Education of a Trader – Teil 2

Wie versprochen folgt diese Woche der 2. Teil der (Literatur)-Ausbildung zum Trader (Trendfolger).

Nachdem ich erkannt hatte, das die eigentliche Investmentmethode nicht von entscheidender Bedeutung war, suchte ich in den Büchern nach dem Verhalten der Trader.

Klar war, dass jeder Trader für sich in seinem „System“ erfolgreich war. Diese Trader wurden z.B. in den Market Wizzard Bücher („The Market Wizzards“, „The New Market Wizzards“, Stock Market Wizzards und neuerdings auch „Hedge Funds Wizzards“ von Jack Schwager interviewt

Also galt es in den Büchern den „Gemeinsamen Nenner“ zu finden – zwischen den Zeilen zu lesen. Alle Technik, Erfolgs- und Verlustgeschichten unter dem Gesichtspunkt der Behavioural Finance und Psychologie zu betrachten.

Ein für mich prägendes Kapitel des ersten Buches war das Interview mit Ed Saykota mit Aussagen wie:

  1. Longevity is the key to success
  2. Pride is a great banana peel, as are hope, fear and greed
  3. Win or lose, everybody gets what they want out of the market.

In den Market Wizzard Büchern wurde auch Van Tharp als Trading Coach interviewt und somit las ich seine Bücher (über Van Tharp schrieb ich schon).

Ergänzend dazu las ich Mark Douglas: „Trading in the Zone“ und „The Disciplined Trader“.

Von Mark Douglas ist mir ein Beispiel mit einem Kind und einem Hund hängen geblieben. Kurz zusammengefasst: Ein Kind trifft das erste Mal auf einen Hund. Wird das Kind von diesem angebellt / angeknurrt, dann speichert das Kind „Hund = böse / gefährlich“ ab. Ist der Hund hingegen zutraulich und lässt das Kind mit dem Hund spielen, wird es „Hund = lieb / ungefährlich“ abspeichern.

Sollte das Kind erneut einem Hund begegnen, wird es nach der abgespeicherten Heuristik handeln. Leider wissen wir, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist. Es kommt eben darauf an! Damit setzt erneut ein Lernprozess ein, welcher jedoch nur ein „Workaround“ zum ersten Eindruck ist – nicht jeder Hund reagiert in jeder Situation gleich.

Nachdem ich „The Discipliend Trader“ gelesen hatte, hatte ich ein Déjà vu. Ich war zu einer kleinen Investment-Konferenz eingeladen. Das eigentliche Ziel dieser Konferenzen ist immer dem Zuhörer und Investor die neuesten Produkte schmackhaft zu machen.

Neuerdings werden neben den reinen Investment-Themen auch oft – zur Unterhaltung – Gastredner aus den Bereichen Politik, Wissenschaft, Psychologie oder Komiker eingeladen.

In diesem Fall fiel die Wahl auf Herrn Jens Corssen. In seinem Vortrag „Krise gibt es nicht“ wurden genau die gleichen Einsichten vermittelt wie in Marks Büchern. Herr Corssen hatte offensichtlich keinen Bezug zu Mark Douglas – doch die gleichen „Sprüche“ zu hören, überraschte mich doch sehr.

Also entweder war dies großer Zufall, oder war wirklich der Weg zu mehr Erfolg und Zufriedenheit im Leben und eben auch bei der Kapitalanlage.

Sehr ähnlich zu diesen Büchern ist: „Trade Like a Business“ von Dick Diamond, welches in gleicher Weise wirkte.

Dann las ich den Klassiker von Edwin Lefèvre: „Reminiscences of a Stock Operator“. Das Buch ist eigentlich eher ein Roman als ein Lehrbuch. Was man jedoch auch hier mitnehmen kann, ist die psychologische Herangehensweise des Traders an verschiedene Situationen. Es verfolgt die Entwicklung von Jesse Livermore von seinen Anfängen bis zu seinen spektakulärsten Erfolgen und Misserfolgen. Mit dem oben gesagten, ließt man das Buch ganz anders. Vor allem das Jesses Verhalten bei Gewinnen und Verlusten wird dabei noch deutlicher.

Mit einem neuen Job gibt es immer neue Impulse.

Nach dem Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber kam ich in Kontakt mit Hedge Fonds. Durch unsere Investments in die verschiedenen Hedge Fonds-Stile machten wir Research zu Performance und Risikoprofilen der Fonds in verschiedenen Marktphasen.

