Chaos im Wolkenkratzer

Chaos im Wolkenkratzer

Die Städte sind schon zugebaut. Um immer mehr Menschen in Büros unterzubringen wird zunehmend in die Höhe gebaut. In Frankfurt ist das schon eine Frage des Images. Nicht nur die Menschen der Stadt wollen hoch hinaus, sondern ein Wolkenkratzer gehört eben auch zum Stadtbild von Frankfurt. Wenn ich nach Frankfurt zurückkehre freue ich mich immer auf den ersten Blick auf die Stadt mit der Skyline.

So ein Büro im Wolkenkratzer besitzt jedoch auch einiges Potential an Tücken. Die Wege von einem Büro in ein anderes oder ein Meeting können schon relativ lang sein. Insbesondere, wenn man ständig auf Aufzüge warten muss. Auf der Anderen Seite trifft man im Aufzug oft die Kollegen und kann dann die Aufzugsfahrt für einen kurzen Smalltalk nutzen.

Neulich kam meine Kollegin völlig gestresst wieder ins Büro und berichtete von den nicht funktionierenden Aufzügen. Man muss dazu sagen, dass bei uns gerade eine menge Bauarbeiten stattfinden und deshalb die Aufzüge auch immer man nicht funktionieren. Das führt dann natürlich zu etwas schlechter Stimmung. So ein Büroturm ist ohne Aufzug nur mit richtige guter Ausdauer zu bezwingen.

Ihr Problem diesmal war jedoch nicht, das der Aufzug nicht funktionierte – im Sinne: Überhaupt nicht fuhr, sonder der Aufzug vergaß wohin der Fahrgast wollte.

Also genau genommen funktionierte der Aufzug wie eine Lotterie oder ein Roulette Rad. Man steigt ein – drückt einen Knopf und der Aufzug wählt dann völlig unsystematisch ein Stockwerk.

Das fand ich einen interessanten Gedanken.

Ich stellte mir die Menschen vor den Aufzügen vor, wie sie versuchten durch geschicktes drücken am schnellsten in ihr Büro kommen wollten. Die IT würde einen Algorithmus im Intranet veröffentlichen, mit dem man sicher in die richtige Etage gelangt. Dann würden früher oder später Bücher darüber geschrieben werden wie es jemand geschafft hat, beim ersten Drücken in das richtige Stockwerk zu gelangen. Es würden Verschwörungstheorien entstehen und seltsame Rituale vor den Aufzügen abgehalten werden. Wahrscheinlich gebe es jeden Morgen erst einen spirituellen Arbeitskreis, bei dem die Weisheit des Aufzugs gepriesen wird.

Nun Spaß beiseite. Werfen wir einen rationalen Blick auf das Spiel.

Es ist sofort zu erkennen, dass wir eine kleine statistische Fragestellung vor uns haben. Eigentlich auch keine so komplizierte – es wird wieder mal gewürfelt. Nur unser Würfel besitzt nicht nur 6 Seiten, sondern 50 – so viele Seiten wie der Wolkenkratzer Etagen hat.

Bei jedem Wurf wird eine der 50 Zahlen gewählt, bzw. bei jedem Druck auf den Aufzugsknopf wird ein Stockwerk völlig zufällig gewählt.

Für den Moment schauen wir nur auf den Einzelfall. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich beim ersten Wurf in meine Etage komme? – 1:50 also 2%.

Jetzt kann man natürlich nicht hingehen und einfach 50-mal den Knopf drücken, um auf 100% Wahrscheinlichkeit zu kommen. So einfach ist Statistik und Aufzugfahren in unserem Fall nicht. In der Statistik spricht man von „Ziehen mit zurücklegen„.

Aber tatsächlich kann man bestimmen, wie oft der Knopf gedrückt werden muss (sequentiell, nach jeder Ankunft auf der falschen Etage), um mit einiger Sicherheit auf dem gewünschten Stockwerk zu landen. Die absolute Sicherheit kann leider nicht erreicht werden, aber wir wollen uns wie am Kapitalmarkt mit einer sehr hohen z.B. 99% Wahrscheinlichkeit zufrieden geben.

