Education of a Trader – Teil 1

Aktuell lese ich das Buch von Victor Niederhoffer: „The Education of a Speculator“. Das Buch ist nicht das Neueste, aber ich hatte schon in einem meiner letzten Blogs über den sehr effizienten Zeit-Filter gesprochen.

Nicht das der Eindruck entsteht, ich würde mich gegen das Neue, das Moderne verschließen. Ganz im Gegenteil ich halte mich (für meine Altersgruppe) für technik–affin und probiere gern etwas neues. Aber meist renne ich nicht jedem neuen Gadget hinterher. Mich interessieren die Dinge, ich bewerte sie und manchmal probiere ich die Tools auch aus. Oft stelle ich jedoch fest, dass ich die meisten davon nicht wirklich brauche.

Bei Büchern ist das ähnlich. Hier kann man jedoch erst mal abwarten, ob ein Buch Substanz hat, oder nicht. Einige wenige Bücher bleiben dann für die kurze Zeit die man zum lesen hat.

Heute will ich neben dem Wochen- und Monatsupdate meine – i.S. von Victor: (Literatur)-Ausbildung zum Trader (Trendfollower) in einigen Schritten aufzeigen.

Am Anfang war das Wort

Angefangen habe ich wie wahrscheinlich viele mit dem Gedanken über die Börse schnell reich zu werden. Dazu kaufte ich mir ein Buch, welches eben dies versprach:

Bernie Schaeffer: „Millionen mit Optionen“ – wenn das kein Statement ist! Obwohl Bernie viel der Options-Technik und viele seiner Strategien im Buch beschreibt, wurde ich nicht reich.

Na so was!?

Da es so nicht funktionierte dachte ich, dass es an der Methode liegen muss. Vor allem störte mich bei Bernies Methode der Zeitdruck durch das Auslaufen der Optionen.

Dieser Zeitverlust stand im Kontrast zu der Annahme, dass langfristige Vermögensanlage etwas mit langfristigen Investitionen zu tun haben muss – also mehr in der Art Buy-and-Hold.

Im Studium hatten wir immer von der Efficient Market Hypothesis gehört. Nachdem mir ein Kollege bei meiner ersten Stelle von „A Random Walk Down Wallstreet“ von Burton Malkiel vorschwärmte, kaufte ich sogleich das Buch.

Malkiel ist ein strenger Verfechter der EMH und plädierte schon sehr früh dafür auf ETF’s zu setzten, da der Markt von aktiven Managern nicht geschlagen werden kann. Obwohl ich heute immer noch davon überzeugt bin, dass der Markt eben nicht vollständig effizient ist, benutze ich gern ETF’s für Allokationszwecke.

Index ETF’s eignen sich für Handelssysteme sehr gut, da diese nur dem Index folgen, der beim Systembau genutzt wurde. Aktive Einflüsse durch Fondsmanager sind somit ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass die ETF’s niedrigere Gebühren verlangen und auch die Handelskosten geringer sind. Also ideal zum traden.

Als aktiver Fondsmanager in einem fundamental orientierten Haus, kommt man wahrscheinlich an Büchern wie „Security Analysis“ und etwas leichter zu lesen „The Intelligent Investor“ von Benjamin Graham nicht vorbei. Dazu noch eine Portion Warren Buffett: „Buffettology“ (schrieb seine Schwieger-Tochter). Später folgten weitere z.B. vom Value Papst David Dreman: „The New Contrarian Investment Strategy“.

Diese Bücher verfolgen alle den Ansatz Buy-Low, Sell-High. Das ist sicher für jeden sehr intuitiv, jedoch eben auch nicht leicht. Buffett würde sagen: „Investing is simple, but not easy“.

Nach einigen Investitionen nach diesem Muster in einem Bullenmarkt, fühlt man sich auf dem richtigen Weg – alles steigt – egal welche Methode. Durch die Suche nach den Value-Perlen landet man auch – mangels Erfahrung bei den sogenannten Value-Traps. Also den Werten, welche nicht ohne Grund „billig“ sind. Ein anderer Kollege sagte dazu immer: „Cheap for a reason“ – diese sind ein Desaster.

