Zapping und verpasste Chance

Gestern nach dem Fußballspiel bin ich noch ein wenig durch die Sender gezappt. Schlussendlich bin ich auf RTL plus gelandet. Dieser Sender ist zwar relativ neu in meiner Programmliste, ich könnte mich jedoch nicht erinnern, dass ich da schon mal länger als die gewöhnliche Zappingpause verweilt habe.

Gestern jedoch lief eine Sendung „Verklag mich doch“. Der Titel ist schon Bildzeitungsniveau, aber was soll es.

Die Story ist schnell erzählt:

Ein Ehepaar mit einer Tochter – die Tochter ist schon lange aus dem Haus und lebt in einer Beziehung zu einem Vermögensberater. Der Vater ist ständig mit seinem „Brummi“ in Europa unterwegs und die Mutter kümmert sich um den Haushalt und bessert die Haushaltskasse über einen EUR 400,- Job in einem Bäckerladen auf.

Das Haus in dem beide wohnen ist bezahlt und der Mann bekam (woher auch immer?  – hab zu spät reingezappt) eine Abfindung von EUR 20.000.

Damit begann aber auch schon das Problem: Die Mutter wollte das gewonnene Kapital gewinnbringend einsetzten und da sie keinerlei Erfahrung hat wandte sie sich an Ihren „Schwiegersohn“ in spe.

Dieser verkaufte Ihr einen geschlossenen Immobilienfonds (gut für seine Provision) welcher dann kurze Zeit später Insolvenz anmeldete.

Die Mutter hatte das Geschäft ohne Wissen des Vaters gemacht (war ja nie da) und versuchte das verlorene Geld durch einen windigen Job als „Vitamin-Pillen“ Verkäuferin wieder reinzuholen.

Dazu lieh sie  sich von einer Freundin Geld als „Startkapital“. Das Geld war dann auch schnell ebenfalls versenkt, da die Produkte natürlich nichts taugten und die Kunden Regress forderten.

Zu allem Übel in Ihrer Verzweiflung investierte sie auch noch das Geld Ihrer Tochter (jur: nur für die Tochter zurückgelegt) in eine weitere „totsichere“ Kapitalanlage mit „immensen Gewinnen“ (was aus dieser wurde, konnte in der „Doku“ nicht mehr geklärt werden).

Letzten Endes nach vielen Tränen und Streitereien der Eheleute, Trennung der Tochter von ihrem Vermögensberater und zerbrochenen Freundschaften, Ärger mit den Nachbarn und letztlich auch noch der Verlust des Jobs (das RTL Format lässt wirklich nichts aus) – wurde schlagartig fast alles wieder gut.

Ein seriöser Banker – ja das gibt es selbst auf RTL – gab den entscheidenden Hinweis. Die Verträge des windigen Vermögensverwalters waren anfechtbar und damit bestand die Chance auf Rückabwicklung.

Gesagt getan: Lapidar wurde gesagt, dass die Familie mit dem Schrecken davon gekommen ist. Neben dem noch zu verkraftenden Verlust der Investition in die „Vitamin-Pillen“ war alles Geld wieder da.

Aus meiner Sicht hat RTL hier leider die Chance verpasst das Thema richtig zu bearbeiten. Dazu ist jedoch nötig, dem Zuschauer mitzuteilen, das das vermeintliche Opfer – die Mutter / Familie eigentlich der Täter ist. Leider hat RTL zum Schluss alle Schuld dem Vermögensberater zugeschoben und hat eine rein technisch – juristische Lösung präsentiert.

Die Mutter ist nicht das Opfer:

Es mangelte der Mutter nicht an Selbstbewusstsein, beim Auftreten gegenüber anderen, jedoch fehlte bei Ihr völlig die Fähigkeit Selbstkritik zu üben.

Das die Familie aus der Nummer einigermaßen unbeschadet herausgekommen ist, ist mehr „Glück als Verstand“. Wäre der Vermögensverwalter nicht so unvorsichtig gewesen und die Verträge wären „wasserdicht“, dann hätte das Ergebnis noch viel schlimmer aussehen können.

Gier ist gut!?

Aus Sicht von Gorden Gecko schon, er stellt aber auf die Gier auf Gewinnstreben von Fachleuten ab, die sich der Risiken und Ihres Handelns bewusst sind.

Schauen wir uns das im gesamten geschilderten Fall aus dem Blickwinkel der Psychologie an:

Dabei wird schnell klar, dass die Mutter vor allem schnell reich werden wollte. Ihre Freundin aus dem Tennisklub war „reich“, da diese einen Arzt geheiratet hatte – selbst aber auch nie gearbeitet hat. Die Familie wohnte in einer spießigen Reihenhaussiedlung und sie kamen seit Jahren nicht vor und zurück.

Der Gedanke mit viel Geld aus dieser Lage ausbrechen zu können ist menschlich verständlich, aber eben auch gefährlich.

Die Situation beruhte sicher nicht auf einer reellen Situation, war jedoch symptomatisch für Menschen in ähnlicher Situation.

Jeder träumt davon finanziell unabhängig zu sein und wenn es schneller geht als gedacht, dann ist das nur besser. Deshalb spielen die Leute Lotto, obwohl die Chancen nur sehr gering sind und laufen den verschiedenen Versprechen der Werbung hinterher.

Zurück zur Mutter: Diese träumte nach Erhalt der Abfindung vom großen Geld. Dabei blendete Sie alle Risiken, die mit einer Investition in einen geschlossenen Immobilienfonds verbunden sind völlig aus. Dem Vermögensverwalter ist hier nur bedingt ein Vorwurf zu machen. Er verdient ja daran, solche Produkte zu verkaufen. Er hat sicher auf das nötigste hingewiesen und hat auch die nötigen Protokolle – zumindest einigermaßen – ausgefüllt.

