Monatsupdate Juni

Wie immer zum Monatsende ein kurzer Kommentar der Performance und der neunen Signale des monatlichen Systems.

Die Performance des Gesamtsystems im Juni war sehr gut. Insbesondere nach der Entscheidung über den BREXIT. Beide Systeme sind relativ gut durch die Phase mit erhöhter Volatilität gekommen.

Die Positionen des ETF Systems (monatlich) entwickelten sich in der Summe erst negativ (abgesehen von den Langen Renten), konnten dann jedoch von der Erholungsbewegung zum Monatsende voll profitieren.

Von den Aktien-Positionen entwickelte sich der DAX am schlechtesten – deshalb wird dieser jetzt auch abgebaut. Die Position der EM-Aktien profitierte vom erstarkten USD gegenüber dem EUR.

Das wöchentliche System reagierte sehr ausgeglichen. Die Long-Position im S&P 500 reagierte zwar negativ, dies wurde jedoch von den Long-Position in die Renten (Bund, Treasury) sowie Gold und einem erstarkenden Yen gegenüber dem USD mehr als ausgeglichen.

Monat Juni: +9,6%, Seit Jahresanfang +13,3%

Die Performance des Wikifolios ist leicht niedriger für en Monat Juni (+8,21%), da dort die Gewichtung der Positionen etwas moderater ist.

MAQS – Global Trend Following

Neues Signal des monatlichen Systems:

  • Verkauf des DAX ETF’s

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Zapping und verpasste Chance

Gestern nach dem Fußballspiel bin ich noch ein wenig durch die Sender gezappt. Schlussendlich bin ich auf RTL plus gelandet. Dieser Sender ist zwar relativ neu in meiner Programmliste, ich könnte mich jedoch nicht erinnern, dass ich da schon mal länger als die gewöhnliche Zappingpause verweilt habe.

Gestern jedoch lief eine Sendung „Verklag mich doch“. Der Titel ist schon Bildzeitungsniveau, aber was soll es.

Die Story ist schnell erzählt:

Ein Ehepaar mit einer Tochter – die Tochter ist schon lange aus dem Haus und lebt in einer Beziehung zu einem Vermögensberater. Der Vater ist ständig mit seinem „Brummi“ in Europa unterwegs und die Mutter kümmert sich um den Haushalt und bessert die Haushaltskasse über einen EUR 400,- Job in einem Bäckerladen auf.

Das Haus in dem beide wohnen ist bezahlt und der Mann bekam (woher auch immer?  – hab zu spät reingezappt) eine Abfindung von EUR 20.000.

Damit begann aber auch schon das Problem: Die Mutter wollte das gewonnene Kapital gewinnbringend einsetzten und da sie keinerlei Erfahrung hat wandte sie sich an Ihren „Schwiegersohn“ in spe.

Dieser verkaufte Ihr einen geschlossenen Immobilienfonds (gut für seine Provision) welcher dann kurze Zeit später Insolvenz anmeldete.

Die Mutter hatte das Geschäft ohne Wissen des Vaters gemacht (war ja nie da) und versuchte das verlorene Geld durch einen windigen Job als „Vitamin-Pillen“ Verkäuferin wieder reinzuholen.

Dazu lieh sie  sich von einer Freundin Geld als „Startkapital“. Das Geld war dann auch schnell ebenfalls versenkt, da die Produkte natürlich nichts taugten und die Kunden Regress forderten.

Zu allem Übel in Ihrer Verzweiflung investierte sie auch noch das Geld Ihrer Tochter (jur: nur für die Tochter zurückgelegt) in eine weitere „totsichere“ Kapitalanlage mit „immensen Gewinnen“ (was aus dieser wurde, konnte in der „Doku“ nicht mehr geklärt werden).

Letzten Endes nach vielen Tränen und Streitereien der Eheleute, Trennung der Tochter von ihrem Vermögensberater und zerbrochenen Freundschaften, Ärger mit den Nachbarn und letztlich auch noch der Verlust des Jobs (das RTL Format lässt wirklich nichts aus) – wurde schlagartig fast alles wieder gut.

Ein seriöser Banker – ja das gibt es selbst auf RTL – gab den entscheidenden Hinweis. Die Verträge des windigen Vermögensverwalters waren anfechtbar und damit bestand die Chance auf Rückabwicklung.

Gesagt getan: Lapidar wurde gesagt, dass die Familie mit dem Schrecken davon gekommen ist. Neben dem noch zu verkraftenden Verlust der Investition in die „Vitamin-Pillen“ war alles Geld wieder da.

