Verlieren lernen, um zu gewinnen

Verlieren lernen, um zu gewinnen

„Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ – hört und liest man immer wieder, wenn es um die Kapitalanlage geht.

Klingt logisch. Wer will das denn nicht: Begrenzte Verluste und unbegrenzte Gewinne. Warum wird es dann so oft geschrieben, wenn es doch so logisch ist?

Warren Buffett würde sagen: „Investing is easy but not simple“. Als er das sagte, könnte er genau den Titel des Beitrags gemeint haben.

In der Finanzindustrie suchen wir für so ein Thema gern eine Replikationsstrategie. In unserem Fall müssen wir nicht lange suchen – das Baby heißt: Long Call Option.

Kurz erklärt ist eine Long Call Option ein Finanzinstrument, bei dem der Käufer (die Long Seite) das Recht hat, einen bestimmten Wert (das Underlying) zu einem festgelegten Preis (dem Strike) zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erwerben (der Call) – muss er aber nicht (deshalb eine Option).

Graphisch sieht die Long Call Option aus wie ein Hockeyschläger.

Options-Zeitwert
Symbolische Darstellung

 

Die Abbildung zeigt, dass die Call-Option im Wert (der innere Wert) steigt, sobald der Wert des Underlyings über dem vereinbarten Strike steigt – dann ist die Option  im Geld.

Da die Wahrscheinlichkeit kurz vor dem Strike ebenfalls noch relativ hoch ist, das die Option bis zum Laufzeitende ins Geld geht, besitzt die Option auch schon vorher einen gewissen Wert.

Lange Rede kurzer Sinn

Der Optionspreis steigt und fällt in Abhängigkeit des Underlyings. Aus dem Hockeyschläger wird eine sanfte kontinuierliche Bewegung.

OK. Wie bringt uns dass nun weiter ….

Wenn wir diese Option kaufen, dann zahlen wir den aktuellen Preis (auf der gebogenen Linie). Damit erwerben wir dann das Recht, das Underlying z.B. die Aktie von Siemens zum festgelegten Preis zu kaufen.

Liegt der Kurs von Siemens am Verfallstag der Option über dem vereinbarten Preis, dann über wir die Option aus und bekommen die Aktie zum vereinbarten Preis geliefert. Würden wir diese gleich wieder am Markt verkaufen, hätten wir die Differenz gewonnen.

Fällt der Kurs von Siemens bis zum Verfallstag der Option unter den Strike, machen wir nichts – wir müssen ja nicht.

Der Preis der Option entspricht am Verfallstag genau der Differenz, oder Null.

Kommen wir zum Punkt

Kaufen wir eine Option, dann begrenzen wir die Verluste auf den gezahlten Preis für die Option. Geht unsere Spekulation auf und um im Beispiel zu bleiben, die Siemens Aktie steigt, dann haben theoretisch unbegrenzte Gewinne.

Kaufen wir die Aktie von Siemens direkt, können wir dieses Optionsprofil replizieren.

Das einzige was wir vor dem Kauf wissen kann, ist die Höhe des Verlustes (= Kaufpreis der Option), welchen man eingehen will. Daraus leitet sich dann zwangsläufig ab, wann der Trade auf der Verlustseite zu schließen ist. Gerät die Siemens Aktie in den Verlust (Marktpreis – Kaufpreis = max. Verlust), dann wird verkauft.

Das ist einfach – schwieriger ist bei der Replikations die „Gewinne laufen zu lassen“. Ohne Gewinne zu realisieren drohen diese wieder zu verschwinden. Aber anders als bei der Option gibt es keine zeitliche Begrenzung.

Also wann muss man raus?

Hierfür gibt es ganze Kapitel über Exit-Strategien. Bei meinem monatlichen System habe ich das ganz einfach gelöst: Der Preis am Ultimo liegt unterhalb des gleitenden Durchschnitts bei einer Long Position und über diesem bei einer Short Postion – damit haben wir sowohl zeitlich als auch Event-abhängig eine Begrenzung definiert.

Für unser Beispiel mit der Siemens Aktie könnte man genauso verfahren. Es würde selbst ein reiner Zeit-Stop funktioniert. Also: „Verkaufe, wenn die Aktie am Monatsende im Gewinn ist“.Das dies eine valide Handelsstrategie ist, wurde schon untersucht z.B. im Buch „Way of the Turtle“ von Curtis Faith.

Aus meiner Sicht widerspricht dieses Vorgehen dem Prinzip – Gewinne soweit wie möglich laufen zu lassen. Deshalb bevorzuge ich die Kombination mit einem Event (z.B. Kurs unter dem Mittelwert).

Die Strategie profitiert prinzipiell von steigender Volatilität am Kapitalmarkt. Das trifft für die Option im speziellen zu, da hier der Verlust definitiv auf den Optionspreis bei Kauf begrenzt ist.

Aber auch für die Replikation gilt dies weitestgehend. Wir müssen natürlich damit rechnen, dass mit dem Erreichen des StopLoss der Verkaufskurs aufgrund der hohen Volatilität schon weit unter dem Strikle liegen kann. Abgesehen davon profitieren wir auf der anderen Seite, wenn die Aktie schnell steigt. Mathematisch steigt mit hoher Volatilität eben auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Preis am Verfallstag über dem Strike zu liegen kommt.

Warum ist diese einfache mechanische Vorgehen so schwer umzusetzen?

Bei der echten Option ist es noch relativ einfach. Im Verlustfall wird die Option verfallen. Durch diesen zeitlichen Stop (der Verfallstag der Option) wird das Spiel beendet.

Im Beispiel der Replikation – welches sicher der Standardfall ist, da nicht jeder Investor mit Optionen jongliert – gibt es wie wir festgestellt haben keine explizite zeitliche Grenze.

Somit können Verlust, welche nicht aktiv durch Verkauf der Position begrenzt werden zum Totalverlust führen.

Diese Verhalten haben Kahneman und Tversky Loss aversion genannt und beschreiben hiermit das unterschiedliche Verhalten bei Positionen im Gewinn und im Verlust. Leider fanden die beiden Forscher heraus, das wir Menschen die Tendenz haben dem Ziel: Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen – entgegen zu laufen.

Wir sind immer geneigt: „Gewinne zu begrenzen und Verluste laufen zu lassen“.

Die Gewinne begrenzen wir, weil wir es nicht aushalten, dass diese „hart verdienten“ Gewinne wieder verschwinden können. Die Verluste lassen wir laufen, da wir uns den Fehler nicht eingestehen wollen.

Das ist das Rezept für den Ruin!

Mir hilft die Mechanik meiner Systeme. Diese geben mir klare Signale – man könnte sogar sagen, sie nehmen mir die Entscheidung ab und zwingen mich zum handeln.

Da mein wöchentliches System nur eine Trefferquote von ca. 40% hat, bin ich gezwungen mit den 40% Gewinner-Trades mindestens 1,5R zu gewinnen. Andernfalls ist das Gesamtsystem unprofitabel, da ich in 60% der Fälle 1R verliere.

Die genaue Statistik des wöchentlichen Systems sieht wie folgt aus:

  • Gewinne: 42% mit durchschnittlich 1,95R
  • Verluste: 58% mit durchschnittlich 0,56R

Bei den gegebenen Verlusten ist der Break Even bei 0,76R durchschnittlichem Gewinn.

Verluste sind ganz natürlich Teil des Weges zum Gewinn. Daher ist es enorm wichtig, diese begrenzen zu lernen.

Fangen wir gleich damit an!

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems

  • Close: Short EUR/USD

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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