Education of a Trader – Teil 3

Der letzte Teil meiner kleinen Literatur-Schau, soll den Blick über den Tellerrand richten. Wie schon oft im Blog, versuche ich Themen des Alltags mit den Erfahrungen aus der Kapitalanlage und speziell mit meinem Handelssystem  zu bewerten bzw. zu lösen.

Deshalb ist es für mich neben den sehr handelsnahen, oder zumindest kapitalmarktnahen Büchern wichtig auch welche zu lesen, die etwas weiter mit dem Entscheidungsverhalten von Menschen beschäftigen.

Nur ein wenig über den Tellerrand hinaus – Risiko

Als nah dran würde ich die Bücher von Nassim Taleb „Fooled by Randomness“, „The Black Swan“ und „Antifragile“ bezeichnen. Nassim Taleb hat selbst einige Jahre in einer Bank im Handel gearbeitet und in sein ersten Buch „Dynamic Hedging“ handelte noch von Finanzmathematik und -technik.

Die weiteren Bücher schlagen einen viel größeren Bogen und sind, nicht zuletzt durch die globale Finanzmarktkrise deutlich bekannter geworden.

Aus seinem Buch „Fooled by Randomness“ ist mir das Kapitel „Monkeys on Typewriters“ immer noch vor Augen. Es zeigt im Wesentlichen, das mithilfe einer genügend großen Schar an Affen, die auf Schreibmaschinen tippen ein Shakespeare per Zufall entstehen kann.

Das soll nicht die Leistung von W. Shakespeare schmälern, sondern nur in einem Extrembeispiel zeigen, dass der Anteil Zufall an vielen für uns (v.a. im Nachhinein) logischen Dingen nicht unterschätzt werden soll.

Eine weitere oft zitierte Story in „Antifragile“ ist die des Truthahnes, welcher Monatelang jeden Tag Futter vom Bauern bekam. Der Truthahn wartete schon in freudiger Hoffnung auf den täglichen Prozess und vertraute auf dessen Wiederholung am nächsten Tag – ein langer Trend ohne „bekanntes“ Risiko aus Sicht de Trutahnhes. Leider kam irgendwann der Tag von Thanksgiving und der Trend brach.

Neben Taleb las ich auch „Fraktale und Finanzen“ von Talebs „Mentor“ – Mandelbrot. Dieser war ebenfalls ein großer Kritiker des heutigen Umgangs mit Risiken und warnte immer davor, dass selbst in den schon langen Zeitreihen nicht alle Information enthalten sein kann. Somit liegt ein absolutes Top (Volatilität etc.) immer in der Zukunft und lässt das letzte „Top“ klein erscheinen.

Beim Thema Risiko blieben die schon oft erwähnten Bücher „Risiko“ von Gerd Giegerenzer und „Die Logik des Misslingens“ von Dietrich Dörner nicht außen vor.

Ein Blick in die Vergangenheit des Risikobegriffes verschafft das Buch „Against The Gods: The Remarkable Story of Risk“ von Peter L. Bernstein.

Als letztes Buch zum Thema Risiko möchte ich Mark Buchanans „Ubiquity“ erwähnen. Das Buch hat wenig mit der Finanzwirtschaft zu tun, zeigt aber sehr anschaulich, dass die gleichen Fehler in der Risikobeurteilung in anderen Branchen gemacht werden.

Hängen geblieben ist mir die Story aus dem „Yellostone“ Nationalpark der USA. Hier wurde versucht das Waldbrand-Risiko zu senken. Vorher kam es jährlich zu kleinen Bränden, deshalb wurden überall Warnschilder aufgestellt und eine „Zero Tolerance“ Politik betrieben.

Eine Zeitlang ging die Methode auch gut.

Leider kam es dann doch zu einem Brand. Da es Jahrelang keinen Brand mehr gab, war der Baumbestand etwas älter und vor allem dichter. Somit führt der eine Brand zu einem erheblichen Schaden für den Nationalpark.

Die Lehre der Verantwortlichen daraus war, jedes Jahr selbst einen kontrollierten Brand zu legen, um den Baumbestand auszudünnen und zu erneuern.

Ein Stück daneben – Behavioural Finance

In die Gruppe der Behaviour Finanace Bücher fallen „Predictably Irrational“ von Dan Ariely und natürlich die Bücher von Robert Shiller (und Kollegen Akerlof) – v.a. „Animal Spirit“.

Bei Ariely sind seine Experimente mit Studenten bemerkenswert. Im Studentenwohnheim wurden immer wieder Cola aus dem Kühlschrank entwendet (Ein Six-Pack innerhalb von 72h). Daraufhin legte er 6 Dollar-Scheine in den Kühlschrank – diese blieben. Auch dies ist natürlich nur eine Anekdote und der Zufall nicht zu unterschätzten.