Aus meiner Sicht hat RTL hier leider die Chance verpasst das Thema richtig zu bearbeiten. Dazu ist jedoch nötig, dem Zuschauer mitzuteilen, das das vermeintliche Opfer – die Mutter / Familie eigentlich der Täter ist. Leider hat RTL zum Schluss alle Schuld dem Vermögensberater zugeschoben und hat eine rein technisch – juristische Lösung präsentiert.

Die Mutter ist nicht das Opfer:

Es mangelte der Mutter nicht an Selbstbewusstsein, beim Auftreten gegenüber anderen, jedoch fehlte bei Ihr völlig die Fähigkeit Selbstkritik zu üben.

Das die Familie aus der Nummer einigermaßen unbeschadet herausgekommen ist, ist mehr „Glück als Verstand“. Wäre der Vermögensverwalter nicht so unvorsichtig gewesen und die Verträge wären „wasserdicht“, dann hätte das Ergebnis noch viel schlimmer aussehen können.

Gier ist gut!?

Aus Sicht von Gorden Gecko schon, er stellt aber auf die Gier auf Gewinnstreben von Fachleuten ab, die sich der Risiken und Ihres Handelns bewusst sind.

Schauen wir uns das im gesamten geschilderten Fall aus dem Blickwinkel der Psychologie an:

Dabei wird schnell klar, dass die Mutter vor allem schnell reich werden wollte. Ihre Freundin aus dem Tennisklub war „reich“, da diese einen Arzt geheiratet hatte – selbst aber auch nie gearbeitet hat. Die Familie wohnte in einer spießigen Reihenhaussiedlung und sie kamen seit Jahren nicht vor und zurück.

Der Gedanke mit viel Geld aus dieser Lage ausbrechen zu können ist menschlich verständlich, aber eben auch gefährlich.

Die Situation beruhte sicher nicht auf einer reellen Situation, war jedoch symptomatisch für Menschen in ähnlicher Situation.

Jeder träumt davon finanziell unabhängig zu sein und wenn es schneller geht als gedacht, dann ist das nur besser. Deshalb spielen die Leute Lotto, obwohl die Chancen nur sehr gering sind und laufen den verschiedenen Versprechen der Werbung hinterher.

Zurück zur Mutter: Diese träumte nach Erhalt der Abfindung vom großen Geld. Dabei blendete Sie alle Risiken, die mit einer Investition in einen geschlossenen Immobilienfonds verbunden sind völlig aus. Dem Vermögensverwalter ist hier nur bedingt ein Vorwurf zu machen. Er verdient ja daran, solche Produkte zu verkaufen. Er hat sicher auf das nötigste hingewiesen und hat auch die nötigen Protokolle – zumindest einigermaßen – ausgefüllt.

Reicht das? Es hätte geholfen, wenn der Berater weniger kurzfristig orientiert gewesen wäre. Ich erinnere mich an eine meiner ersten Investitionen. Ich saß bei einem Bankberater und musste – weit vor Mifit – ein erstes Gespräch mit diesem führen. Ich wollte damals mein gesamtes „Vermögen“ in einen Optionsschein auf den Nikkei stecken. Aus heutiger Sicht völlig verrückt, aber „ich war jung und brauchte das Geld“ :-).

Damals hätte ich mir gewünscht, dass mich der Berater davon abgehalten hätte. Genau wie die Mutter wollte ich eben den schnellen Gewinn – und den bekommt man mit einer möglichst riskanten Wette.

Der Berater hat an dem Geschäft seine Provision verdient – hat seine Formulare ausgefüllt und damit seinen Job gemacht. Leider hat er mir damals nicht von Diversifikation, Risikomanagement etc. erzählt.

Ob mich das abgehalten hätte –  kann ich heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich hätte ich mich darüber aufgeregt, dass jemand meine Pläne reich zu werden durchkreuzen wollte. Das wusste auch der Berater und hat mich gewähren lassen.

Das zweite Problem der Mutter war, dass sie sich den ersten Verlust nicht eingestehen wollte. Zu hoch war das Selbstbewusstsein – die Dinge selbst wieder gerade zu biegen – ohne Hilfe. Außerdem wollte Sie auf keinen Fall mit Ihrem Mann darüber sprechen, da sie vor diesem nicht schlecht aussehen wollte, bzw. großen Respekt vor ihm hatte.

Das führte dann unweigerlich in die nächste Falle – dem „Vitamin-Pillen“ Vertrieb.