Dafür könnte man jetzt wieder eine Monte Carlo Simulation mit Excel bauen und dann einen Zufalls-Aufzug zu simulieren. Damit kann das Ergebnis sozusagen herbeigewürfelt werden.

Zum Glück gab es schon findige Mathematiker wie z.B. den Herren Bernoulli, der dieses ziehen mit zurücklegen in eine Formel gegossen hat.

Wir suchen sozusagen die Anzahl n – wie oft muss man drücken, um das Ergebnis P Stockwerk 13 (zum Beispiel) zu erreichen – oder anders herum. Dann suchen wir die Wahrscheinlichkeit die entsprechende Etage nicht zu erreichen.

Damit erhalten wir dann 1 – P (eine spezielle Etage wird nicht erreicht)^n > 99%.

In Zahlen bedeutet dies 1 – ( 49/50 )^n > 99. Jetzt noch die Gleichung nach n auflösen.

0,01 > ( 49/50 ) ^n
log ( 0,01 ) > n * log ( 49/50 )
log ( 0,01 ) /  log ( 49/50 ) > n
n < 227,948 oder knapp 228 mal.

In der kleinen Tabelle anbei habe ich nochmals die verschiedenen Wahrscheinlichkeiten für n berechnet.

 

Wahrscheinlichkeit Anzahl Versuche
68,27% 57
95,45% 153
99,00% 228
99,73% 293

Das Ergebnis ist natürlich für die Aufzugsfahrer weniger vorteilhaft. Wenn man eilig in einen Termin möchte, wird das wohl nichts mehr werden. Nehmen wir nur einmal an, der Aufzug benötigt immer 1 Minute, um auf dem neuen Stockwerk anzukommen. Dann bedeutet dies wir benötigen knapp 4h (grob 240min.) um auf der richtigen Etage anzukommen.

Also dann sind selbst bei uns die Meetings schon zu Ende.

In Bezug auf das Handelssystem kann man sich fragen, wie oft hintereinander ein Verlust entstehen kann. Das gleicht zwar mehr dem Münzwurf, da wir nur die beiden Zustände „Verlust“ und „kein Verlust“ kennen, aber wird genauso berechnet.

n ist in diesem Fall auch einigermaßen überschaubar. Allerdings ist in meinem System die Münze nicht ganz fair. Mein System produziert in 60% der Fälle einen Verlierer. Dafür adjustiere ich die Anzahl der Kugeln in der Urne auf 100. 60% Rote Kugeln stehen für Verlust und 40 Schwarze-Kugel für einen Gewinn.

In einer Formel ausgedrückt würde man schreiben:

1 – ( 60/100 )^n > 99
0,01 > ( 60/100 )^n
log ( 0,01 ) > n * log ( 60/100 )
log ( 0,01 ) /  log ( 60/100 ) > n
n < 9

bzw. die gesamte Tabelle der einzelnen Wahrscheinlichkeiten und nötigen Trades:

Wahrscheinlichkeit Anzahl Versuche
68,27% 2
95,45% 6
99,00% 9
99,73% 12

Damit sind 9 Verlierer hintereinander nicht ungewöhnlich bzw. wenn wir von einem 3 Sigma Konfidenzintervall sprechen sogar 12. Ich habe aus Diversifikationsgründen meist mehrere Trades gleichzeitig – nicht immer alle 8, aber oft 5 – 6. Das führt dann zu viel mehr Trades pro Jahr und damit kann diese Kombination von 12 Verlusttrades hintereinander schon einige male vorkommen.

Gehen wir mal von durchschnittlichen Verlusten von 0,7R aus, dann muss ich mit einem Drawdown von 12 x 0,7R = 8,4R rechnen. Wenn 1R dann 2% des Equtiy sind, dann sind Verluste (Drawdowns) i.H.v. 16-17% völlig normal.

