Erwartung – Donald Trump – Reaktion

Erwartung – Donald Trump – Reaktion

Eigentlich wollte ich heute über den 3. Teil bzgl. der niedrigen Zinsen schreiben.

Die Ereignisse in den USA mit der Wahl des – zumindest hier in Europa – unbeliebten Donald Trump bieten jedoch die Möglichkeit in meinem Blog auf dieses Ereignis aktuell zu reagieren.

Das interessanteste an der Wahl war m.E. die Kombination der Erwartungen im Vorfeld, der Positionierung der Anleger und der nach der Wahl zu beobachteten Reaktion an den Finanzmärkten.

Warum sind Wahlprognosen so schlecht?

Wie schon beim Brexit lagen die Wahlprognostiker daneben. Das ist ggf. nicht ganz fair, da es vor beiden Ereignissen auch Wahlprognosen gab, die ein deutlich engeres Rennen vorhersagten.

Im Falles des Brexits waren sogar die weit verbreiteten Prognosen gar nicht schlecht. Diese zeigten ein relativ knappes 50:50 Ergebnis mit leichtem Vorsprung der Brexit-Gegner. Die Buchmacher lagen mit einer Quote von 80:20 zugunsten der Brexit-Gegner völlig daneben.

Bei Donald Trump war es auch ein Kopf-an-Kopf Rennen mit leichtem Vorsprung von Hillary gegenüber Trump.

RealClearPolitics_Wahl2016.PNG
Quelle: RealClearPolitics

Die Wahl selbst viel in beiden Fällen deutlich klarer aus als viele gedacht haben.

Wie kann das passieren, wo doch laufend der Puls der Zeit über Umfragen gemessen wird?

Ich denke hierbei sind viele Entscheidungssituationen gleichzeitig zu beobachten. Diese wirken in die eine wie in die andere Richtung. Nicht zuletzt das Veröffentlichen der neuesten Prognose führt zu einer erneuten Veränderung der Meinung.

Bei Donald Trump könnte – zumindest hier in Europa – bei der Auswertung der Prognosen immer die Hoffnung mit geschwungen sein, dass Hillary für Europa die bessere Alternative ist. Jeden falls die Kommentare aller deutschen Politiker waren deutlich Pro-Hillary.

Die Kapitalmärkte schlossen sich dem gleichen Wunsch an und malten das Bild mit Trump als Präsident immer tief schwarz.

Die Suche nach Bestätigung der vorgefassten Meinung über den Ausgang der Wahl führt m.E. zu einer Überbewertung der Wahlprognosen bzw. der medialen Signale.

In der Tat hat Donald Trump einen ziemlich provokanten Wahlkampf geführt. Er hat immer mit lauten Tönen gegen Minderheiten und das Ausland geschossen. Hillary hat demgegenüber die deutlich gemäßigten Worte gefunden und mehr den Status Quo bewahrend gesprochen.

Trump ging damit ein viel größeres Risiko ein als Hillary. Dieses wurde auch im Nachhinein belohnt.

Ganz nach Keynes:

“Worldly wisdom teaches that it is better for reputation to fail conventionally than to succeed unconventionally.”

Auch bei Wahlprognosen wird der einzelne Befragte sich ähnlich verhalten. Er wird im Zweifel – trotz anonymer Umfrage – eine Tendenz hin zum Status Quo entwickeln und die Fragen in diese Richtung beantworten.

Schon das Bekenntnis in einer Umfrage zu Trump könnte gerade für die von Trump durchaus scharf angegangen Minderheiten zu weiteren Fragen führen, die die oder der Befragte nicht beantworten möchte.

Damit haben wir wieder so etwas wie den Volatility Smile. Die Wahrscheinlichkeiten an den Rändern also auch die Wahrscheinlichkeiten für extreme Kandidaten werden von den Umfragen bzw. von der breiten Masse unterschätzt.

Die Aussagen Trumps wurden in den europäischen Medien oft gezeigt – dagegen Hillarys Aussagen fast nie besonders beachtet. Dies führte vielleicht zu einem viel zu einseitigem Bild. Auf der einen Seite ein polternder Trump und auf der anderen Seite eine konforme Hillary.

Das Wahlkampf und Regierung zwei verschiedene Paar Schuhe sind, sollte m.E. jedem klar sein. Auch im deutschen Wahlkampf werden oft Dinge versprochen, die hinterher nicht so heiß gegessen werden wie sie gekocht werden.

Kapitalmärkte und Statistiken

Die Kapitalmärkte schauen gern auf Statistiken, lassen sich aber auch gern von „Statistiken“ täuschen die keine sind.

So z.B. der Zusammenhang der Performance des Dow Jones mit der Frage ob der amerikanische Präsident dem demokratischen Lager angehört oder dem republikanischen.

Dabei wird gern vergessen, dass die Anzahl an Stichproben nicht ausreicht um eine valide statistische Aussage zu bekommen.