Von Zufällen zu „Freakonomics“ Steven Levitt und Stephen Dubner haben auf interessante Weise Vorfälle und Merkwürdigkeiten untersucht und so manchen Betrüger entlarft – Lehrer und Sumo-Ringer.

Far Far Away – das Leben und der Sport

Als letztes noch zwei Bücher „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny und „Bounce“ von Matthew Syed.

Sten beschreibt die Erlebnisse von John Franklin der als Wissenschaftler und Kapitän der Terror die Arktis erforscht hat. John hatte von Geburt an einige kognitive Schwierigkeiten mit Schnelligkeit und musste beharrlich lernen über verschiedene Heuristiken diese Zeit zu verlangsamen um Großes zu erreichen.

Matthew ist 4-maliger britischer Tischtennismeister und beschreibt in seinem Buch über die Rolle von Talent und/oder Training. Dabei wird ebenso gezeigt, wie Zufälle überbewertet werden und wie wenig Talent manchmal hilft.

Das Orakel von Delphi

Schließen möchte ich mit einer Erkenntnis aus dem Buch welches mich zur „Education of a Trend Follower“ Serie animiert hat.

Victor schreibt in seinem Buch über das Orakel von Delphi und zeigt eine Studie in der die berühmte Treffsicherheit des Orakels entlarvt wird.

In der Summe wurden nur ca. 2% Vorhersagen vom Orakel gemacht alles andere waren Beschreibungen (40%), Gebote (30%) bzw. Verbote (25%).

Das bedeutet immer genau hin zuhören, wenn auf n-tv oder CNBC ein Marktkommentar abgegeben wird. Ich höre nicht mehr hin – alles nur Entertainment – und verlasse mich auf mein System.

Nachtrag zum Trade-Error im Wikifolio:

Nach etwas Recherche hat sich herausgestellt, dass das von mir ausgewählte Zertifikat von der Emittentin gekündigt wurde. Leider werden diese Kündigungen nur in der Börsenzeitung o.ä. veröffentlicht. Der Kunde wird nicht direkt informiert – was heute eigentlich keine Schwierigkeit mehr sein sollte.

Aufgrund der Regeln im Wikifolio, werden Wertpapiere, welche keinen aktuellen Preis mehr haben verkauft. Damit haben wir folgende Rechnung:

  1. Verkauf von 345 Einheiten des HSBC Zertifikates DE000TD3U2K6 zu  EUR 18,13 am 25,07.2016 um 11:00.
  2. Kauf von 345 Einheiten des SocGen Zertifikates DE000SE1WQP9 zu EUR 20,81 am 01.08.2016 um 9:00.

Da beide Zertifikate nicht identische Finanzierungslevel haben, müssen wir über eine Proxy den Schaden ermitteln.

  1. Vergleichbares Zertifikat:
    Das Coba Zertifikat DE000CN34R36 handelte in diesem Zeitraum von EUR 16,63 am 25.07. auf EUR 17,93. Also ein Plus von EUR 1,30, bei einer Stückzahl von 345 beläuft sich der entgangene Gewinn auf EUR 448,50.
  2. Underlying Bund Future:
    Alternativ ein Blick auf das das Underlying – der Bund-Future stieg von 166,24 am 25.07. auf 167,58 am 01.08. und erzielte damit +1,34 Punkte Performance erzielt. Damit einen entgangenen Gewinn in ähnlicher Größenordnung.

Beim Trading entstehen immer einige Fehler, manche stellen sich im Nachhinein als Gewinn heraus, meist jedoch bedeuten Fehler Verluste.

Wichtig an dieser Stelle ist die Erkenntnis, dass Fehler unvermeidbar sind – das soll nicht heißen, dass man nicht sorgfältig arbeiten soll! Es gibt jedoch ein Menge an „externen“ Einflüssen, auf die man als Trader keinen oder nur wenig Einfluss hat.

Jeder Fehler sollte trotz eines materiellen Verlustes als Gewinn gewertet werden, denn aus Fehlern kann man lernen. Ich versuche auftretende Fehler durch systemseitige Checks zukünftig zu vermeiden. Dies hat den Vorteil, dass man sich einmal den Prozess vor Augen führt und untersucht, wieso der Fehler nicht frühzeitig aufgefallen ist. Dann ist es meist nur ein kleiner Schritt ein Warnsignal in den Prozess einzubauen.

In diesem Fall habe ich mir neben mein Portfolio auf Excel eine kleine Liste der genutzten Zertifikate gemacht. Dazu ein paar Real-Time Kennzahlen, sodass ich spätestens am Wochenende bei der Kalkulation neuer Trades auf Probleme aufmerksam werden.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • Short WTI Crude Oil

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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