Natürlich sind nicht alle Trades immer gleich schlecht, aber für eine grobe Abschätzung der möglichen Verluste ist es durchaus zu gebrauchen.

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Bild: Christian Wolf, www.c-w-design.de

 

 

Portfolio Simulation – Pyramiding Teil 3

Portfolio Simulation – Pyramiding Teil 3

Die Erkenntnisse der letzten Woche haben mich genug motiviert mein Test-Handelssystem um den Pyramiding Ansatz zu erweitern.

Das klingt erst einmal ganz einfach, ist jedoch nicht ganz ohne. Schließlich muss überlegt werden, an welcher Stelle einzugreifen ist und welche Parameter genau alle geändert werden müssen.

Was habe ich umgesetzt?

Angelehnt an die Methoden der Turtles fange ich mit einem einfachen System an. Dabei können maximal 3 Units Risiko hinzu addiert werden.

Diese Begrenzung ist nötig, da sonst das initiale Risiko völlig aus dem Ruder läuft. Um dennoch einigermaßen vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, musste ich die Positionsgröße von 2% auf 1% absenken und damit das System neu kalibrieren.

Was passiert, war von mir erwartet.

Das neue System macht was es soll. Es werden nur die Trades werden aufgestockt, die auch die jeweilige Schwelle erreichen – also nur Gewinnertrades welche wenigstens 1R an Gewinn erreichen. Trades die weniger deutlich performen oder sogar Verluste produzieren bleiben bei 1R.

Bei einer gleichzeitigen Reduktion der Positionsgröße führt dies dazu, dass die Verluste in absoluten Euro geringer werden – in Risko-Einheiten bleibt alles beim alten – zumindest im Prinzip. Natürlich ist zu erwarten, dass die neuen Regeln auch zu etwas veränderten Eigenschaften des Systems führen – das ist ja auch gewollt.

Was für die absolute Wirkung der Verlierer gilt, gilt jedoch auch für Gewinnertrades. Auch diese haben erst einmal eine absolut geringere Wirkung auf den Gesamtgewinn. Über die weitere Erhöhung der Positionsgröße wird das im Laufe des Trades wieder ausgeglichen.

Meine Vermutung war, dass durch dieses Vorgehen eine deutlichere Akzentuierung der der P/R Zahlen entsteht. Dabei bleibt natürlich die Hoffnung, dass dies nur auf der rechten Seite zu einer Erhöhung kommt und auf der linken Seite des Histogramms die Stops eingehalten werden können. Damit haben wir immer noch sehr ähnliche Zahlen auf der linken Seite des Histogramms, aber dafür deutlichere Ausschläge nach rechts.

pyramiding-histogramm

Das sieht sehr gut aus – works as designed.

Durch das Pyramiding lassen sich die P/R Werte sehr deutlich auf der rechten Seite der Verteilung nach oben verschieben. Es gibt im Vergleich zum „normalen“ System zwar wenige, aber dafür deutlich größere P/R Werte.

pyramiding-tabelle-r
Vergleich der P/R-Werte

Beim Blick auf die Performance und Risiko-Kennzahlen des Pyramiding-Systems kommt allerdings etwas Ernüchterung auf. Die Kennzahlen sehen insgesamt dem „normalen“ System sehr ähnlich – bzw. sind sogar leicht schwächer.

pyramiding-gesamt
Vergleich der Werte des Gesamt-Systems

Wie kommt das? – Der Versuch einer Erklärung.