Zu Gute halten muss man Ihr, dass Sie sich mit Ihrer Tochter besprach. Diese war jedoch aus meiner Sicht die Falsche Vertrauensperson. Die Tochter selbst war ja gefangen: 1. war sie liiert mit dem Vermögensberater und 2. war sie natürlich als junge Tochter der sehr selbstbewussten Mutter unterlegen. 3. spielte sicher auch die Erfahrung und Fassungsvermögen in Bezug auf Finanzanlagen und psychologische Fallen daraus bei der Kosmetikerin eine Rolle.

Zu guter Letzt führte dies dann auch noch zum absoluten Tiefpunkt, der nochmaligen Investition von Geld und der völligen Ausweglosigkeit – dem Griff in die Kasse des Bäckers und damit zwangsläufig zur Kündigung.

Besserung trat erst ein, als die Frau sich mit Ihrem Mann ausgesprochen hatte. Der Mann war, ob seiner ebenso geringen Erfahrungen mit Finanzanlagen, ähnlich hilflos und machte auch diverse Fehler (er provozierte den Vermögensverwalter).

Auch der Mann war zu stolz oder zu geizig fachlichen Beistand in Form eines Anwalts zu suchen. Selbst als schon die dritte Vorladung, Abmahnung o.ä. ins Haus flatterte, steckte man lieber den Kopf in den Sand und hoffte auf Besserung.

Diese kommt gewöhnlich nicht von selbst. Im „Fernsehen“ geht das natürlich einfacher – da kann der Zufall ins Drehbuch geschrieben werden.

Wäre der nette Bankberater nicht gekommen und hätte über seinen Job hinaus einen Blick auf die Akten geworfen, dann hätte die Geschichte auch schlimmer ausgehen können.

Was ist die Lehre aus der Geschichte:

  1. Informationen sind wesentlich
  2. richtige Fachleute, kennen sich richtig aus – eine Glaskugel haben auch die nicht, aber die Informationsunterschiede lassen sich dadurch nivellieren
  3. Entscheidungen zusammen mit allen Geldgebern treffen, dann ist auch die Verantwortung geteilt
  4. schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen und damit darauf zu hoffen, das verlorene Geld zurück zu gewinnen
  5. Ruhe bewahren, Emotionen machen in dieser Situation alles noch schlimmer
  6. Bei großen Entscheidungen den „Schlachtplan“ mit vielen Handlungsoptionen durchdenken und ggf. aufschreiben
  7. Den gefundenen Plan möglichst fehlerfrei exekutieren

Sind diese Schritte ein Garant für den Erfolg?

Langfristig schon, kurzfristig kann trotz eines guten Prozesses das Ergebnis nicht den Erwartungen entsprechen. Ohne einen guten Prozess ist jedoch jedes Ergebnis ein reines Glücksspiel.

Schaue ich auf meinen Handelsprozess, dann würde ich zu den oben aufgeführten Punkten anmerken:

  1. Als Informationen kommen bei mir nur die Kursdaten zur Anwendung.
  2. Die Fachleute sind die erprobten (im Wesentlichen) Methoden der Trendfolge mit allen bekannten Risiken und Chancen.
  3. Ich habe das System, welches die Entscheidungen trifft, zwar allein entworfen, meine Frau ist jedoch immer eingebunden und ich berichte Ihr von den anstehenden Handelssignalen
  4. Sollte ein Verlust auftreten, dann werden diese Positionen geschlossen
  5. Emotionen sind dabei nicht im Spiel – deshalb das neutrale Handelssystem
  6. Der Handlungsplan steht und fällt mit dem Handelssystem
  7. Damit die Signale auch immer am gleichen Tag umgesetzt werden, bespreche ich die Trades mit meiner Frau am Sonntag und stellt sicher, dass am Montag alles exekutiert ist.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Portfolio Parameter Variation

Portfolio Parameter Variation

Wieder eine aufregende Woche hinter mir. Das Portfolio schlägt sich ganz wacker und am Markt gibt es nur noch das Thema BREXIT.

Ganz abgesehen von dieser m.E. seltsamen Wortschöpfung, ist das Thema natürlich politisch brisant. Die Märkte reagierten erst besonders cool auf ein mögliches Austreten Großbritanniens aus der Europäischen Union, jetzt kurz vor dem Referendum doch etwas nervöser.

Das ist sicher der normale Verlauf. Die Kapitalmärkte nehmen einige in der Ferne liegende Ereignisse lange nicht wirklich war, nur um sich dann mit aller Vehemenz darauf zu stürzen.

Wir erinnern uns an das Y2K – Problem, bei dem der Markt auch lange Zeit ganz gelassen war, jedes Unternehmen für sich seine IT in den kritischen Geschäftsprozessen untersucht und ggf. erneuert hat, um mit der Datumsumstellung zum 01.01.2000 keinen Ausfall der IT zu produzieren.

