Traden wie ein Ägypter – Pyramiding Teil 1

Traden wie ein Ägypter – Pyramiding Teil 1

Drawdown Zeit ist für mich immer die Zeit, in welcher ich mich mehr mit meinem Handelssystem beschäftige. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ein „nicht funktionierendes“ System eine Art Aktivitätszwang in mir auslöst.

Solang die Aktivität darin mündet, dass ich mein System besser verstehe oder neue bessere Methoden entwickle, ist daran m.E. nichts auszusetzen. Aktivitätswahn sollte nur nicht zu unkontrollierten Eingriffen in das bestehende System führen – das wäre sehr kontraproduktiv.

Im letzten Blog ging ich der Frage nach, ob Drawdowns zu einer bestimmten Zeit wahrscheinlicher sind als zu anderen Zeiten. Diesmal möchte ich ein Thema untersuchen, über welches ich schon des öfteren nachgedacht habe – Pyramiding.

Pyramiding hat natürlich wenig mit den Pyramiden im alten Ägypten zu tun sondern ist eine Money Management Technik, welche oft empfohlen wird, um maximale Profite beim Traden zu erzielen.

Soweit die Theorie

Die Bezeichnung Pyramiding kommt daher, dass bei dieser Technik in einem starken Trend sukzessive Positionen hinzu addiert werden. Damit steigt der Leverage einer einzelnen Position erheblich und kann, wenn alles gut geht zu sehr hohen Profiten führen.

Um zu erfahren, ob diese Technik für mein System verwendbar ist, habe ich mir ein paar Fragen gestellt. Diese kann ich heute noch nicht alle beantworten, aber diese sollen mein Research leiten.

  1. Ist Pyramiding kompatibel zur Trend-Folge-Philosophie?

Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen.

Prinzipiell ist Pyramiding mit einem Trendfolge-Ansatz kompatibel. Mit steigenden Gewinnen, werden immer neue Positionen aufgebaut. Damit ist die Strategie genau umgekehrt zum Average Down – also dem Nachkaufen bei Verlusten, um den Einstiegspreis zu verbilligen.

Gleichzeitig werden bestehende Stop Loss Absicherungen an die neue Position herangeführt, sodass in der Summe keine höheren Risiken im System entstehen – zumindest nicht in der Theorie.

Leverage ist wie wir schon wissen ein zwei-schneidiges Schwert – dreht die Position ins negative, werden auch die Verluste sehr schnell sehr hoch.

Deshalb wird es wichtig sein, eine effektive Verlustbegrenzung einzubauen.

Die hohem Hebel potenzieren sich neben den Gewinnen auch Trade-Error und Gap-Risiken. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit von unkalkulierbaren Verlusten deutlich.

2. Verändert das Pyramidale Trading mein Risikoprofil?

Ich würde im ersten Augenblick denken, dass die Tails der Verteilung sowohl positiv als auch negativ dicker werden. Damit steigt auch die Gefahr von Schwarzen Schwänen – konkret tiefen Drawdowns. Wie schon häufig erwähnt führen tiefe Drawdowns zum Vertrauensverlust in das Handelssystem und dann zur Aufgabe!

Mit dem veränderten Risikoprofil bleibt zu überlegen, ob der Trade off sich wirklich lohnt. Aus einzelnen wenigen Trades deutlich mehr herauszuholen und dafür zu riskieren, bisherige Gewinn-Trades durch ein höheren Leverage am Ende als Verlierer-Trade dastehen zu lassen.

Außerdem bedeutet eine neue zusätzliche Position auch zusätzliches Kapital aufzuwenden und nicht immer ist genug Kapital vorhanden, da genügend andere Positionen aktiv sind.

Um freies Kapital zu bekommen müssen Regeln getestet und festgeschrieben werden. Kommt das Kapital von anderen Positionen, muss festgelegt werden in welcher Reihenfolge Positionen reduziert werden etc.

Das alles ist recht aufwändig zu testen, deshalb will ich mir etwas Zeit für das Research nehmen und in den nächsten Wochen über meine Erkenntnisse schreiben.

3. Wird mich das Pyramidale Trading emotional stärker fordern?

Wie schon erwähnt führt ein erhöhter Leverage zu deutlich mehr Stress. Ich habe das mit einem meiner früheren Handelssysteme erlebt. Bei diesen handelte ich ständig die doppelte Positionsgröße und mehr Märkte.