Seit 1929 hat der Dow Jones immer besser abgeschnitten unter einem demokratischen Präsidenten als unter einem republikanischen (Forbes).

In der Tat fielen einige der großen Börsen-Abschwünge in die Regierungszeit republikanischer Präsidenten.

Ist jede Koinzidenz einen eine Korrelation?

Sicher nicht! Es gab in dieser Zeit 22 Perioden (4-Jahres Zeiträume). Davon waren 12 mal demokratische Präsidenten und 10 mal ein republikanischer im Amt.

Für eine statistische Auswertung ist die Datengrundlage zu klein. Auf ähnliche Schlüsse kommt eine Studie aus dem Jahr 2014 von Blinder und Watson.

Außerdem ist die Börse von vielen Faktoren bestimmt – natürlich auch vom politischen Umfeld. Hierzu passt auch die Börsenweisheit:

„Politische Börsen haben kurze Beine“

Risiko vs. Unsicherheit

Börsen können wir schon oft gezeigt mit Risiken gut umgehen. Für Unsicherheit trifft dies nicht zu. Leider werden beide Dinge oft und gern miteinander verwechselt und die Börsianer übertrumpfen sich im professionellen Weissagen.

Das Ursache-Wirkungsprinzip von Politik bzw. dem Einfluss einer einzelnen Person wird z.B. oft maßlos überschätzt.

Vielleicht ist es gerade umgekehrt, dass nach einem großen Börsen-Aufschwung die Wähler in den USA das Gefühl haben eine andere Regierung zu wählen. Ein Grund dafür könnte sicher sein, dass einige Wähler sich  im Stich gelassen fühlen und nicht am Aufschwung partizipiert haben und deshalb verstärkt den Kandidaten wählen, der ihnen eine Besserung verspricht.

Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter über die Beweggründe der US Wähler rätseln – diese sind sicher sehr vielfältig und individuell. Mir ging es nur mit dem Beispiel darum, das Ursache-Wirkungs-Prinzip zu hinterfragen.

Professionelles Weissagen

Im Vorfeld der Wahl wurden Conference Calls und Informationsveranstaltungen etc. betrieben. Es wurde tagelang Research betrieben und Investmentkomitees haben bis zum Abwinken diskutiert. Alles nur um darüber zu philosophieren, wie der Wähler abstimmen wird.

Letztlich war der ganze „Hype“ völlig umsonst – bzw. sogar äußert schädlich.

Wer z.B. fest an Hillary als 45. Präsident(in) glaubte und offensiv positioniert war, hatte wahrscheinlich am Mittwoch Morgen Panik. Diese trieb in Japan den Aktienmarkt um 6% nach Süden.

Wahrscheinlich zwangen diese Ereignisse einige zu Panikverkäufen und das genau zum falschen Zeitpunkt. Kurz nach der Eröffnung in Europa brachen auch hier die Kurse massiv ein. Der Bund-Future sprang in die Höhe und mit ihm das Gold.

Kurz darauf geschah das Unfassbare – der Aktienmarkt drehte komplett und schloss den Tag deutlich im Plus. Der Bund-Future verlor am Tagesende und auch das Gold gab seine Gewinne wieder ab.

Mein Handelssystem tauchte auch zeitweise deutlich ins Minus, bzw. der schon bestehende Drawdown wurde noch größer. Diese Schwankungen innerhalb der Woche bzw. für das monatliche System die Schwankungen innerhalb des Monats sind dem System generell unbekannt.

Damit meine ich in der Modellierung treten diese Schwankungen nur als High-Low-Close auf. Das System bemerkt zwar eine Zunahme der Volatilität und diese hat ggf. auch Auswirkungen auf das zukünftige Verhalten, aber das wöchentliche System handelt nur einmal die Woche und NIE in Panik. Das Gleiche gilt entsprechend für das monatliche System.

Die Risiken in beiden Systemen sind genau mit diesen Vorgaben ausbalanciert – keine Not außer der Reihe einzugreifen.

Aus der Modelllogik geht das auch nicht. Die Ergebnisse der Vergangenheit, sind mit einem diskretionären Eingriff zwischen den Handelspunkten nicht zu rechtfertigen. Die Historie beinhaltet alle relevanten Informationen und in den knapp 10 Jahren Backtest bzw. Handel gab es schon allerhand „historische“ Ereignisse. Diese konnten alle sehr gut verdaut werden – auch ohne Prognose einer Wahl, oder Panik nach überraschenden Momenten.

Verlor eine Position nach einem großen Ereignis, sorgten die Stops für einen geregelten Verkauf zum Handelstag in der kommenden Woche.

Wichtig wie immer ist:

Man muss die Drawdown-Verluste aushalten können, um sich diszipliniert an seine Regeln halten zu können!

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • Kauf Long Position: EuroStoxx50
  • kauf Short Position: WTI Crude Oil

 

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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