Sicher verblieb damals eine gewisse Unsicherheit über das Problem aber, dass sich sogar die Zentralbanken zum Schluss ziemlich nervös zeigten und vorsorglich mehr Liquidität in die Märkte gaben als eigentlich vorgesehen – spricht schon für die angespannte Situation.

Man darf nicht vergessen, dass es nur um ein technisches Problem ging und das 1. die Computer dieser Welt nur mit dem fortschreiten der Zeitzone in das mögliche Problem liefen und 2. der 01.01.2000 auch ein Feiertag wie jedes Jahr der 01.01. ist.

Somit sollte genügend Zeit bestehen, manche Prozesse einfach abzuschalten bzw. Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Im Rückblick passierte rein gar nichts – alle waren vorbereitet.

Zurück zum BREXIT:

Es wird gerade so getan, als ob UK von der Landkarte verschwindet, wenn sich nur genug Briten finden und diese für ein Austreten aus der Europäischen Union stimmen.

Wahrscheinlich haben jetzt die gleichen Leute Angst vor dem BREXIT, die damals Befürworter des „Vorfahren“ GREXIT waren.

Leider wird am Montag nach dem Referendum nichts passiert sein, da sich so schnell gar nichts ändert. Die britische Regierung wird erst nach und nach mit neuen Gesetzen der neuen Situation Rechnung tragen.

Ich hatte sogar gelesen, dass die Briten nach einem BREXIT-Referendum europäische Verträge brechen dürfen. Ich frage mich was das dann in der Praxis bedeutet? Letztlich ist Großbritannien immer noch eine sehr reife Demokratie mit einem sehr guten und verlässlichen Rechtssystem. Bestehende Verträge werden dort generell erstmal respektiert und nicht prinzipiell gebrochen.

Also wieder mal nur Panikmache?

Kurzfristig auf jeden Fall – die langfristigen Auswirkungen sind m.E. nicht ganz so klar.

Ist das Portfolio hinreichend gegen Marktturblenzen gesichert?

Aus meiner Sicht schon, da:

  1. die bestehenden Trades sind diversifiziert
  2. ich habe keine Informationen darüber, wie der Markt sich verhalten wird und kann dementsprechend keine Positionen als gefährlich einstufen
  3. in der Vergangenheit gab es schon ähnliche große Ereignisse, die in der historischen Zeitreihe enthalten sind
  4. mit den historischen Schwankungen / Drawdown / Erträgen bin ich zufrieden – Positionsgrößen sind hinreichend klein, dass ich kurze Verluste mental durchhalten

Robuste Portfolios vs. Panik

Viel wichtiger erscheint mir immer wieder das bestehende System auf Herz und Nieren zu überprüfen. Passen die aktuellen Entwicklungen mit den Erwartungen an die Handelsstrategie zusammen, oder gibt es Abweichungen, auf die reagiert werden muss.

Einer der letzten Podcast von BetterSystemTrader führte genau zu dieser Frage. Als Gast war Dave Walton geladen. Dieser hatte schon im Jahr 2014 ein Paper mit dem Namen „Know Your System! – Turning Data Mining from Bias to Benefit through System Parameter Permutation„.

Dave geht dabei zuerst auf die verschiedene Probleme des Data Minings ein und erläutert die Vor- und Nachteile der oft angewandten Methoden.

Mit System Parameter Permutation (SPP) wird ein Verfahren vorgestellt, welches viele der Probleme mit Backtests umgeht.

Worum geht es?

SPP ist eigentlich recht einfach zu verstehen.

  1. variiere alle System-Input-Parameter
  2. ermittle alle möglichen Kombinationen der Parameter
  3. beobachte die Auswirkungen auf dem untersuchten System

Damit erhält man ein komplettes Set an möglichen Ergebnissen und kann besser feststellen, wie stabil die Ergebnisse bei leicht geänderten Parametern sind.

Wie Dave in seinem Paper beschreibt, gibt es selbst bei vorsichtigem Verhalten immer die Tendenz die Optimierung auf bestimmten Parametern vorzunehmen. Damit sind natürlich Aussagen über das zukünftige Verhalten beschränkt.

Im Ernstfall eines Drawdowns kommen dann jedoch schnell Zweifel an der Wirksamkeit des Systems. Dies führt wie schon zu den oft beschriebenen Problem, dass genau zur falschen Zeit die Strategie beendet wird, oder nur noch selektiv ausgeführt wird (Second Guessing).

