Niedrige Zinsen – Teil 1

Niedrige Zinsen – Teil 1

Durch die niedrigen Zinsen wachsen die Sparvermögen in Deutschland langsamer. Hinzu kommt, dass die Baby-Boomer gerade beginnen in Rente zu gehen – dadurch einerseits diese von ihren Eltern die Geldvermögen erben bzw. ihre eigenen Ersparnisse aus z.B. Lebensversicherungen fällig werden.

Beide Summen suchen nach geeigneten und möglichst risikolosen Anlagen. Die risikolosen Zinsen sind jedoch weltweit gerade relativ niedrig und für Deutschland auf historischen Tiefständen.

Erklärungen dafür gibt es viele – nicht zuletzt sind die Baby-Boomer selbst Teil des Problems. Es gibt diese nicht nur in Deutschland, sondern mehr oder weniger mit leichter Zeitverzögerung in der gesamten westlichen Welt inkl. Japan.

Damit sucht weltweit diese „Nachkriegsgeneration“ nach einer attraktiven Geldanlage.

Gleichzeitig wächst die Welt nach der globalen Finanzkrise ein wenig langsamer, was die Anlagemöglichkeiten einschränkt. Die Finanzkrise ist nicht nur ein Problem der Banken, sondern ist sicher auch nur ein Symptom der oben beschrieben Zusammenhänge.

Dieses Missverhältnis von einem massiven Überhang der Anlagegelder vs. der verfügbaren Anlagen bezeichnete ein amerikanischer Notenbanker als die große Geldflut („Savings Glut“).

Die Banken und andere Finanzinstitute haben dass gemacht, was heute den Anlegern auch geraden wird: Das Risiko zu erhöhen!

Das funktioniert bei einer Finanzinstitution relativ einfach – der Verschuldungsgrad steigt und damit lassen sich aus kleinen Differenzen über hohe Volumen ordentliche Gewinne erzeugen. Das dies natürlich ein zweischneidiges Schwert ist, ist nach der Finanzkrise vielen klar geworden – Ertrag und Risiko hängen eben irgendwie zusammen.

Nun hat die Politik ein Problem – oder eigentlich zwei Probleme. Sie versteht die Zusammenhänge nicht vollständig und muss sich gegenüber Ihren Wählern rechtfertigen.

Das führt dann zu seltsamen Regulierungsanforderungen, welche weniger dem nudge Ansatz folgen, sondern einfach normative Vorgaben machen. Ergebnis sind dann ungewollte Konsequenzen, wie z.B. eine massive Reduktion der Bilanzsummen – eingeschränkter Kreditvergabe etc. seitens der Banken.

Was soll oder kann der Anleger tun?

Wie im letzten Post gezeigt hilft es sich zuerst über die eigene Situation im Klaren zu sein:

  • Wo komme ich her?
  • Welche Voraussetzungen bringe ich mit?
  • Wo will ich hin?
  • Wie lange soll das dauern und
  • welche Rückschläge bin ich bereit hinzunehmen?

In einer kürzlich im TV ausgestrahlten Dokumentation wurde das Problem der tiefen Zinsen behandelt.

Fest steht, die Banken können sich den Zins auch nicht aussuchen – sind sogar selbst Opfer der niedrigen Zinsen. Banken verdienen bekanntlich an der Zinsdifferenz aus Kreditzins minus Anlagezins einen Teil des Geldes.

Wenn die absoluten Beträge jedoch zunehmend sinken, dann kann die Marge nicht aufrecht erhalten werden. Dies führt dann zu einer Aufgabe von unprofitablen Geschäftsteilen – Bilanzreduktion. Ein weitere Effekt ist, dass die Kreditzinsen im Vergleich zu den Anlagezinsen steigen, was wiederum die Nachfrage nach Krediten weiter einschränkt.

Der Beitrag im TV stellte einige dieser Baby-Boomer vor. Alle hatten das gleiche Problem, dass Ihr bisher beschrittener Weg der Sparanlage nicht mehr zu vernünftigen Erträgen führte.

Ist der niedrige Zins eigentlich ein Problem für die Anlage?

Sieht man die Situation von einer anderen Seite, so haben alle die heutigen Vermögen durch die bisher auskömmlichen Zinsen relativ risikolos verdienen können. Einige von Ihnen hatten geerbt, dann verdienten die Generationen vor ihnen durch das (risikolose) Sparen dieses Vermögen.

In absoluten Beträgen hatten Sie früher weniger Volumen, dafür höhere Zinsen und heute eben höhere Volumen und niedrige Zinsen. Der Ertrag hat sich in realen Größen ggf. gar nicht verändert.

Alternativen gibt es immer – in jeder Zinslandschaft.

In der Doku wurden einige Überlegungen der Protagonisten aufgezeigt. Diese reichten von weiter so und abwarten bis hin zur Anlage in spezielle Sachwerte wie Wald, Goldmünzen und Whisky.

