Große Auswahl und doch keine Entscheidung!

Große Auswahl und doch keine Entscheidung!

Im Urlaub habe ich Zeit in meiner Podcast Bibliothek zu stöbern. Dabei bin ich auf einen Podcast von Michael Covel mit Barry Schwartz aus dem Jahr 2014 gestoßen.

Barry Schwartz ist ein Psychologe und Autor. In seinem Buch „The Paradox of Choice“ und auf TED vertritt Barry die These, dass eine große Wahlmöglichkeit nicht notwendigerweise zu besseren Entscheidungen führt.

Um es gleich vorwegzunehmen führt eine zu große Auswahl vor allem zum „Nicht-Entscheiden“ und Unzufriedenheit mit der dann getroffenen Entscheidung.

Barry’s These widerspricht damit jeder von Ökonomen postulierten Ratio. Demnach sollte eben gerade eine sehr granulare Auswahl an Möglichkeiten und Handlungsoptionen die bestmögliche Allokation zur Befriedigung der individuellen Bedürfnisse führen.

Vor Jahren hörte ich mal den Spruch:

Es ist besser sich hinterher für eine Fehlentscheidung zu entschuldigen, als keine Entscheidung zu treffen.

Das wir alle tagtäglich Entscheidungen zu treffen haben ist wahrscheinlich vielen klar. Manche sind weitreichend und manche relativ simpel. Mal entscheiden wir aus dem Bauch (Giegerenzer) und manchmal ganz rational wie Kahneman vorschlägt.

Wie wir die Entscheidung fällen, hatte ich schon in einem der vorherigen Blog-Beiträge thematisiert. Heute soll darum gehen, welchen Einfluss die Ausgangsgröße – Anzahl der Möglichkeiten – auf die Entscheidung hat.

Sicher wird der eine oder andere schon bei seinen täglichen Entscheidungen festgestellt haben, wann ihm die große Auswahl an Produkten oder generell Optionen hilft und wann eben nicht.

Spielen wir die Situation im Supermarkt durch:

Wir wollen Marmelade kaufen, haben aber keine genaue Präferenz – auf jeden Fall lecker soll sie sein!

Mit diesen wagen Vorgaben sind wir beim Aldi nach 10 Minuten wieder raus – es gab genau 3 Stück: Erdbeere, Waldfrucht und Aprikose. Die Wahl viel auf Waldfrucht.

Gehen wir zu einem Vollsortimenter, dann könnte der gleiche Vorgang schon mal 20 Minuten dauern.

Warum?

Nun neben den 3 Sorten Erdbeere, Waldfrucht und Aprikose gibt es auch noch Himbeere, Brombeere, Kirsche etc. Neben der Auswahl der Sorte muss auch noch über den Hersteller –  mindestens 3 und die Größe des Glases entschieden werden.

Da kommt man mit einem Abzählreim schon an seine Grenzen.

Außerdem führt die große Auswahl dann zum Frust, da ich natürlich gern die Kirsch-Marmelade im kleinen Glas von Hersteller Z gehabt hätte, diese dort aber nur im großen Glas verfügbar ist.

Also meine Wünsche steigen mit den Möglichkeiten.

Gerd Giegerenzer beschrieb das Problem ebenfalls anhand der Menükarte im Restaurant. Je größer diese ist desto länger dauert die Auswahl – und das liegt nicht nur an der längeren Lesezeit.

Barry berichtete im Podcast von einem Experiment beim Speed-Dating. Auch hier schlägt das „Paradox of Choice“ zu. Das gilt wahrscheinlich auch für alle heutigen Dating Plattformen. Dort wird damit geworben, den idealen Partner zu finden.

Kann das funktionieren – wohl kaum!

Natürlich lassen sich einige Eigenschaften abgleichen, aber sind nun gleiche Eigenschaften besser oder machen uns Unterschiede interessant? Und wie genau müsste man diese einzelnen Eigenschaften gewichten etc.

Ein Blick in die heutige Realität: Warum gibt es immer mehr Singles, wo doch die Auswahl und die Suchkosten durch das Internet deutlich geringer sind?

Neben einigen anderen Faktoren, könnte es sein, dass die Menschen motiviert durch die geringen Suchkosten ständig auf der Suche nach dem perfektem „Match“ sind und damit entscheidungsunfähig.

Generell gilt je mehr Auswahl ich habe, desto unsicherer werde ich, was denn das richtige für mich ist und ob nicht hinter der nächsten Ecke die noch viel bessere Option auf mich wartet.

Zurück zu den Kapitalmärkten:

An den Kapitalmärkten eröffnen sich durch sinkende Kosten für Trading und Depotführung ebenfalls ein schier unübersichtlicher Pool an Lösungsoptionen für das Problem Altersvorsorge oder Geldanlage im Allgemeinen.

Es werden alle möglichen Finanz-Instrumente angeboten: Von einzelnen Aktien über Fonds und ETF’s, auch Derivate, CFD, Zertifikate aller Art usw. Welche Kombination davon die Richtige ist muss dann jeder selbst entscheiden.

Die hohe Auswahl führt jedoch ebenfalls dazu, dass die Investitions-Entscheidung immer wieder aufgeschoben wird. Welche Wirkung dies dann auf das im Alter zur Verfügung stehende Kapital hat ist hoffentlich allen klar.

Hier gilt je eher man damit beginnt, desto niedriger sind die nötigen regelmäßigen Beiträge für das gleiche zukünftige Sparziel.

Was ist zu tun?

Bei der Marmelade ist das einfach: Den Abzählreim hatte ich schon erwähnt. Alternativ habe ich in meinem Schreibtisch immer einen Würfel liegen – das ist aber eine andere Story für einen zukünftigen Beitrag.

Was auf jeden Fall funktioniert ist – entscheiden lassen – Fragen Sie jemanden nach seiner Lieblings-Marmelade und lassen sie sich überraschen – das Leben ist ein Abenteuer.

Wenn man doch lieber selbst entscheiden möchte, dann bitte vorher und nicht erst vor dem Regal. Also schon beim Schreiben der Einkaufsliste die Sorte mit vermerken, ggf. gleich noch eine Alternative dazu.

Ist man auf die Situation vorbereitet, dann geht die Entscheidung im Supermarkt sehr schnell. Entweder gibt es die richtige Sorte oder nicht, dann kauft man oder eben nicht!

Bei der Geldanlage versuchen wir uns auch auf den Handelstag vorzubereiten, indem wir möglichst klare Vorstellungen davon haben, welche Ziele wir am Markt verfolgen.

Geht es um langfristigen Vermögensaufbau ist es vor allem wichtig anzufangen. Selbst wenn die Auswahl oder der Einstiegs-Zeitpunkt nicht  optimal sind, kann man hinterher in aller Ruhe etwas nachsteuern.

Auch kann man seine Entscheidung an einen Dienstleister oder wie in meinem Fall an ein festes Regelwerk delegieren. Dann bleibt nur noch den „Einkaufszettel“ abzuarbeiten. Die Frage nach dem Lieblings-Fonds à la Hot-Tip würde ich jedoch lassen.

Für die Entscheidungen beim Speed-Dating bin ich leider nicht qualifiziert Hilfestellung zu geben – da finden sich sicher andere.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • Schließen der Short Position in WTI Crude Oil

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

 

Bildmaterial: (cc) Flickr-User Hellebardius

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