In der Diskussion von Andrew Swanscott und Dave Walton wird ebenfalls eine leichte Abwandlung der vollständigen SPP gesprochen. Die Idee ist eine System Parameter Variation, bei der aus einer definierten Range um den verwendeten „optimalen“ Parameter Stichprobenartig Parameter zu generieren.

Gesagt getan!

Im Verlauf meiner Erfahrung mit einem Handelssystem hatte ich schon genau diese Zweifel. Im Stressfall ist es nicht leicht Ruhe zu bewahren und jeden Trade zu nehmen wie er kommt. Daher fand ich die Idee mit der Stichprobe der Parameter sehr gut. Also habe ich mich gleich daran gesetzt und im wöchentlichen System eine Monte-Carlo-Simulation aufgesetzt.

Da mein Handelssystem auf Excel läuft und ich die meisten Teile relativ Modular in VBA programmiert habe, konnte ich relativ elegant die Monte-Carlo-Simulation einbauen.

Was genau habe ich gemacht? Auf den wesentlichen Parametern (10) generiere ich um den verwendeten Wert herum in einer 10% Spanne neue Werte per Zufall.

Diese fließen dann in einen Backtest auf historischen Daten (ca. 8,5 Jahre zurück) ein. Damit ich einigermaßen valide Werte erhalte, wird dieser Vorgang 5000x wiederholt.

Die Ergebnisse sind sehr beruhigend: Als mittleren Ertrag über alle 5000x Simulationen wird ca. 13% ermittelt. Die Standardabweichung (Risiko) erreicht einen ähnlichen Wert von ca. 14%. Der Drawdown ist im Durchschnitt bei ca. 15% und das Minimum über alle 5000x Simulationen erreicht mit knapp 20% die erwarteten Werte.

Interessanter als der Durchschnitt ist m.E. immer ein Blick auf das Histogramm, um die Verteilung der Werte besser einschätzen zu können.

Zuerst ein Blick auf die Erträge:

SPP_Ertrag
Ertrag – System Parameter Variation

Die Verteilung ist relativ eng. Der Ertrag schwankt zwischen 11% und 15%. Mit einer Konfidenz von 99% finden sich die Werte zwischen 11,6% und 14,8%.

Der Blick auf die Standardabweichung zeigt ähnliche Ergebnisse:

SPP_Risiko
Risiko – System Parameter Variation

Das 99%-Konfidenz Intervall liegt zwischen: 12,6% und 15% Risiko.

Der letzte Blick auf den Drawdown:

SPP_Drawdown
Drawdown – System Parameter Variation

Die Verteilung sieht nicht so schön „normal“ aus. Dies liegt in erster Linie daran, dass wir hier mit Minimalwerten arbeiten. Konkret wird in dieser Analyse das Histogramm über die Minima der 5000x Simulationen gezeigt. Dadurch entsteht eine links-schiefe Verteilung.

Die Minima liegen mit 99% Wahrscheinlichkeit innerhalb der Bandbreite von -10% bis -19%. Dies ist wie bei den anderen Indikatoren – zumindest für mich – ein akzeptabler Wert. Interessant ist, dass das Minimum bisher auch nur bei -20% und damit sehr nah am 99% Konfidenzintervall liegt.

Zum Vergleich erzeugen die aktuellen System Parameter auf der gleichen Historie einen Ertrag von ca. 16% bei einem Risiko von ca. 14% und einem maximalen Drawdown von -13%. Der Ertrag liegt leicht über dem der Simulation, meine Erwartung ist allerdings bei ca. 14% abgeleitet aus einer Regression der historischen Entwicklung (weniger Zeitpunktabhängig).

Damit erachte ich die Ergebnisse als stabil. Die Untersuchung wird mir helfen im nächsten Drawdown genügend Mut zu entwickeln um die Strategie weiter zu betreiben.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Verschiedene Strategien zugleich

Verschiedene Strategien zugleich

Diese Woche möchte ich nochmal etwas näher beleuchten, warum es durchaus Sinn macht mehrere Strategien zeitgleich zu handeln. Wenn die Portfolio Theorie nur ansatzweise funktioniert, dann sollten die möglichst unabhängigen Renditen (in der Fachsprache niedrige Korrelationen) dazu führen, dass zwar die Gesamt-Rendite nur der Mittelwert bzw. Durchschnitt der einzelnen Strategien ist, aber das Risiko nach Markowitz deutlich stärker fällt.

Damit steigt das Verhältnis Rendite zu Risiko (Sharpe Ratio) und damit bekommen der Investor für sein eingegangenes Risiko eben einen höheren Ertrag.