  1. Wie schon beschrieben werden ggf. Positionen erhöht, die dann mit dem erhöhten Volumen ins negative drehen und damit aus Gewinnern Verlierer werden. Dies wird unterstützt durch die Kennzahl: Win-Ratio = 38% vs. 40% für das „normale“ System.
  2. Durch die geringere Positionsgröße machen die Trades Ihre erste Risik-Unit mit nur dem halben (1% vs. 2%) absoluten Gewicht. Damit sind alle Trades mit nur einer Risk-Unit deutlich benachteiligt gegenüber dem „normalen“ System. In einem Trendfolgesystem ist zu erwarten, dass Trades in relativ starkes Momentum hinein eröffnet werden. Damit sind ggf. die ersten Wochen für diese Trades entscheidend. In der letzten Woche haben wir schon gesehen, dass das System keine „Startschwierigkeiten“ hat. Selbst die schnellen Reversals – also die mit hohen Verlusten gleich nach dem Entry – werden von den Gewinnern der ersten Wochen kompensiert. Deshalb hatte ich mich gegen das Pyramiding als Entry Technik entschieden. Das hier dargestellte Verfahren ist aber durch die reduzierte Positionsgröße aber genau das – ein vorsichtiges Phase-In der Trades.
  3. Die Spreizung der P/R Werte führt nicht zu einer Verschiebung des absoluten Beitrages eines jeden Trades zum Gesamtgewinn. Auch das lässt sich an den Zahlen ablesen. Der Mittelwert bewegt sich durch die „Ausreißer“ natürlich nach rechts weiter in den Profit-Bereich. Der Median verbleibt aber leicht im negativen Bereich.
  4. Das System wird deutlich abhängiger von einzelnen großen Gewinnern. Die schon im normalen System sehr guten Trades werden durch das Pyramiding noch besser. Gleichzeitig verschwindet aber der „Mittelbauch“ der immer noch guten Trades. Schaut man sich die einzelnen Trades an, stellt man fest, dass nur! die Trades mit der maximalen Positionsgröße (Pos = 3) im Mittel Gewinner sind (oder bleiben) – Trades mit einer Pos = 2 sind gerade noch Break Even.
  5. Drawdowns werden durch dieses Verhalten wahrscheinlicher – treten also häufiger auf und sind im Mittel tiefer.

Letztlich sind beide Systeme sehr vergleichbar in ihren To-Line Zahlen. In der Charakteristik unterscheiden sich beide Systeme jedoch. Das Pyramiding-System hat sicher den Charme geringer Positionsgrößen und damit absolut kleinerer Verluste pro Trade. Dafür wird es durch das Pyramiding aufwändiger und eratischer. Man muss darauf gefasst sein, das durchschnittlich gute Trades in die Verlustzone laufen. Dafür kann man sich über sehr deutliche Gewinner freuen, wenn man einen großen Trend erwischt hat.

Das normale System ist „pflegeleichter“ nach dem Entry gibt es außer der Beachtung der Stops und Exits nichts mehr zu tun. Man kann sich darüber ärgern, dass man gleich am Anfang 2% des Portfolios durch ein schnellen Reversal verspielt und einen langen Trend nicht deutlicher ausgebeutet hat. Dafür bleiben die leicht über 1R Trades auch solche und werden nicht durch eine unglücklich erhöhte Positionsgröße zunichte gemacht.

Für mich hat die Analyse bestätigt, dass einfach nicht notwendig schlecht sein muss. Es macht zwar Spass immer wieder neue Entries, Exits oder wie in diesem Fall eine andere Money Management Methode zu durchdenken und zu probieren, aber am Ende muss der Charakter des Systems noch zu mir passen. Solange ich nicht die Systemparameter wesentlich verändern  kann, erscheint es mir nicht wert neue Wege zu gehen.

 

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MAE – Pyramiding Teil 2

MAE – Pyramiding Teil 2

Immer noch im Drawdown, heute zum zweiten Teil „Pyramiding“ und der Frage nach dem Verhalten der Trades nach dem Entry.

In dieser Woche möchte ich als weitere Vorarbeit der Frage nachgehen, wann eigentlich der richtige Zeitpunkt ist, die Positionsgröße zu erhöhen. Denn schließlich wollen wir ja nicht gerade kurz nach der Erhöhung mit voller Wucht einen Verlust produzieren.

