Knowing me, Knowing you

Knowing me, Knowing you

Rationale oder emotionale Entscheidungen – Vorsicht bei der Geldanlage!

Vor einigen Jahren hat James Montier, damals noch bei Dresdner Kleinwort ein Research Paper herausgebracht, um typische Fehlentscheidungen aufzuzeigen – bzw. die graue Theorie der Behavioural Finance etwas anschaulicher zu machen.

Ich nutzte dies damals für einen Vortrag in privater Runde mit dem gleichen Zweck (vielen Dank James).

17 Fragen und 17 Minuten Zeit um diese nach bestem Wissen und Gewissen zu lösen

  1. Bitte schreibe die letzten 4 Stellen Deiner Telefonnummer auf: ________________
  2. Ist die Anzahl der Ärzte in London höher oder niedriger als diese Nummer? _______
  3. Wie viele Ärzte gibt es Deiner Meinung nach in London? _____________________
  4. Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen EUR 1.10.
    Der Schläger kostet exakt EUR 1.00 mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball? __________________________________
  5. Eine Gesundheitsstudie wurde unter erwachsenen Männern jeden Alters in New Jersey durchgeführt. Bitte gib eine Schätzung für die folgenden Sachverhalte ab:
    • Wie viel Prozent der Befragten hatten einen oder mehrere Herzinfarkte? ____
    • Wie viele Prozent der Befragten waren über 55 und hatten einen oder mehrere Herzinfarkte. ____________________________________________
  6. Bist Du in Deinem Job überdurchschnittlich? ________________________________
  7. Stell Dir vor Dir liegen 4 Spielkarten. Jede von ihnen hat auf der einen Seite einen Buchstaben und auf der anderen eine Zahl. Wenn eine Karte ein E hat, dann ist immer auf der Rückseite eine 4. Welche Karte(n) muss man umdrehen, um festzustellen, ob die Aussage wahr ist?4-Karten
  8. Stell Dir vor eine Münze wird dreimal geworfen und landet jedes Mal auf Kopf. Wenn Du EUR 1.000 auf den nächsten Wurf setzten könntest, welche Seite würdest Du wählen? Kopf, Zahl oder keine Präferenz. __________________________________
  9. Wenn es für 5 Maschinen 5 Minuten dauert 5 Teile herzustellen, wie lange dauert es für 100 Maschinen 100 Teile herzustellen? _________________________________
  10. Wenn John ein Fass Wasser in 6 Tagen trinkt und Mary ein Fass in 12 Tagen schafft, wie lang dauert es bis beide zusammen ein Fass leer haben? __________________
  11. Es wird erwartet, dass durch die Vogelgrippe in Deutschland 600 Menschen sterben werden. Zwei alternative Programme die Vogelgrippe zu bekämpfen wurden vorgeschlagen.
    • Programm A: 200 Menschen werden gerettet
    • Programm B: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/3 werden 600 Menschen gerettet aber auch eine 2/3 Wahrscheinlichkeit, dass niemand gerettet wird.
      Wofür entscheidest Du Dich? ____________________________________________
  12. Dir wird folgende Wette vorgeschlagen: Einen Münze wird geworfen. Wenn Du verlierst musst Du EUR 100 bezahlen. Wie hoch ist der minimale Gewinn (Betrag) zu dem Du bereit bist diese Wette einzugehen? ________________________________
  13. Ein See mit einigen Seerosen. Jeden Tag verdoppelt sich die Fläche der Seerosen. Wenn es 48 Tage dauert bis der ganze Teich zugewachsen ist, wie lange dauert es bis der halbe Teich bedeckt ist? ______________________________________
  14. Die gleiche Krankheit aus Frage 11 ist zurück. Welches Programm findet Deine Unterstützung?________________________________________________
    • Programm C: 400 Menschen sterben
    • Programm D: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/3 stirbt niemand, und mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 sterben 600 Menschen.
  15. Eine Studentin an einer Universität hat eine Durchschnittspunktzahl von 3.8 im ersten Jahr. Der Durchschnitt für die Universität ist 3.1. In welchem Perzentil wird sie sein wenn sie die Universität verlässt? _________________________________
    (Je besser sie ist , umso höher die Punktzahl, max. 100)
  16. Du bist in einer Spielshow. Du wirst vor die Wahl gestellt eines von 3 Toren zu öffnen. Hinter einer verbirgt sich ein Auto (A) und hinter den anderen beiden Ziegen (Z).
    Nachdem Du Dich für einen Tür entschieden hast, wird eine der anderen geöffnet und eine Ziege erscheint. Jetzt hast Du die Möglichkeit Deine Wahl zu revidieren oder beizubehalten. Wie entscheidest Du? Behalten oder wechseln? _________________Monty-Hall-Problem
  17. Als letztes spielen wir ein Spiel gegen die anderen Teilnehmer.
    Das Spiel ist relativ einfach. Wähle eine Zahl zwischen 0 und 100. Gewonnen hat derjenige, welcher die Zahl tippt, die nächstmöglich an 2/3 des Mittelwertes der gewählten Zahlen liegt.
    Deine Zahl ist? _______________________________________________

