Portfolio Simulation – Pyramiding Teil 3

Portfolio Simulation – Pyramiding Teil 3

Die Erkenntnisse der letzten Woche haben mich genug motiviert mein Test-Handelssystem um den Pyramiding Ansatz zu erweitern.

Das klingt erst einmal ganz einfach, ist jedoch nicht ganz ohne. Schließlich muss überlegt werden, an welcher Stelle einzugreifen ist und welche Parameter genau alle geändert werden müssen.

Was habe ich umgesetzt?

Angelehnt an die Methoden der Turtles fange ich mit einem einfachen System an. Dabei können maximal 3 Units Risiko hinzu addiert werden.

Diese Begrenzung ist nötig, da sonst das initiale Risiko völlig aus dem Ruder läuft. Um dennoch einigermaßen vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, musste ich die Positionsgröße von 2% auf 1% absenken und damit das System neu kalibrieren.

Was passiert, war von mir erwartet.

Das neue System macht was es soll. Es werden nur die Trades werden aufgestockt, die auch die jeweilige Schwelle erreichen – also nur Gewinnertrades welche wenigstens 1R an Gewinn erreichen. Trades die weniger deutlich performen oder sogar Verluste produzieren bleiben bei 1R.

Bei einer gleichzeitigen Reduktion der Positionsgröße führt dies dazu, dass die Verluste in absoluten Euro geringer werden – in Risko-Einheiten bleibt alles beim alten – zumindest im Prinzip. Natürlich ist zu erwarten, dass die neuen Regeln auch zu etwas veränderten Eigenschaften des Systems führen – das ist ja auch gewollt.

Was für die absolute Wirkung der Verlierer gilt, gilt jedoch auch für Gewinnertrades. Auch diese haben erst einmal eine absolut geringere Wirkung auf den Gesamtgewinn. Über die weitere Erhöhung der Positionsgröße wird das im Laufe des Trades wieder ausgeglichen.

Meine Vermutung war, dass durch dieses Vorgehen eine deutlichere Akzentuierung der der P/R Zahlen entsteht. Dabei bleibt natürlich die Hoffnung, dass dies nur auf der rechten Seite zu einer Erhöhung kommt und auf der linken Seite des Histogramms die Stops eingehalten werden können. Damit haben wir immer noch sehr ähnliche Zahlen auf der linken Seite des Histogramms, aber dafür deutlichere Ausschläge nach rechts.

pyramiding-histogramm

Das sieht sehr gut aus – works as designed.

Durch das Pyramiding lassen sich die P/R Werte sehr deutlich auf der rechten Seite der Verteilung nach oben verschieben. Es gibt im Vergleich zum „normalen“ System zwar wenige, aber dafür deutlich größere P/R Werte.

pyramiding-tabelle-r
Vergleich der P/R-Werte

Beim Blick auf die Performance und Risiko-Kennzahlen des Pyramiding-Systems kommt allerdings etwas Ernüchterung auf. Die Kennzahlen sehen insgesamt dem „normalen“ System sehr ähnlich – bzw. sind sogar leicht schwächer.

pyramiding-gesamt
Vergleich der Werte des Gesamt-Systems

Wie kommt das? – Der Versuch einer Erklärung.

  1. Wie schon beschrieben werden ggf. Positionen erhöht, die dann mit dem erhöhten Volumen ins negative drehen und damit aus Gewinnern Verlierer werden. Dies wird unterstützt durch die Kennzahl: Win-Ratio = 38% vs. 40% für das „normale“ System.
  2. Durch die geringere Positionsgröße machen die Trades Ihre erste Risik-Unit mit nur dem halben (1% vs. 2%) absoluten Gewicht. Damit sind alle Trades mit nur einer Risk-Unit deutlich benachteiligt gegenüber dem „normalen“ System. In einem Trendfolgesystem ist zu erwarten, dass Trades in relativ starkes Momentum hinein eröffnet werden. Damit sind ggf. die ersten Wochen für diese Trades entscheidend. In der letzten Woche haben wir schon gesehen, dass das System keine „Startschwierigkeiten“ hat. Selbst die schnellen Reversals – also die mit hohen Verlusten gleich nach dem Entry – werden von den Gewinnern der ersten Wochen kompensiert. Deshalb hatte ich mich gegen das Pyramiding als Entry Technik entschieden. Das hier dargestellte Verfahren ist aber durch die reduzierte Positionsgröße aber genau das – ein vorsichtiges Phase-In der Trades.
  3. Die Spreizung der P/R Werte führt nicht zu einer Verschiebung des absoluten Beitrages eines jeden Trades zum Gesamtgewinn. Auch das lässt sich an den Zahlen ablesen. Der Mittelwert bewegt sich durch die „Ausreißer“ natürlich nach rechts weiter in den Profit-Bereich. Der Median verbleibt aber leicht im negativen Bereich.
  4. Das System wird deutlich abhängiger von einzelnen großen Gewinnern. Die schon im normalen System sehr guten Trades werden durch das Pyramiding noch besser. Gleichzeitig verschwindet aber der „Mittelbauch“ der immer noch guten Trades. Schaut man sich die einzelnen Trades an, stellt man fest, dass nur! die Trades mit der maximalen Positionsgröße (Pos = 3) im Mittel Gewinner sind (oder bleiben) – Trades mit einer Pos = 2 sind gerade noch Break Even.
  5. Drawdowns werden durch dieses Verhalten wahrscheinlicher – treten also häufiger auf und sind im Mittel tiefer.

Letztlich sind beide Systeme sehr vergleichbar in ihren To-Line Zahlen. In der Charakteristik unterscheiden sich beide Systeme jedoch. Das Pyramiding-System hat sicher den Charme geringer Positionsgrößen und damit absolut kleinerer Verluste pro Trade. Dafür wird es durch das Pyramiding aufwändiger und eratischer. Man muss darauf gefasst sein, das durchschnittlich gute Trades in die Verlustzone laufen. Dafür kann man sich über sehr deutliche Gewinner freuen, wenn man einen großen Trend erwischt hat.

Das normale System ist „pflegeleichter“ nach dem Entry gibt es außer der Beachtung der Stops und Exits nichts mehr zu tun. Man kann sich darüber ärgern, dass man gleich am Anfang 2% des Portfolios durch ein schnellen Reversal verspielt und einen langen Trend nicht deutlicher ausgebeutet hat. Dafür bleiben die leicht über 1R Trades auch solche und werden nicht durch eine unglücklich erhöhte Positionsgröße zunichte gemacht.

Für mich hat die Analyse bestätigt, dass einfach nicht notwendig schlecht sein muss. Es macht zwar Spass immer wieder neue Entries, Exits oder wie in diesem Fall eine andere Money Management Methode zu durchdenken und zu probieren, aber am Ende muss der Charakter des Systems noch zu mir passen. Solange ich nicht die Systemparameter wesentlich verändern  kann, erscheint es mir nicht wert neue Wege zu gehen.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • keine

 

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