Generell sind wir daran gewöhnt in Stärke zu kaufen bzw. in Schwäche short zu gehen. Das funktioniert, da wir uns auf die Signale = Setup + Trigger verlassen. Beim Pyramiding müssen wir jedoch entweder auf Zeit oder auf das Erreichen von P&L Zielen verlasen. Was diese mit dem aktuellen Setup zu tun haben ist mir nicht ganz klar.

Nun könnte man behaupten, dass zu viel Aufsehen um Entries gemacht werden. Es gibt schließlich genügend Untersuchungen, welche die Effektivität von einfachen Random Entries belegen. In unserem Fall sind dies nicht einmal richtige Random Entries, da sie in einem bestehenden Aufwärtstrend  eingegangen werden – wir haben schließlich ein aktives Signal.

Der richtige Zeitpunkt

Mich interessierte trotzdem die Frage, ob ich an der Entry-Technik etwas optimieren kann. Zum Beispiel könnte die Pyramiding-Technik entgegen einer Profit-Maximierungs-Technik auch als Step-Up-Entry verstanden werden. Also der Trade beginnt mit einer reduzierten Positionsgröße z.B. 1/2 R und wird dann durch Pyramiding bis auf 1R aufgestockt. Damit entsteht kein zusätzlicher Leverage zum bisherigen System.

Ziel der Aktion ist, die Fehltrades aus starken Reversals (innerhalb der ersten 3 Wochen) zu reduzieren. Diese Reversals enden oft in einem Exit über den Stop Loss, da natürlich noch nicht so viel Spielraum geschaffen wurde und leider überschießen diese auch oft den 1R Loss.

Nachteilig sind bei dieser Art des Scale-In ein paar verpasste Chancen auf schnelle Profite in besonders starken Trends. Diese könnten durch ein kontinuierliches Scaling ggf. wieder ausgeglichen werden.

Um solche Fragen zu beantworten benötigen wir Daten. Somit habe ich ein wenig an meinem System geschraubt – zumindest an den Output-Kennziffern.

Wie entwickeln sich die Trades nach dem Entry?

Im großen und Ganzen ergibt sich für die ersten 25 Wochen eines Trades im Mittel folgendes Bild:

mae_mittelwert-20-wochen
Daten: Eigene Berechnungen

Die Grafik zeigt schon mal nach rechts oben –  also in die richtige Richtung!

Auffällig sind die ersten Wochen – es scheint als brauche das System 1-2 Wochen um durch zu starten. Dann geht es jedoch steil bergauf, ohne große Rücksetzer.

Natürlich laufen einige Trades deutlich länger, andere jedoch enden schon nach den ersten Metern – den ersten Wochen. Um genügend Datenpunkte für „halb“-statistische Aussagen zu haben, beschränken wir uns auf die ersten Wochen der Trades. Das Gesamtbild aller Wochen ist einerseits durch die sehr langen und profitablen Trades geprägt und zum anderen enden alle Trendfolge-Trades mit einer Abgabe von Profiten am Close. Das folgende Bild soll dieses Verhalten zeigen:

mae_mittelwert-alle-wochen
Daten: Eigene Berechnungen

Nun ist der Mittelwert aller Trades nur zum Teil interessant. Zum einen interessiert die Maximum Adverse Excursion (MAE) bzw. aus einem statistischen Blickwinkel die zu erwartende Streuung des Mittelwertes.

MAE / MFE

Maximum Adverse Excursion (MAE) und Maximum Favorable Excursion sind Maßzahlen, um einen Trade zu bewerten. Hierbei wird auf die Entwicklung des Trades nach dem Entry Signal geschaut. Läuft die Position ins Minus, ist das eine „Adverse Excursion“ der Wert des Maximalen Verlustes am Beginn des Trades bezeichnet man dann logischerweise als MAE.