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Die ersten 3 Fragen gehören zusammen und sollen zeigen, wie man vom Ankereffekt beeinflusst wird. Dabei verursachen einmal erwähnte hohe Zahlen auch zukünftige hohe Schätzungen, obwohl die Fragen nichts miteinander zu tun haben.

In anderen Situationen, kann z.B. beim Kauf eines neuen TV dieser Effekt vom Verkäufer ausgenutzt werden, um dem Kunden einen vermeintlich günstigen Fernseher zu verkaufen.

Das Vorgehen ist relativ trivial: Der Verkäufer zeigt zuerst das Spitzenmodell und ankert damit den Preis auf einem höheren Niveau, als der Kunde zu zahlen bereit ist. Danach kommt der eigentliche Vorschlag. Statistisch kauft der Kunde somit einen „zu teuren“ Fernseher.

Die nächste Frage 4 mit dem Schläger und Ball fällt in die Kategorie CRT (Cognitive Reflection Task). Diese Fragestellung zielt auf die beiden Denkprozesse im Gehirn ab. Der eine schnell und ungenau, der andere genau, aber langsam weil analytisch.

Selbst wenn der Leser die Frage letztlich richtig beantworten kann, so muss er die erste Reflex-Antwort: EUR 0,10 unterdrücken. Bei analytischem Vorgehen kommt man dann auf die richtige Antwort: EUR 0,05 für den Ball.

Frage 5 zeigt ebenfalls wie Heuristiken uns zu falschem Handeln verführen können. Der Representativness Bias (Verfügbarkeitsheuristik) führt dazu, dass uns Wahrscheinlichkeiten, welche uns im täglichen Leben häufiger begegnen anders eingeschätzt werden, als Wahrscheinlichkeiten, welche uns nicht so oft begegnen bzw. für uns nicht verfügbar ist.

Damit schätzen wir im Zweifel die Wahrscheinlichkeit aller Männer mit Herzinfarkt niedriger als die mit Herzinfarkt und älter als 55 Jahre niedriger ein. Die zweite Menge statistisch natürlich eine Teilmenge der ersten. Damit die intuitive Antwort nicht korrekt. Das versteht man erst nachdem man die Heuristik verdrängt hat und mit dem analytischen Verfahren weiterarbeitet.

Wichtig an dieser Stelle ist zu erwähnen, dass ich mit dem Test nicht beweisen will, das Heuristik schlecht ist. Ganz im Gegenteil habe ich im letzten Blog sogar dafür Beispiele gezeigt wo Heuristik hilft.

Es kommt drauf an!

Es kommt darauf an, wie das Problem genau aussieht.

Ist die Wahrscheinlichkeit bekannt oder unbekannt?

Im ersten Fall ist analytisches Vorgehen und abwägen genau das Richtige. Im zweiten Fall wird selbst nach langem Überlegen das Ergebnis nicht besser –  hier helfen Heuristiken weiter.

Trotzdem tut man gut daran erst zu überlegen, welcher Fall vorliegt. Diese kurze Pause hilft dann entweder sich bewusst für den analytischen Weg zu entscheiden, oder doch zur Heuristik zu greifen.

