Van Tharp – SQN System Güte

Zur Ermittlung der Güte eines Systems hatten wir in der Vergangenheit schon mehrere Kennzahlen wie Ertrag, Risiko und vor allem Drawdown besprochen.

Eine weitere Kennzahl stammt von Dr. Van Tharp einem Trading Coach. Van wurde auch schon in den Market Wizzard Büchern von Jack Schwaiger interviewed.

Dabei sind mir folgende Zitate besonders aufgefallen:

„What typically happens is that when people approach the markets, they bring their personal problems with them. The markets are a natural place to act out those problems, but not to solve them. Most people end up leaving the markets, but a few decide that they need a system to trade more effectively. Those people who adopt a systems approach usually just end up transferring their problems from dealing with the market to dealing with their system of trading.“

„… Cut your losses short and let profits run. … If you think of trading as a game and that a mistake is not following the rules of the game, then it becomes much easier to follow these two rules.“

Ich verfolge Van Tharp nachdem ich die Market Wizzard Bücher gelesen hatte weiter. Van’s Bücher kann ich ebenfalls empfehlen. Diese haben mir immer einen Mehrwert geliefert – insbesondere das Buch „Trade Your Way to Financial Freedom“.

Das Kapitel 12 „There’s  Money for Everyone“ über jeweils den gleichen Chart bzw. Trading Situation der mit den unterschiedlichen Handels und Handlungssystemen gehandelt wurde, war für mich wirklich augenöffnend.

Van Tharp folgt immer dem Motto, das man beim Traden nicht Märkte handelt, sondern seine (Vor)urteile über die Märkte.

Dies greift wieder das Thema der letzten Woche auf. Wir gehen nicht neutral in Handelsentscheidungen, sondern immer mit einer mehr oder weniger vorgefertigten Meinung. Es gibt dabei auch kein Richtig oder Falsch, sondern für jeden gibt es nur seine ganz persönliche Wahrheit.

Sind wir Trendfolger, sehen wir überall Trends. Sind wir eher fundamental orientiert, dann erscheinen die meisten Aktien als teuer und der Markt versteht die richtig „billigen“ nicht.

Ganz nach der alten Weisheit:

„Habe ich einen Hammer sehe ich in jedem Problem einen Nagel.“

An den Beispiel des Kapitel 12 aus Van’s Buch lässt sich das wunderbar zeigen.

Van benutzt 7 fiktive Charaktere, welche verschiedene Situationen auf jeweils Ihre Weise handeln.

Die 7 Charaktere sind:

  1. Mary – Long Term Trendfolger
  2. Dick – Short Term Swing Trader
  3. Victor – Value Manager
  4. Ellen – glaubt an eine überirdische Ordnung an den Märkten
  5. Ken – Spread Arbitrage
  6. Nancy – folgt Börsenbriefen
  7. Eric – Handelt relativ impulsiv

Allen gemeinsam ist, dass sie eine gewisse Routine und Disziplin mitbringen und ihrem Erfolgsrezept folgen.

Dann werden die Situationen pro Trader durchgespielt und Van zeigt, dass alle aus unterschiedlichen Gründen erfolgreich sein können. Das ist m. E. ein sehr gutes Zeichen – verbindet jedoch auch damit den Aufwand selbst seine eigene Methode zu finden.

In verschiedene Chats auf den letzten heißen Tipp zu hoffen bzw. einem System eines  erfolgreichen Traders blind zu folgen führt nicht zum Ziel.

Selbst wenn man einen Trading -Stil verinnerlicht hat, sollte man ein erfolgreiches System (welches diesen Trading-Stil verfolgt), immer noch an seine eigenen Bedürfnisse adaptieren.

Aus diesem Grund bespreche ich in meinem Blog weder konkrete Handelspositionen, noch versuche ich jemanden zu überzeugen meinem System zu folgen.

Dies funktioniert so nicht!

Kommen wir zur SQN Nummer zurück und beleuchten Van’s Herangehensweise, mit ein wenig mehr Statistik.

SQN steht für System Quality Number.

Die Formel dahinter ist jedoch eine Art normierter z-Score wie wir ihn in der Statistik beim t-Test finden.

SQN = Wurzel (n) x durchschnittliches R pro Trade / Standardabweichung der R Multiple

wobei

  • n = Anzahl der Trades in der Stichprobe
  • R = Ertrag (Verlust) pro eingesetztes Risiko

Dadurch entsteht eine Zahl, welche in einer Tabelle (n-1 – Freiheitsgrade) ablesen kann, mit welcher Güte man die Nullhypothese – also die Aussage die Trading Ergebnisse unterscheiden sich statistisch nicht vom Zufall bzw. von 0 ablehnen kann.

Van macht eine Liste über Werte von 1,6 – 7 und gibt damit den Erfolg des Systems an.

  • 1,6 – 1,9 unterdurchschnittlich
  • 2,0 – 2,4 durchschnittlich
  • 2,5 – 2,9 gut
  • 3,0 – 5,0 exzellent
  • 5,1 – 6,9 superb
  • > 7,0 Heilige Gral

Statistisch ist das etwas ungenau. Natürlich ist c.p. eine größere Zahl besser als eine kleine, aber mit hoher Anzahl an Trades steigt der SQN-Wert.

Das ist soweit auch nicht verwunderlich, da gleichbleibenden Durchschnitts-R / Standartabweichung R mit vielen Trades auch der Faktor Wurzel(n) immer größer wird. Die statistische Aussage daraus ist, das es mit zunehmender Anzahl an Trades immer wahrscheinlicher wird, dass die Durchschnitts-R nicht durch Zufall entstanden sind.

Ganz korrekt würde man formulieren: Damit wird die Ablehnung der Null-Hypothese: Die ermittelten Werte entstammen einer Zufälligen Verteilung (sind nicht von Null verschieden), immer wahrscheinlicher.

Für mein wöchentliches System ergeben sich folgende Werte:

  • n = 149 Trades in ca. 9 Jahren
  • ∅R = 0,48 pro Trade
  • σ = 1,67 (Standartabweichung R)

Daraus entsteht nach der obigen Formel eine Wert von 3,5. Nach der Logik von Van ist das exzellent. Statistisch lesen wir dazu einen Wert (einseitiger Test, größer als 0) von > 0,995.

Wir suchen in der linken Spalte den Wert für n-1 (148) und finden diesen in der letzten Zeile bei ∞. Dann suchen wir in dieser Zeile den Wert welcher am nächsten an die 3,5 heran reichen (von links beginnend). Leider hört die Tabelle bei einem Wert von 2,576 schon auf. Der Blick in den Spaltenkopf zeigt einen Wert von 0,995.

Damit können wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Nullhypothese ablehnen. Das System produziert sehr konsistent R-Werte von Null verschieden.

Setzt man den Test auf einen Mindestwert von z.B. 0,2R, dann würde ein SQN von 2,0 entstehen. Die 0,2R habe ich gewählt, um eine Mindestrendite auf das eingesetzte Risiko von 20% zu generieren.

Statistisch bedeutet dies, dass wir die Null-Hypothese: Die ermittelten Werte sind größer als 0,2R, mit einer Wahrscheinlichkeit von 97,5% ablehnen können.

Das ist für mich ein akzeptabler Wert, auf dem sich aufbauen lässt – nicht der Heilige Gral, aber ein System, welches robust Erträge erzielt.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • Close: USD/JPY short

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

 

 

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