Auf dem Papier ist das kein Problem wir ich schon in einem früheren Blog-Post beschrieben hatte. Aber wenn der Drawdown entstanden ist, kommen die Zweifel sehr schnell. Insbesondere, wenn man mit ungenügend „gelebten“ Strategien arbeitet.

Eine Hilfe bei der Beantwortung der Fragen sind natürlich die Erfahrungen etablierter Größen im Geschäft: George Soros würde z.B. sagen: „Gehen Sie aufs Ganze“. Soros tendierte dahin, Positionen zu etablieren, um den Markt zu testen. Wenn der Markt im Recht gab (ein Trend etablierte sich), dann erhöhte er seine Risikoposition, um den Profit zu maximieren.

Auf der anderen Seite hören wir immer:

„Nicht Haus und Hof aufs Spiel zu setzten, sondern genug Pulver trocken zu halten, um an einem anderen Tag wieder in den Ring steigen zu können.“

Also offensichtlich kommt es wie immer darauf an:

Auf jeden Fall kann es helfen die neue Methode intensiv zu testen und ggf. zusätzliche Regeln aufzustellen, die den maximalen Leverage zu begrenzen.

Erste Schritte:

Um die Technik etwas systematischer zu untersuchen, las ich zuerst noch einmal die entsprechenden Kapitel bei Curtis Faith „Way of the Turtle“ mit welcher Methode die Turtles erfolgreich waren.

Die erste wichtige Erkenntnis: Pyramiding ist eine Money Management Technik.

Der Aufbau weiterer Positionen erfolgt ohne neues Signal des Systems – bei den Turtles ohne neuen Break Out. Obwohl dies bei den Turtles ohne weiteres möglich wäre, wird einzig auf die P&L des einzelnen Trades abgestellt.

Das kommt mir entgegen, da ich generell keine neuen Signale erzeuge. Der Triple-Moving-Average gibt nur ein einziges Signal – danach muss erst ein Close folgen, bevor ein neues Signal generiert wird.

Bei einem Break Out System über z.B. 20 Tage, können immer wieder neue Handels Signale entstehen – theoretisch jeden Tag.

Die Turtle Variante

Die Turtles arbeiteten in ihrem Money Managementsystem mit Units of Risk (R). Also Positionen wurden immer Volltatilitäts-Normiert implementiert. Als Volatilitätsmaß diente die Average Traue Range oder kurz ATR.

Die ATR ist mehr oder weniger vergleichbar mit der Standartabweichung – die ATR arbeitet jedoch mit:

  1. weniger Daten und
  2. mit absoluten EUR-Beträgen.
  3. berücksichtigt die komplette Handelsbreite Open-High-Low-Close, während die Standartabweichung wird meist nur für eine Zeitreihe  des Close ermittelt.

Die Korrelation beider Zahlen ist jedoch relativ hoch bzw. die Aussagen identisch. Im meinem monatlichen System, welches nur mit Monatsend-Kursen arbeitet, benutze ich auch die langfristige Standardabweichung um die Gewichte der Asset-Klassen festzulegen.

Eine Unit Risiko waren bei den Turtles 2 x ATR. Eine zusätzliche Unit Risiko wurde nach einer Marktbewegung um 1 x ATR oder 0,5 x R in Richtung des Trades aufgenommen.

Im Gegenzug wurden die Stop Loss-Marken um genau die 0,5 R angehoben (long) oder abgesenkt (short).

Wichtiges Detail: Die initiale ATR wurde über die Laufzeit des Trades nicht verändert. Das mache ich in meinem wöchentlichen System ebenso – einmal eingegangene Positionen werden nicht rebasiert oder an neue Volatilitäten (ATR) angepasst. Da die ATR bei guten Trades gewöhnlich steigt – der Trade gewinnt an Dynamik – erhalten die Gewinner auch ein wenig mehr Einfluss auf die Gesamt P&L des Systems.

Zurück zu den Turtles:

Bei einem Close Signal (Stop oder Exit) wurde die gesamte Position geschlossen – kein schrittweises Reduzieren (Scale Out) der Position. Ein Scale-Out würde aus meiner Sicht keinen Sinn machen – es gibt kein Signal mehr – also gibt es auch keine Position mehr Pyramiding ist nur Money Management.

Im nächsten Beitrag schaue ich auf die aktuellen Parameter meines wöchentlichen Systems, suche geeignete Trades und teste die Mechanik an diesen im Einzelfall.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • keine

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

 

Bildquelle: egypt travel

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