Ich hatte schon oft darauf verwiesen, dass die Standardabweichung für Risiko aus meiner Sicht ungeeignet ist, da sie 1) nach oben wie nach unten gilt – und wer will schon steigende Kurse (bei einer Long Strategie) als etwas negatives empfinden.

Eine weitere Kuriosität ist, dass selbst bei niedriger Standardabweichung – auch komplett 0 – kann ein Portfolio einen negativen Ertrag generieren. Dies kommt regelmäßig dann vor, wenn z.B. das Portfolio z. B. jede Woche 1% seines Wertes verliert. Dann wird in der Formel für Sigma die Differenz zwischen dem Mittelwert und der aktuellen Beobachtung also 1% – 1% = 0.

Der Investor hingegen verliert ständig Geld, obwohl er kein (Schwankungs-) Risiko hat.

Ein weiterer Kritikpunkt v.a. aus der Ecke der Value orientierten Anleger ist, dass das Schwankungsrisiko nicht das wirkliche Risiko darstellt. Das wirkliche Risiko des Investors ist der Komplettausfall oder dauerhaften Verlust der Investition.

Für mich ist deshalb der Drawdown die weitaus besserer Steuerungsgröße. In der letzten Woche haben wir gesehen, das mit Blick auf den Drawdown „Kelly-optimale“ Wetten sehr schwierig werden, da diese Methode nur auf den höchstmöglichen geometrischen Gewinn achtet.

Dieser hat natürlich am Rande mit dem Drawdown zu tun, denn wenn das Kapital erstmal weg ist, ist kein Einsatz mehr möglich und jeder weitere Ertrag ist ebenfalls 0.

Ergo werden wir zusätzlich untersuchen, inwieweit die Hinzunahme weiterer Strategien das Drawdown Risiko senkt. Dazu werden neben den Korrelationen der Renditen auch die Korrelation der Drawdowns untersucht. Nach dieser Logik sollte sich ähnlich wie im Fall des Sigma (Varianz) auch der Drawdown mindern, wenn eine Korrelation <1 besteht.

Mehrere Strategien

Für mein System handele ich die bekannten zwei Strategien: die wöchentliche und die monatliche. Beide beruhen auf Trendfolge-Strategien. Dadurch würde man erwarten, dass sich Diversifikations-Eigenschaften beider Systeme in Grenzen halten.

In der Tat war die erste Motivation für die monatliche Strategie, nicht die Risikooptimierung, sondern der freie Cash-Bestand im Portfolio. Die wöchentliche Strategie konsumiert – trotz Leverage – nicht den gesamten Cash.

In Zeiten von geringen Geldmarktsätzen, war die Überlegung, diesen Cash produktiv einzusetzen.

Also werfen wir einen Blick auf die Erträge der beiden Zeitreihen (monatlich):

Ertragsverteilung_mw
Verteilung der wöchentlichen und monatlichen Erträge

Mit diesen Profilen produziert das wöchentliche System einen Ertrag von 1,25% monatlich oder  ca. 15% p.a. bei einer Standardabweichung von 13% p.a  und einem maximalen Drawdown i.H.v. -9,7%.

Das monatliche System erreicht einen Ertrag von 4% p.a. bei nur 5% Standardabweichung und -7,3% Drawdown.

Die gemessene Korrelation der Erträge beträgt trotz der vermeintlichen Ähnlichkeit der Systeme nur 0,44. Das ist schon relativ gering und verspricht eine hohe Diversifikations-Wirkung im Sinne eines Ertrags-Risiko-Verhältnisses.

Der Blick auf die Drawdown-Korrelation zeigt ein noch besseres Bild:

Drawdown_mw
Daten: Eigene Berechnungen

Verteilung der wöchentlichen und monatlichen Drawdowns

Die Drawdown-Korrelation erreicht gerade mal 0,24. Nun könnte der Eindruck entstehen, das dies zu besonders niedrigen Drawdowns im Gesamtsystem führen müsste. Dem ist jedoch nicht so!

Die Frage nach dem Warum ist auch schnell geklärt: Jede rote Säule (monatliches System), welche gleichzeitig mit der blauen Säule (wöchentliches System) gleichzeitig nach unten zeigen – werden addiert. Somit addieren sich ca. 24% aller Drawdowns und ggf. damit auch der maximale Drawdown des einen mit einem Drawdown des anderen.

Die beiden maximalen Drawdowns müssen dafür nicht zur gleichen Zeit erfolgen. Im genannten Besipiel liegt der wöchentlichen maximale Drawdown im Juni 2011, der des monatlichen Systems im Januar 2016 und die Kombination aus beiden Systemen erreicht ihren maximalen Drawdown am Ende 2015.

