Portfolio Parameter Variation

Portfolio Parameter Variation

Wieder eine aufregende Woche hinter mir. Das Portfolio schlägt sich ganz wacker und am Markt gibt es nur noch das Thema BREXIT.

Ganz abgesehen von dieser m.E. seltsamen Wortschöpfung, ist das Thema natürlich politisch brisant. Die Märkte reagierten erst besonders cool auf ein mögliches Austreten Großbritanniens aus der Europäischen Union, jetzt kurz vor dem Referendum doch etwas nervöser.

Das ist sicher der normale Verlauf. Die Kapitalmärkte nehmen einige in der Ferne liegende Ereignisse lange nicht wirklich war, nur um sich dann mit aller Vehemenz darauf zu stürzen.

Wir erinnern uns an das Y2K – Problem, bei dem der Markt auch lange Zeit ganz gelassen war, jedes Unternehmen für sich seine IT in den kritischen Geschäftsprozessen untersucht und ggf. erneuert hat, um mit der Datumsumstellung zum 01.01.2000 keinen Ausfall der IT zu produzieren.

Sicher verblieb damals eine gewisse Unsicherheit über das Problem aber, dass sich sogar die Zentralbanken zum Schluss ziemlich nervös zeigten und vorsorglich mehr Liquidität in die Märkte gaben als eigentlich vorgesehen – spricht schon für die angespannte Situation.

Man darf nicht vergessen, dass es nur um ein technisches Problem ging und das 1. die Computer dieser Welt nur mit dem fortschreiten der Zeitzone in das mögliche Problem liefen und 2. der 01.01.2000 auch ein Feiertag wie jedes Jahr der 01.01. ist.

Somit sollte genügend Zeit bestehen, manche Prozesse einfach abzuschalten bzw. Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Im Rückblick passierte rein gar nichts – alle waren vorbereitet.

Zurück zum BREXIT:

Es wird gerade so getan, als ob UK von der Landkarte verschwindet, wenn sich nur genug Briten finden und diese für ein Austreten aus der Europäischen Union stimmen.

Wahrscheinlich haben jetzt die gleichen Leute Angst vor dem BREXIT, die damals Befürworter des „Vorfahren“ GREXIT waren.

Leider wird am Montag nach dem Referendum nichts passiert sein, da sich so schnell gar nichts ändert. Die britische Regierung wird erst nach und nach mit neuen Gesetzen der neuen Situation Rechnung tragen.

Ich hatte sogar gelesen, dass die Briten nach einem BREXIT-Referendum europäische Verträge brechen dürfen. Ich frage mich was das dann in der Praxis bedeutet? Letztlich ist Großbritannien immer noch eine sehr reife Demokratie mit einem sehr guten und verlässlichen Rechtssystem. Bestehende Verträge werden dort generell erstmal respektiert und nicht prinzipiell gebrochen.

Also wieder mal nur Panikmache?

Kurzfristig auf jeden Fall – die langfristigen Auswirkungen sind m.E. nicht ganz so klar.

Ist das Portfolio hinreichend gegen Marktturblenzen gesichert?

Aus meiner Sicht schon, da:

  1. die bestehenden Trades sind diversifiziert
  2. ich habe keine Informationen darüber, wie der Markt sich verhalten wird und kann dementsprechend keine Positionen als gefährlich einstufen
  3. in der Vergangenheit gab es schon ähnliche große Ereignisse, die in der historischen Zeitreihe enthalten sind
  4. mit den historischen Schwankungen / Drawdown / Erträgen bin ich zufrieden – Positionsgrößen sind hinreichend klein, dass ich kurze Verluste mental durchhalten

Robuste Portfolios vs. Panik

Viel wichtiger erscheint mir immer wieder das bestehende System auf Herz und Nieren zu überprüfen. Passen die aktuellen Entwicklungen mit den Erwartungen an die Handelsstrategie zusammen, oder gibt es Abweichungen, auf die reagiert werden muss.

Einer der letzten Podcast von BetterSystemTrader führte genau zu dieser Frage. Als Gast war Dave Walton geladen. Dieser hatte schon im Jahr 2014 ein Paper mit dem Namen „Know Your System! – Turning Data Mining from Bias to Benefit through System Parameter Permutation„.

Dave geht dabei zuerst auf die verschiedene Probleme des Data Minings ein und erläutert die Vor- und Nachteile der oft angewandten Methoden.

Mit System Parameter Permutation (SPP) wird ein Verfahren vorgestellt, welches viele der Probleme mit Backtests umgeht.

Worum geht es?

SPP ist eigentlich recht einfach zu verstehen.