Reicht das? Es hätte geholfen, wenn der Berater weniger kurzfristig orientiert gewesen wäre. Ich erinnere mich an eine meiner ersten Investitionen. Ich saß bei einem Bankberater und musste – weit vor Mifit – ein erstes Gespräch mit diesem führen. Ich wollte damals mein gesamtes „Vermögen“ in einen Optionsschein auf den Nikkei stecken. Aus heutiger Sicht völlig verrückt, aber „ich war jung und brauchte das Geld“ :-).

Damals hätte ich mir gewünscht, dass mich der Berater davon abgehalten hätte. Genau wie die Mutter wollte ich eben den schnellen Gewinn – und den bekommt man mit einer möglichst riskanten Wette.

Der Berater hat an dem Geschäft seine Provision verdient – hat seine Formulare ausgefüllt und damit seinen Job gemacht. Leider hat er mir damals nicht von Diversifikation, Risikomanagement etc. erzählt.

Ob mich das abgehalten hätte –  kann ich heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich hätte ich mich darüber aufgeregt, dass jemand meine Pläne reich zu werden durchkreuzen wollte. Das wusste auch der Berater und hat mich gewähren lassen.

Das zweite Problem der Mutter war, dass sie sich den ersten Verlust nicht eingestehen wollte. Zu hoch war das Selbstbewusstsein – die Dinge selbst wieder gerade zu biegen – ohne Hilfe. Außerdem wollte Sie auf keinen Fall mit Ihrem Mann darüber sprechen, da sie vor diesem nicht schlecht aussehen wollte, bzw. großen Respekt vor ihm hatte.

Das führte dann unweigerlich in die nächste Falle – dem „Vitamin-Pillen“ Vertrieb.

Zu Gute halten muss man Ihr, dass Sie sich mit Ihrer Tochter besprach. Diese war jedoch aus meiner Sicht die Falsche Vertrauensperson. Die Tochter selbst war ja gefangen: 1. war sie liiert mit dem Vermögensberater und 2. war sie natürlich als junge Tochter der sehr selbstbewussten Mutter unterlegen. 3. spielte sicher auch die Erfahrung und Fassungsvermögen in Bezug auf Finanzanlagen und psychologische Fallen daraus bei der Kosmetikerin eine Rolle.

Zu guter Letzt führte dies dann auch noch zum absoluten Tiefpunkt, der nochmaligen Investition von Geld und der völligen Ausweglosigkeit – dem Griff in die Kasse des Bäckers und damit zwangsläufig zur Kündigung.

Besserung trat erst ein, als die Frau sich mit Ihrem Mann ausgesprochen hatte. Der Mann war, ob seiner ebenso geringen Erfahrungen mit Finanzanlagen, ähnlich hilflos und machte auch diverse Fehler (er provozierte den Vermögensverwalter).

Auch der Mann war zu stolz oder zu geizig fachlichen Beistand in Form eines Anwalts zu suchen. Selbst als schon die dritte Vorladung, Abmahnung o.ä. ins Haus flatterte, steckte man lieber den Kopf in den Sand und hoffte auf Besserung.

Diese kommt gewöhnlich nicht von selbst. Im „Fernsehen“ geht das natürlich einfacher – da kann der Zufall ins Drehbuch geschrieben werden.

Wäre der nette Bankberater nicht gekommen und hätte über seinen Job hinaus einen Blick auf die Akten geworfen, dann hätte die Geschichte auch schlimmer ausgehen können.

Was ist die Lehre aus der Geschichte:

  1. Informationen sind wesentlich
  2. richtige Fachleute, kennen sich richtig aus – eine Glaskugel haben auch die nicht, aber die Informationsunterschiede lassen sich dadurch nivellieren
  3. Entscheidungen zusammen mit allen Geldgebern treffen, dann ist auch die Verantwortung geteilt
  4. schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen und damit darauf zu hoffen, das verlorene Geld zurück zu gewinnen
  5. Ruhe bewahren, Emotionen machen in dieser Situation alles noch schlimmer
  6. Bei großen Entscheidungen den „Schlachtplan“ mit vielen Handlungsoptionen durchdenken und ggf. aufschreiben
  7. Den gefundenen Plan möglichst fehlerfrei exekutieren

Sind diese Schritte ein Garant für den Erfolg?

Langfristig schon, kurzfristig kann trotz eines guten Prozesses das Ergebnis nicht den Erwartungen entsprechen. Ohne einen guten Prozess ist jedoch jedes Ergebnis ein reines Glücksspiel.

Schaue ich auf meinen Handelsprozess, dann würde ich zu den oben aufgeführten Punkten anmerken:

  1. Als Informationen kommen bei mir nur die Kursdaten zur Anwendung.
  2. Die Fachleute sind die erprobten (im Wesentlichen) Methoden der Trendfolge mit allen bekannten Risiken und Chancen.
  3. Ich habe das System, welches die Entscheidungen trifft, zwar allein entworfen, meine Frau ist jedoch immer eingebunden und ich berichte Ihr von den anstehenden Handelssignalen
  4. Sollte ein Verlust auftreten, dann werden diese Positionen geschlossen
  5. Emotionen sind dabei nicht im Spiel – deshalb das neutrale Handelssystem
  6. Der Handlungsplan steht und fällt mit dem Handelssystem
  7. Damit die Signale auch immer am gleichen Tag umgesetzt werden, bespreche ich die Trades mit meiner Frau am Sonntag und stellt sicher, dass am Montag alles exekutiert ist.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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