Eine reine Cash Position würde natürlich auch keinen Drawdown erzeugen. Somit ist klar, dass der Drawdown trotz vorteilhafter Korrelation ansteigt.

Werfen wir noch einen Blick auf die Effizienzeigenschaften des kombinierten Systems: Der maximale Drawdown erreicht mit -13,4% ein neues Tief. Dies ist bei der Wahl der Positionsgröße zu berücksichtigen. Das Ertragspotential wächst um einiges an auf ca. 18%. Die Risikoreduktion durch die vorteilhafte Korrelation der beiden Ertragsströme führt letztlich zu einem Risiko (Standardabweichung) von 15%.

Damit steigt das Ertrags-Risiko-Verhältnis leicht von 1,13 (wöchentliche System) auf 1,18 (kombiniertes System). Das Verhältnis Ertrag zu Drawdown verschlechtert sich wie besprochen auf 1,36 (kombiniertes System) von 1,54 im wöchentlichen System.

Sollte man nun wegen der nur leichten Verbesserung des Ertrags-Risiko-Verhältnisses das zweite System benutzen oder nicht?

Für mich habe ich die Frage beantwortet. Ich nutze beide Systeme, da ich einerseits den kombinierten Drawdown von ca. 13% aushalten kann und andererseits ich einen höheren Ertrag erzielen kann.

Aus Effizienzgründen könnte man argumentieren, dass eine Erhöhung der Positionsgröße im wöchentlichen System zu ähnlich hohen Erträgen führen kann.

Wie ich im Blog über die Positionsgrößen schon gezeigt hatte, wächt der maximale Drawdown überproportional mit der Wahl der Position – damit sinkt die Effizienz auch auf diesem Weg.

Hinzu kommt ein Modell-Risiko – Handelt man nur ein System, dann liegt das gesamte Modell-Risiko auf diesem. Bei zwei oder mehreren Systemen wird das Modell-Risiko verteilt.

Da man nie vorher sehen kann, welche Marktsituation entsteht und damit nicht den Ertrag/Risko und Drawdown des Systems, ist es hilfreich über verschiedene Systeme zu diversifizieren.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale des wöchentlichen Systems:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

 

Das ist die perfekte Wette

In den vergangenen Blogs hatte ich das Thema Positionsgröße angeschnitten, empirisch untersucht und auch erklärt wie ich diese bei meinen Systemen verwende.

Dazu verfolgte ich bei beiden Systemen eine Risikoparitäts-Strategie. Im wöchentlichen System ergeben sich die Gewichte durch die ständige Adjustierung der Gewichte an die Parameter Portfolio-Größe und Risiko (Volatilität) des jeweiligen Marktes.

Das monatliche System ist etwas simpler: Dort habe ich aus dem historischen Verhalten der Handelsstrategie eines jeden Marktes die volatilitätsadjustierten Gewichte (1/Vola) bestimmt.

Aber ist das optimal? Ist das die perfekte Wette?

In der Literatur gibt es unter der Fragestellung des perfekten Wetteinsatzes das Konzept von John Larry Kelly jr. von 1956. Das Konzept ist bekannt unter seinem Namen: Kelly-Kriterium.

Das Prinzip ist schnell an einem einfachen Beispiel eines Münzwurfes erklärt:

Input Parameter:

  • Gewinnwahrscheinlichkeit: 40% Kopf und 60% Zahl (natürlich keine ganz faire Münze)
  • Ertrag bei Kopf: EUR 2, Verlust bei Zahl: EUR 1
  • wir bekommen das 3-fache zurück bei einem Gewinn, oder wir verlieren alles: Quote 3:0

Dann haben wir als Erwartungswert: E = 0,4 x EUR 2 + 0,6 x EUR (-1) = EUR 0,2
d.h. für jeden Euro den wir in dieses Spiel investieren, erhalten wir EUR 0,2 Ertrag.

Das Spiel ist im Erwartungswert positiv und somit Wert zu spielen. Im Trading Sinne würden wir von einem „Edge“ sprechen. Das System erhält einen Ertrag von EUR 0,2 zusätzlich in jeder Spielrunde mit einem Einsatz von Risikokapital von EUR 1.

Das nennen wir ein R(isk)-multiple von 0,2R.

Jetzt kommt jedoch die spannende Frage:

Wenn wir EUR 100 haben, wieviel davon sollen wir setzten?

Setzten wir z.B. die gesamten EUR 100, dann kann es passieren, dass wir diese gleich beim ersten Wurf verspielt haben. Auch sonst ist die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes bei 60% nicht gerade klein.