Da zwischen lag dann Weltsparen bzw. die Investition in dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtete SRI-Fonds.

Abwarten klingt zuerst langweilig, folgt jedoch den bekannten Produkten. Wenn die Risikotoleranz sehr gering ist, dann muss man sich eben auch mit den geringen Erträgen zufrieden geben.

Die Investition in SRI-Fonds bringt auch rein rational keine höhere Rendite, hilft jedoch über die kleinen Erträge mit einem gutem Gewissen hinweg. Hier werden neben den rein finanziellen auch die sozialen Bedürfnissen befriedigt.

Nicht vergessen darf man allerdings, dass auch SRI-Aktienfonds in erster Linie Aktienfonds sind und auch ein ähnliches Risikoprofil aufweisen.

Weltsparen klingt auf den ersten Blick ganz smart. Aber Vorsicht. Niemand hat etwas zu verschenken. Entweder kauft man sich die höhere Rendite mit Währungsrisiken oder mit Bonitätsrisiken. Die Bonitätsrisiken sollten allen Anlegern nach der Pleite der Islands Banken vor Augen sein. Auch einige der osteuropäischen Banken könnten die Liquidität nötiger haben als andere. Hier gilt „Return of Investment“ ist wichtiger als der „Return on Investment“.

Investitionen in Sachwerte sind m.E. auch problematisch. Das in der Doku besprochene Wald-Investment sollte eine Rendite von 2-4% abwerfen. Das klingt nicht gerade wie der 6er im Lotto. Dagegen bindet man sich auf Jahre in eine am Ende illiquide Anlage.

Natürlich werden aktuell allerhand verschiedene Sachwerte gehandelt. Oft besitzen die Verkäufer deutlich bessere Einsichten in die Werthaltigkeit der Anlage als Finanzinvestoren, die nur nach Rendite jagen. Da unterscheiden sich die Anleger dann selten von den Banken, denen das in der Finanzkrise zum Verhängnis wurde und denen heute dieses Verhalten heute vorgeworfen wird.

Nicht zu unterschätzen ist die Liquidität solcher Anlagen in einigen Jahren in der Zukunft. Sollten die klassischen Anlagen wie Aktien und Renten wieder an Attraktivität gewinnen, dann entweicht auch die Liquidität aus den Sachanlagen sehr schnell.

Nur wer wirklich unternehmerisch tätig sein will, sollte sich mit solchen speziellen Sachanlagen beschäftigen. Als reine Finanzanlage sind diese Investments m.E. ungeeignet.

Warum verkauft der bisherige Waldbesitzer und was macht dieser mit dem Geld? Muss er den Verkaufserlös nicht ebenso niedrig verzinst anlegen?

Nach der ökonomischen Lehre errechnet sich der Faire Wert einer Investition aus den abgezinsten Zahlungsströmen (Cash Flows) der Zukunft. Die Diskontierungsrate wird bestimmt vom aktuellen Zins zuzüglich eines angemessenen Risikoaufschlages.

Zins vs. fairer Wert:

Damit ist klar, dass der Faire Wert der Anlage direkt vom Zins abhängt. Ist der Zins und damit die Diskontierungsrate hoch, dann ist der heutige Wert des zukünftigen Zahlungsstromes gering. Mit fallenden Zinsen stiegt der heutige Wert der zukünftigen Cash Flows. Für den Teil des Wertes der auf dem risikolosen Zins beruht ist es somit völlig irrelevant, ob ich in die Sachanlage investiere oder zum risikolosen Zins anlege.

Der Risikoaufschlag könnte aktuell zu gering sein:

Der Verkäufer wird verkaufen, wenn er für sich das Risiko des Weiterbetriebes gegenüber der zukünftigen Anlage des Verkaufserlöses höher einschätzt. Da der Verkäufer wie oben beschrieben jedoch mehr über die Sachanlage weiß als der Finanzanleger, kann man sicher sein, wer den großen Teil der Risikoprämie abschöpft.

Unter Finanzprofis ist dieser Mehrertrag als Liquiditätsprämie schon lange bekannt wird aber gern in üblicher Berichterstattung unterschlagen.

Kommen wir noch einmal auf den SRI-Fonds bzw. auf klassische Aktienfonds zurück. Der Vorteil dieser Anlagegattung und auch andere herkömmlicher Segmente ist die hohe Liquidität. Diese ermöglicht dem Anleger und dem Verkäufer zu jeder Zeit einen einigermaßen fairen Preis für die Investitionen. Jeder Käufer ist nach erfolgreicher Transaktion ein potentieller Verkäufer.

Diesen Vorteil sollte man bei der Geldanlage beachten.

Fortsetzung folgt …

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • Schließen der Short Position in JPY/USD

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s