Maximum Favorable Excursion ist das Gegenteil, hier wird geschaut, wie weit ein Trade sich positiv entwickelt. Oft werden MAE und MFE ins Verhältnis gesetzt bzw. zu einer Ratio kombiniert.

mae-mfe_erklarung
Symbolische Darstellung

Die MAE im engen Sinne –  liefert ein ziemlich eratisches Bild – das ist auch nicht anders zu erwarten, da mit dem Minimum bei nur 150 Trades einige Sprünge auftreten können.

mae_minimum-20-wochen
Daten: Eigene Berechnungen

MAE – Minimum der ersten 25 Trades

Wie man unschwer sehen kann sind die wirklich problematischen Trades in den ersten 4 Wochen. Hier werden im Minimum Werte weit unterhalb unseres Stop Losses erreicht. Eine bessere Entry-Technik könnte hier für Abhilfe sorgen.

Zur besseren Einordnung der Bewegung der ersten Wochen soll der Mittelwert ergänzt werden um 1 Standartabweichung nach unten und interessehalber auch nach oben.

mae_konfidenz-20-wochen
+/- eine Standardabweichung

Damit haben wir ein Konfidenz-Intervall von 68,3% in dem unserer Trades in den ersten 25 Wochen laufen. Ein frühes Abgleiten ins Negative können wir genauso erkennen, wie eine deutliche Verbesserung ab der 15 Woche. Die Trades landen dann aber nicht mehr unter dem Stop Loss, sondern nur bei -0,5 R. Tatsächlich sind die realisierten Verluste ebenfalls in dieser Range bei ca. -0,6 R.

Ein weiteres Intervall mit z.B. 2 Standardabweichungen und damit einer Konfidenz von 95,4% ergibt folgendes Bild:

mae_konfidenz-20-wochen_2
+/- 2 Standardabweichungen

Alles Schief oder Was?

Bei der Verwendung des breiten Konfidenz-Intervalles zeigt sich deutlich die zu erwartende Schiefe der Verteilung, durch unsere Stop Loss Mechanissmen. Die P&L-Kurve der Trendfolger („Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“) ist nicht normalverteilt.

mae_histogramm-der-4-woche

Die Verteilung zeigt deutlich die Schiefe der Verteilung – der Extremwert mit -1,6 R ist nur ein einziges mal aufgetreten und soll für die weiteren Überlegungen keine Rolle spielen. Wir wollen ja keine Strategie finden, die einzelnen Extrempunkte beseitigt, sondern generell die Risiken begrenzt, bzw. den Ertrag stärkt.

Einzelne Positionen bzw. Ergebnisse des Trackrecords zu entfernen würde man sowieso in der Kategorie „Curve-Fitting“ einsortieren.

Ein einfaches Aussortieren der ersten 4 Wochen – also eine Trade-Verzögerung führt m.E. auch zu einer deutlichen Reduzierung des Ertragspotentials. Wir schneiden zwar die deutliche negative Performance von -1,6 R und die kleineren Vorkommnisse von -0,8 R und -0,4 R ab, nehmen uns aber das deutlich größere Potential auf den gesamten rechten Teil der Verteilung.

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Traden wie ein Ägypter – Pyramiding Teil 1

Traden wie ein Ägypter – Pyramiding Teil 1

Drawdown Zeit ist für mich immer die Zeit, in welcher ich mich mehr mit meinem Handelssystem beschäftige. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ein „nicht funktionierendes“ System eine Art Aktivitätszwang in mir auslöst.

Solang die Aktivität darin mündet, dass ich mein System besser verstehe oder neue bessere Methoden entwickle, ist daran m.E. nichts auszusetzen. Aktivitätswahn sollte nur nicht zu unkontrollierten Eingriffen in das bestehende System führen – das wäre sehr kontraproduktiv.

Im letzten Blog ging ich der Frage nach, ob Drawdowns zu einer bestimmten Zeit wahrscheinlicher sind als zu anderen Zeiten. Diesmal möchte ich ein Thema untersuchen, über welches ich schon des öfteren nachgedacht habe – Pyramiding.