Kelly hat herausgefunden, dass wir optimaler Weise nur einen Anteil der EUR 100 setzen – und zwar genau:

Anteil = (Rückzahlungsquote x Gewinnwahrscheinlichkeit -1) / (Rückzahlungsquote -1)

Die Rückzahlungsquote (Q) in unserem Fall ist 3 , die Gewinnwahrscheinlichkeit ist 0,4. Damit ergibt sich für den optimalen Anteil: (3 x 0,4 – 1) / (3 – 1) = 0,2 / 2 = 0,1.

Das erinnert an die Diskussion über die Positionsgröße im wöchentlichen System. In meinem System hatte ich mich für eine Positionsgröße von 1% entschieden.

Warum nur so wenig?

Nun zum einen konnte ich anhand der verschiedenen Parameter Ertrag, Risiko und Drawdown bzw. MAR (Ertrag pro Drawdown) zeigen, wie riskant die 2% Positionsgröße schon ist. Zum anderen muss man sagen, dass die Kelly-Formel für Wetten z.b. konzipiert wurde. Bei Wetten sind die Eingangsparameter weitestgehend bekannt. Der Münzwurf liefert immer eine 50/50 Chance für Kopf/Zahl. Dies trifft ebenso auf viele andere Spiele zu wie Roulette oder Black Jack.

Hinzu kommt, dass die Inputparameter von Spiel zu Spiel konstant sind. Also die Wahrscheinlichkeit beim Roulette eine bestimmte Zahl zu treffen ist immer gleich hoch und auch der Gewinn beim Roulette pro Zahl ist von vornherein klar.

Am Kapitalmarkt ist alles anders!

Die Parameter für das Verhalten des Systems in den verschiedenen Marktphasen sind viel schwerer zu schätzen und sind auch nicht stabil über die Zeit. So würde eine reine Strategie entlang der Kelly Formel viel zu riskant sein.

In meinem Beispiel hatte ich gezeigt, dass bei einer Positionsgröße von 10% schon Drawdowns von über 60% zu erwarten sind. Demnach sollten deutlich geringere Positionsgrößen eingegangen werden.

Wichtig: Wir wollen so lange wie möglich im Spiel bleiben, da wir von einem positiven Erwartungswert ausgehen!

Bei der Untersuchung der Positionsgröße des Systems sind wir von folgenden Input Faktoren ausgegangen:

  • 69 Gewinne zu 91 Verluste: Also ca. 2:3 oder ca. 40% Gewinnquote
  • Gewinn pro Risiko (R): 1,8 und der Verlust pro Risiko (R): -0,7

Setzen wir das in unsere Formeln ein, dann erhalten wir für den Erwartungswert:

E = 0,4 x EUR 1,8 + 0,6 x EUR -0,7 = 0,3

Das klingt schon mal ganz gut – das System ist profitabel. In der Kelly-Gleichung sieht es dann wie folgt aus:

K = (3,25 x 0,40 – 1) / (3,25 -1) = 0,3 / 2,25 = 0,13, also 13%

In der Tat waren die 13% der Punkt auf der Kurve, welcher den höchsten Ertrag generierte.

Return -Testreihe
Ertrag in Abhängigkeit der Positionsgröße

Der Drawdown war mir jedoch bei dieser Positionsgröße viel zu groß:

maximal Draw Down-Testreihe
Drawdown in Abhängigkeit der Positionsgröße

Einen Drawdown von 80% möchte ich nicht erleben, ich könnte diesen mental nicht aushalten.

Die Übung zeigt die analytische Herleitung der optimalen Positionsgröße, bzw. andersherum die analytisch ermittelte Größe ist auch empirisch beobachtbar.

Wie viele Trader auch, handle ich jedoch nur eine sehr geringen Anteil der optimalen Positionsgröße, da andere Parameter – mentaler Art – großen Einfluss auf den Ertrag haben, als die Kelly-Formel rein rational zeigen würde.

 

MAQS – Global Trend Following

Signale im wöchentlichen System:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Monats-Update Mai

Kurze Info zum Monatswechsel:

MAQS – Global Trend Following

Signale im monatlichen System:

Alle Signale stehen auf 100%. Das ETF Portfolio ist per Anfang Juni voll investiert. Individuell bedeutet dies:

Kauf 1 Position DAX (iShares DAX)
Kauf 1 Position MSCI Welt (iShares MSCI World Hedged EUR)
Kauf 1/2 Position EM Aktien (iShares EM MinVol)
Kauf 1/2 Position EM Renten (iShares EMD JPM)
Gesamtperformance 2016: 3,09%
Drawdown -2,34% auf Monatsbasis

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.