Strike.

Der KO konnte diese Rallye nicht mitmachen, da er im Herbst wertlos ausgebucht worden ist.

Warum dann nicht immer einen Optionsschein kaufen?

Der Nachteil des Optionsscheins ist, dass dessen Zeitwert – also die Prämie die man am Anfang bezahlt – verfällt. Damit hat man über den Zeitverlauf einen kleinen Verlaust, der hoffentlich von der erhofften Indexbewegung überkompensiert wird.

Für den KO habe ich das Worst-Case Szenario wählt, der Strike wird nur kurz unterschritten und dann bewegt sich der Index wieder in die antizipierte Richtung. Das kommt vor – vielleicht häufiger als gedacht, wenn auch nur gefühlt.

Zurück zur eigentlichen Frage – ist der Knock-Out ein Problem?

Nehmen wir mal an, ein Investor handelt sehr diszipliniert und setzt sich ein Limit wie viel er bereit ist bei einem einzigen Trade zu verlieren in unserem Fall möchte der Anleger nicht mehr als 200 Punkte bei seinem Kauf des Index verlieren.

Was wird er tun? Der Anleger kauft einen ETF auf den Index, welcher aktuell bei 1.000 Punkten steht. Die 1.000 Punkte stellen auch sein investiertes Kapital dar. Damit er seinen Verlust begrenzt, setzt er eine Limit-Order: Verkaufe bei einem Indexstand von 800 Punkten!

Der Marktverlauf ist bekannt – springen wir direkt in den Herbst.

Im Herbst erreicht der Index die 799 Punkte Marke. Am nächsten Tag wird die Stop-Loss-Order ausgeführt und der Anleger hat nicht mehr als 200 Punkte verloren (genau genommen hat er natürlich 201 Punkte verloren – dazu gleich mehr).

Das der Markt wieder steigt, ärgert den Anleger nur kurz. Vielmehr freut er sich, dass er seinen disziplinierten Investmentprozess konsequent verfolgt hat. In vielen Fällen der Vergangenheit hat er gelernt, dass Märkte auch deutlich tiefer fallen können, als er bereit war mit zugehen.

Ein anderer Anleger hat genau das gleiche Verlustlimit, möchte jedoch mit weniger Kapitaleinsatz an die Sache herangehen – er kauft sich einen KO mit dem Strike bei 800 zu einem Preis von 200 am Jahresanfang.

Er erleidet zwar im Herbst einen Totalverlust in seinem Zertifikat, dieser ist aber genau in der gleichen Höhe wie sein maximales Verlustlimit und ihn der disziplinierte ETF-Anleger ebenfalls realisiert hat.

Der KO-Anleger hat neben dem geringeren Kapitaleinsatz einen weiteren Vorteil. Eröffnet der Markt mit einem Gap, d.h. springt der Index von 850 auf 700, dann wird der ETF-Anleger seinen ETF erst bei 700 verkaufen und damit 100 Punkte tiefer als gedacht. Der KO wird bei 800 glattgestellt, die emittierende Bank trägt das Gap-Risiko.

Das ist nicht zu unterschätzen. Während der Finanzkrise sind oft am Wochenende entscheidende Maßnahmen in die ein wie in die andere Richtung unternommen wurden. Montags hat der Markt mit einem deutlichen Gap zum Freitags-Schluss eröffnet. Auch Naturereignisse wie z. B. Fukushima haben die Aktienindizes mit Gaps eröffnen lassen.

Risiko vs. Unsicherheit

Bonitätsrisiko: Der Nachteil der Zertifikate abhängig von der Bonität des Emissionshauses zu sein, kann durch die Auswahl des Anbieters und eine Streuung über mehrere Anbieter gut gemanaged werden.

Unsicherheit – Black Swan: Black Swan Events bleiben unvorhersehbar. Daher ist es gut dieses Risiko möglichst nicht selbst zu übernehmen.

Warum Verbraucherschützer jetzt diese Art von Stop Loss Management dem Anleger erschweren, will sich mir nicht erschließen. Wer genau soll dabei geschützt werden?

Wenn Anleger mit den KO-Produkten spekulieren und nur auf einen möglichst großen Hebel starren, dann müssen sich diese Spekulanten auch nicht über einen 100% Verlust beschweren.

In meinem wöchentlichen Handelssystem nutze die Knock-Out Schwellen als Risikomanagement Tool. Es kommt relativ häufig vor, dass mal eine Position schnell und bis 1R (also eine ganze Risikoeinheit) gegen mich läuft.

Dann ist es gut zu wissen, dass die Defensive steht!

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • Keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

 

* Bildmaterial von Daniel Novta

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s