Pyramiding hat natürlich wenig mit den Pyramiden im alten Ägypten zu tun sondern ist eine Money Management Technik, welche oft empfohlen wird, um maximale Profite beim Traden zu erzielen.

Soweit die Theorie

Die Bezeichnung Pyramiding kommt daher, dass bei dieser Technik in einem starken Trend sukzessive Positionen hinzu addiert werden. Damit steigt der Leverage einer einzelnen Position erheblich und kann, wenn alles gut geht zu sehr hohen Profiten führen.

Um zu erfahren, ob diese Technik für mein System verwendbar ist, habe ich mir ein paar Fragen gestellt. Diese kann ich heute noch nicht alle beantworten, aber diese sollen mein Research leiten.

  1. Ist Pyramiding kompatibel zur Trend-Folge-Philosophie?

Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen.

Prinzipiell ist Pyramiding mit einem Trendfolge-Ansatz kompatibel. Mit steigenden Gewinnen, werden immer neue Positionen aufgebaut. Damit ist die Strategie genau umgekehrt zum Average Down – also dem Nachkaufen bei Verlusten, um den Einstiegspreis zu verbilligen.

Gleichzeitig werden bestehende Stop Loss Absicherungen an die neue Position herangeführt, sodass in der Summe keine höheren Risiken im System entstehen – zumindest nicht in der Theorie.

Leverage ist wie wir schon wissen ein zwei-schneidiges Schwert – dreht die Position ins negative, werden auch die Verluste sehr schnell sehr hoch.

Deshalb wird es wichtig sein, eine effektive Verlustbegrenzung einzubauen.

Die hohem Hebel potenzieren sich neben den Gewinnen auch Trade-Error und Gap-Risiken. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit von unkalkulierbaren Verlusten deutlich.

2. Verändert das Pyramidale Trading mein Risikoprofil?

Ich würde im ersten Augenblick denken, dass die Tails der Verteilung sowohl positiv als auch negativ dicker werden. Damit steigt auch die Gefahr von Schwarzen Schwänen – konkret tiefen Drawdowns. Wie schon häufig erwähnt führen tiefe Drawdowns zum Vertrauensverlust in das Handelssystem und dann zur Aufgabe!

Mit dem veränderten Risikoprofil bleibt zu überlegen, ob der Trade off sich wirklich lohnt. Aus einzelnen wenigen Trades deutlich mehr herauszuholen und dafür zu riskieren, bisherige Gewinn-Trades durch ein höheren Leverage am Ende als Verlierer-Trade dastehen zu lassen.

Außerdem bedeutet eine neue zusätzliche Position auch zusätzliches Kapital aufzuwenden und nicht immer ist genug Kapital vorhanden, da genügend andere Positionen aktiv sind.

Um freies Kapital zu bekommen müssen Regeln getestet und festgeschrieben werden. Kommt das Kapital von anderen Positionen, muss festgelegt werden in welcher Reihenfolge Positionen reduziert werden etc.

Das alles ist recht aufwändig zu testen, deshalb will ich mir etwas Zeit für das Research nehmen und in den nächsten Wochen über meine Erkenntnisse schreiben.

3. Wird mich das Pyramidale Trading emotional stärker fordern?

Wie schon erwähnt führt ein erhöhter Leverage zu deutlich mehr Stress. Ich habe das mit einem meiner früheren Handelssysteme erlebt. Bei diesen handelte ich ständig die doppelte Positionsgröße und mehr Märkte.

Auf dem Papier ist das kein Problem wir ich schon in einem früheren Blog-Post beschrieben hatte. Aber wenn der Drawdown entstanden ist, kommen die Zweifel sehr schnell. Insbesondere, wenn man mit ungenügend „gelebten“ Strategien arbeitet.

Eine Hilfe bei der Beantwortung der Fragen sind natürlich die Erfahrungen etablierter Größen im Geschäft: George Soros würde z.B. sagen: „Gehen Sie aufs Ganze“. Soros tendierte dahin, Positionen zu etablieren, um den Markt zu testen. Wenn der Markt im Recht gab (ein Trend etablierte sich), dann erhöhte er seine Risikoposition, um den Profit zu maximieren.