Eine aktuelle Studien von Longboard Asset Management zeigen, dass der allgemeine Marktaufschwung immer nur von ca. 25% der Aktien getragen wird. Ca. 64% der Aktien entwickeln sich schlechter als der Markt und weitere knapp 19% verloren 75% an Wert. Die restlichen 39% verloren absolut an Wert. Leider findet man diese „schlechten“ mit einem Value Ansatz recht häufig.

Als Value Manager muss man wie z.B. Warren Buffett oder Set Klarman („The Margin of Safety“) viel Zeit mitbringen. Viele der Value-Aktien werden erst spät (oder nie) vom Markt erkannt und erfahren dementsprechend selten eine Neubewertung. Deshalb ist die gesamte Industrie auf der Suche nach dem Grund der Neubewertung.

Als Fondsmanager mit monatlichen internen Performance Gesprächen und halbjährlichen externen Anlageausschüssen, verliert man schnell den langfristigen Blick. Plötzlich kommen neben den rein rationalen Entscheidungen Gruppen-Zwänge und Karriere-Risiken auf. Das führt dann entweder dazu nur noch sehr kleine „Wetten“ oder die gleichen „Wetten“ wie alle einzugehen.

Das funktioniert natürlich langfristig auch nicht.

Da ich immer schon eine Affinität zu systematischer Auswertung hatte, stieß ich auf das Buch von Joel Greenblatt: „The Little Book That Beats The Market“.

Dieses Buch folgt auch einem Value Ansatz – es nutzt dazu eine Magische Formel. Die Formel ist relativ trivial – was wiederum dafür spricht, das einfache Dinge oft besser funktionieren als komplizierte. Sie sind ggf. nicht immer perfekt, aber dafür wesentlich robuster über verschiedene Zeiträume und Marktphasen.

Zurück zur Magischen Formel.

Es kommt ein doppelter Sortier-Algorithmus über zwei Parameter zum Einsatz:

  1. EBIT/(Net Working Capital + Net Fixed Assets)
  2. EBIT/Enterprise Vale

Einmal im Jahr werden die Aktien neu sortiert und das Portfolio neu ausgerichtet.

Die Performance lässt sich sehen. Über viele Jahre wird der S&P deutlich zweistellig pro Jahr geschlagen. Leider war auch diese Verfahren ungeeignet, aufgrund der oben beschrieben kurzfristigen Orientierung des typischen Fonds Managements.

Zum Selbermachen ist das System auch nur bedingt geeignet, da Portfolios mit mehreren hundert Aktien zu halten sind. Dies ist für den Privatinvestor keine praktikable Strategie.

Auf meiner Suche nach interessanten Ansätzen versuchte ich mich mit den verschiedensten Methoden. Nach den vielen nur zum Teil erfolgreichen war mir klar, dass alle Methoden nur statistisch funktionieren – also über sehr viele Trades (Positionen x Zeit). Also konzentrierte ich mich darauf Entscheidungsprozesse stabiler und wiederholbar zu machen.

Das war der richtige Weg!

Dieser stand jedoch auch den Interessen einiger meiner Kollegen entgegen. Ein starrer Prozess ermöglichte nicht genügend Flexibilität für deren „tolle“ Ideen. Diese Ideen funktionierten oft, produzierten jedoch auch zu häufig enorme Verluste.

Mit dem schon beschriebenen Buch „Was Gewinner von Verlieren unterscheidet“ wurde mir immer klarer, dass nicht die Methode das Entscheidende ist, sondern „ich“ bzw. die Person die die Strategie umsetzt.

Dann begann ich in diese Richtung weitere Bücher zu lesen.

Fortsetzung folgt!

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • Open: USD/JPY short

 

Signale des monatlichen Systems:

  • Kauf: Eine Position DAX ETF

Performance des Gesamtsystems im Juli: +1%, seit Jahresanfang: 14,5%

PS: Im Wikifolio ist in diesem Monat ein Handelsfehler entstanden. Ich werde über diesen in einem der nächsten Blogs berichten. Am Montag muss ich erstmal den Fehler korrigieren.

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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