Die Strategie – Trendfolge – stach dabei immer wieder hervor. In dieser Zeit erschien auch das Buch „Way of the Turtle“ von Curtis Faith. Curtis war einer der „Turtels“ von Richard Dennis und Bill Eckhardt. Diese beiden wurden auch in den Market Wizzard Büchern vorgestellt. Insbesondere das Interview mit Bill Eckhardt ist sehr lesenswert („The New Market Wizzards“).

Zurück zu Curtis Faith: Sein Buch war für mich der eigentliche Einstig in die Welt der Trendfolge. Ich verstand sofort die Idee Buy-High, Sell-Higher bzw. Sell-Low, Buy-Lower. Ich versuchte daraufhin die simplen Modelle – mit gleitenden Durchschnitten und Breake-Out-Kanälen nachzubauen.

Diese Strategie zeigte auch sofort Erfolge. Man wurde damit zwar nicht über Nacht reich, aber es ermöglichte relativ konsistente Equity Curves und hohe Sharpe Ratios. Insbesondere die langfristigen Strategien funktionieren m.E. hervorragend und schlagen allgemein bekannte Aktienindizes um Längen.

Interessant am Buch fand ich auch die Kombination aus a) Trendfollowing-Technik (Entry, Exit und Money Management), Analysen und Statistik sowie die Story von Curtis und seine Gedanken bzgl. der Trade-Situationen.

Curtis machte deutlich, dass der Entry nur einen kleinen Teil des Trades ausmachte und z.B. Exits enorm wichtig sind. Über allem stand aber immer die Psychologie: Habe ich den Mut einen Trade auch nach einer langen Verluststrecke einzugehen und bin ich bereit bei Verlusten den Trade schnell zu schließen, bzw. bei Gewinnen diesen weiter laufen zu lassen.

Das war die Motivation die ich suchte.

Aufmerksam auf die Geschichte der Turtles – war es nur ein kleiner Schritt hin zu Michael Covel. Dieser hat sich de facto der Turtle Story verschrieben. Daraus entstanden mehrere Bücher: „Trendfollowing“ und später „The Complete Turtle Trader“ und diverse andere Publikationen.

Interessanter Weise stand „Trendfollowing“ im Bücherregal meines neuen Kollegen – dieser konnte damit nichts anfangen und schenkte mir das Buch. Diese Bücher brachten zwar keine neuen Erkenntnisse über die Technik, jedoch interessante Einsichten in die Denkweise der Trader.

„Trading Systems and Methods“ und „Smarter Trading“ von Perry Kaufman waren zur Unterstützung beim Systembau deutlich hilfreicher. Das Positive an Perry ist, das er die Indikatoren sehr gut beschreibt – ich habe einige bei meinem Systembau programmiert und getestet.

Des Weiteren gibt er m.E. relativ ehrlich die Vor- und Nachteile aller Indikatoren an. Damit wird nicht mit „geschönten“ Performance Zahlen jongliert, sondern ein realistisches Bild gezeichnet.

Perry gibt auch zahlreiche Hinweise aus seiner langjährigen Erfahrung zum Systembau und Systemtests. Diese konnte ich ebenfalls nutzen und einige davon schon in diesem Blog beschreiben.

Neben Indikatoren und den daraus ableitbaren Signalen, ist das Money Management bei Systemen von entscheidender Relevance. Zu diesem Thema ist Ralph Vince eine große Hilfe. Seine Bücher „The Mathematics of Money Management“, „Portfolio Management“ und „The Handbook of Portfolio Mathematics“ sind etwas kompliziert – ein Grundverständnis an Mathematik vorausgesetzt jedoch hilfreich. Sein letztes Buch über sein Leverage Space Modell steht noch im Schrank und wartet darauf gelesen zu werden.

Last but not least möchte ich zum Thema Systeme und Portfolio Management Mebane Faber erwähnen. Sein Buch „The Ivy Portfolio“ hat mich zum monatlichen Handels-System inspiriert. Mit einigen kleinen Anpassungen habe ich sein ETF-System umgesetzt, bzw. auf meine Bedürfnisse adaptiert.

Fortsetzung folgt.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems

  • Close: Short EuroStoxx50
    Open: Short EUR/USD

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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