  1. variiere alle System-Input-Parameter
  2. ermittle alle möglichen Kombinationen der Parameter
  3. beobachte die Auswirkungen auf dem untersuchten System

Damit erhält man ein komplettes Set an möglichen Ergebnissen und kann besser feststellen, wie stabil die Ergebnisse bei leicht geänderten Parametern sind.

Wie Dave in seinem Paper beschreibt, gibt es selbst bei vorsichtigem Verhalten immer die Tendenz die Optimierung auf bestimmten Parametern vorzunehmen. Damit sind natürlich Aussagen über das zukünftige Verhalten beschränkt.

Im Ernstfall eines Drawdowns kommen dann jedoch schnell Zweifel an der Wirksamkeit des Systems. Dies führt wie schon zu den oft beschriebenen Problem, dass genau zur falschen Zeit die Strategie beendet wird, oder nur noch selektiv ausgeführt wird (Second Guessing).

In der Diskussion von Andrew Swanscott und Dave Walton wird ebenfalls eine leichte Abwandlung der vollständigen SPP gesprochen. Die Idee ist eine System Parameter Variation, bei der aus einer definierten Range um den verwendeten „optimalen“ Parameter Stichprobenartig Parameter zu generieren.

Gesagt getan!

Im Verlauf meiner Erfahrung mit einem Handelssystem hatte ich schon genau diese Zweifel. Im Stressfall ist es nicht leicht Ruhe zu bewahren und jeden Trade zu nehmen wie er kommt. Daher fand ich die Idee mit der Stichprobe der Parameter sehr gut. Also habe ich mich gleich daran gesetzt und im wöchentlichen System eine Monte-Carlo-Simulation aufgesetzt.

Da mein Handelssystem auf Excel läuft und ich die meisten Teile relativ Modular in VBA programmiert habe, konnte ich relativ elegant die Monte-Carlo-Simulation einbauen.

Was genau habe ich gemacht? Auf den wesentlichen Parametern (10) generiere ich um den verwendeten Wert herum in einer 10% Spanne neue Werte per Zufall.

Diese fließen dann in einen Backtest auf historischen Daten (ca. 8,5 Jahre zurück) ein. Damit ich einigermaßen valide Werte erhalte, wird dieser Vorgang 5000x wiederholt.

Die Ergebnisse sind sehr beruhigend: Als mittleren Ertrag über alle 5000x Simulationen wird ca. 13% ermittelt. Die Standardabweichung (Risiko) erreicht einen ähnlichen Wert von ca. 14%. Der Drawdown ist im Durchschnitt bei ca. 15% und das Minimum über alle 5000x Simulationen erreicht mit knapp 20% die erwarteten Werte.

Interessanter als der Durchschnitt ist m.E. immer ein Blick auf das Histogramm, um die Verteilung der Werte besser einschätzen zu können.

Zuerst ein Blick auf die Erträge:

SPP_Ertrag
Ertrag – System Parameter Variation

Die Verteilung ist relativ eng. Der Ertrag schwankt zwischen 11% und 15%. Mit einer Konfidenz von 99% finden sich die Werte zwischen 11,6% und 14,8%.

Der Blick auf die Standardabweichung zeigt ähnliche Ergebnisse:

SPP_Risiko
Risiko – System Parameter Variation

Das 99%-Konfidenz Intervall liegt zwischen: 12,6% und 15% Risiko.

Der letzte Blick auf den Drawdown:

SPP_Drawdown
Drawdown – System Parameter Variation

Die Verteilung sieht nicht so schön „normal“ aus. Dies liegt in erster Linie daran, dass wir hier mit Minimalwerten arbeiten. Konkret wird in dieser Analyse das Histogramm über die Minima der 5000x Simulationen gezeigt. Dadurch entsteht eine links-schiefe Verteilung.

Die Minima liegen mit 99% Wahrscheinlichkeit innerhalb der Bandbreite von -10% bis -19%. Dies ist wie bei den anderen Indikatoren – zumindest für mich – ein akzeptabler Wert. Interessant ist, dass das Minimum bisher auch nur bei -20% und damit sehr nah am 99% Konfidenzintervall liegt.

Zum Vergleich erzeugen die aktuellen System Parameter auf der gleichen Historie einen Ertrag von ca. 16% bei einem Risiko von ca. 14% und einem maximalen Drawdown von -13%. Der Ertrag liegt leicht über dem der Simulation, meine Erwartung ist allerdings bei ca. 14% abgeleitet aus einer Regression der historischen Entwicklung (weniger Zeitpunktabhängig).

Damit erachte ich die Ergebnisse als stabil. Die Untersuchung wird mir helfen im nächsten Drawdown genügend Mut zu entwickeln um die Strategie weiter zu betreiben.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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