Auf der anderen Seite hören wir immer:

„Nicht Haus und Hof aufs Spiel zu setzten, sondern genug Pulver trocken zu halten, um an einem anderen Tag wieder in den Ring steigen zu können.“

Also offensichtlich kommt es wie immer darauf an:

Auf jeden Fall kann es helfen die neue Methode intensiv zu testen und ggf. zusätzliche Regeln aufzustellen, die den maximalen Leverage zu begrenzen.

Erste Schritte:

Um die Technik etwas systematischer zu untersuchen, las ich zuerst noch einmal die entsprechenden Kapitel bei Curtis Faith „Way of the Turtle“ mit welcher Methode die Turtles erfolgreich waren.

Die erste wichtige Erkenntnis: Pyramiding ist eine Money Management Technik.

Der Aufbau weiterer Positionen erfolgt ohne neues Signal des Systems – bei den Turtles ohne neuen Break Out. Obwohl dies bei den Turtles ohne weiteres möglich wäre, wird einzig auf die P&L des einzelnen Trades abgestellt.

Das kommt mir entgegen, da ich generell keine neuen Signale erzeuge. Der Triple-Moving-Average gibt nur ein einziges Signal – danach muss erst ein Close folgen, bevor ein neues Signal generiert wird.

Bei einem Break Out System über z.B. 20 Tage, können immer wieder neue Handels Signale entstehen – theoretisch jeden Tag.

Die Turtle Variante

Die Turtles arbeiteten in ihrem Money Managementsystem mit Units of Risk (R). Also Positionen wurden immer Volltatilitäts-Normiert implementiert. Als Volatilitätsmaß diente die Average Traue Range oder kurz ATR.

Die ATR ist mehr oder weniger vergleichbar mit der Standartabweichung – die ATR arbeitet jedoch mit:

  1. weniger Daten und
  2. mit absoluten EUR-Beträgen.
  3. berücksichtigt die komplette Handelsbreite Open-High-Low-Close, während die Standartabweichung wird meist nur für eine Zeitreihe  des Close ermittelt.

Die Korrelation beider Zahlen ist jedoch relativ hoch bzw. die Aussagen identisch. Im meinem monatlichen System, welches nur mit Monatsend-Kursen arbeitet, benutze ich auch die langfristige Standardabweichung um die Gewichte der Asset-Klassen festzulegen.

Eine Unit Risiko waren bei den Turtles 2 x ATR. Eine zusätzliche Unit Risiko wurde nach einer Marktbewegung um 1 x ATR oder 0,5 x R in Richtung des Trades aufgenommen.

Im Gegenzug wurden die Stop Loss-Marken um genau die 0,5 R angehoben (long) oder abgesenkt (short).

Wichtiges Detail: Die initiale ATR wurde über die Laufzeit des Trades nicht verändert. Das mache ich in meinem wöchentlichen System ebenso – einmal eingegangene Positionen werden nicht rebasiert oder an neue Volatilitäten (ATR) angepasst. Da die ATR bei guten Trades gewöhnlich steigt – der Trade gewinnt an Dynamik – erhalten die Gewinner auch ein wenig mehr Einfluss auf die Gesamt P&L des Systems.

Zurück zu den Turtles:

Bei einem Close Signal (Stop oder Exit) wurde die gesamte Position geschlossen – kein schrittweises Reduzieren (Scale Out) der Position. Ein Scale-Out würde aus meiner Sicht keinen Sinn machen – es gibt kein Signal mehr – also gibt es auch keine Position mehr Pyramiding ist nur Money Management.

Im nächsten Beitrag schaue ich auf die aktuellen Parameter meines wöchentlichen Systems, suche geeignete Trades und teste die Mechanik an diesen im Einzelfall.

 

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Bildquelle: egypt travel