Frage 6 beschäftigt sich mit einem sehr bekannten Phänomen: Selbstüberschätzung. Das äußert sich dann dadurch, dass mehr als 50% auf die Frage mit „Ja“ antworten.

Frage 7 ist nicht so leicht –  hierbei wird der Effekt untersucht, dass wir die Tendenz haben unserer vorgefertigte Meinung zu bestätigen. Wir suchen Bestätigung und versuchen nicht Thesen zu wiederlegen (nach Karl Popper Falsifikationismus).

Das lässt sich u.a. dadurch erklären, das wir lieber recht haben, als Fehler einzugestehen.

Die meisten würden diese Frage daher mit der Kombination E und 4 beantworten – richtig ist aber E und 7. Das umdrehen der 4 führt maximal zu einer Bestätigung, während hinter der 7 auf keinen Fall ein E sein darf, um die Behauptung zu validieren.

Frage 8: Verfügbarkeitsheuristik

Frage 9: CRT

Frage 10: CRT

Die Frage 11 in Verbindung mit der Frage 14 behandelt das Framing-Phänmomen. Hierbei ist eine Präferenz-Umkehr je nach Fragestellung zu beobachten – dies widerspricht natürlich ebenfalls dem Bild des Homo Oeconomicus, welcher immer rational entscheidet.

Im Gewinnfall nimmt die Mehrheit die sicherer Alternative und im Verlustfall die unsichere – es wird auf einen kleineren Verlust spekuliert.

Das Verhalten erklärt m.E. sehr gut warum eine Trendfolge-Strategie kognitiv schwieriger umzusetzen ist, als eine Value-Strategie ist. Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen ist genau das Gegenteil des zu beobachtenden Framing-Phänomens in Verbindung mit Loss Aversion: Frage 12

Frage 13: CRT

Frage 15: Verfügbarkeitsheuristik –  Nur weil die Studentin im ersten Semester über dem Durchschnitt lag, gibt es keine Anhaltspunkte darüber, wie diese am Ende abschneidet: Also Best Guess – Average!

Frage 16: Das ist meine Lieblingsaufgabe. An dieser beißen sich nicht nur Professoren die Zähne aus. Selbst der Wikipedia-Eintrag (Ziegenproblem) ist sehr ausschweifend und es wurden sogar Bücher darüber geschrieben.

Natürlich führt auch hier die erste Intuition in die Irre. Betrachtet man die einzelnen Schritte getrennt kommt man zum Schluss, dass man in der Entscheidung wechseln oder bleiben indifferent ist.

Aber so einfach ist es eben nicht!

Es müssen beide Entscheidungen zusammen betrachtet werden. Dann ist aus meiner Sicht der Fall sehr deutlich. Dazu muss man sich einfach die Frage stellen: Welche Tür habe ich anfänglich mit hoher Wahrscheinlichkeit gewählt?

Das ist dann offensichtlich eine Tür mit einer Ziege, da diese 2x vorkommt und das Auto nur 1x.

Da man dann auf der zweiten Stufe indifferent ist – also die Wahrscheinlichkeiten gleich sind eine Ziege oder ein Auto zu bekommen, ist wechseln dann die kluge Entscheidung. Schließlich hatte man anfänglich (statistisch) die Ziege. In der ersten Runde ist Wechseln keine gute Entscheidung, da man statistisch wieder eine Ziege wählt.

Die Frage Frage 17 wurde von Keynes „Beauty Contest“ genannt. Was ist hierbei entscheidend?

Es kommt nicht darauf an, was mir gefällt, sondern was ich glaube der Mehrheit gefällt. Zu beachten ist, dass die anderen Teilnehmer ebenso denken werden.

Mathematisch kann man zeigen, das dieses Verfahren rein rational mit unendlichen Iterationszyklen gegen 0 tendiert. In der Praxis zeigt sich jedoch, das die Teilnehmer nicht so viele Iterationstufen durchdenken. Beauty Contest

Dieses Problem macht m.E. deutlich wie schwer es ist, über Umfragen das Sentiment, bzw. die Meinung der Marktteilnehmer einzuschätzen. Die Anleger geben nicht zwingend Ihre Meinung wieder, sondern berücksichtigen dabei, dass sie richtig liegen wollen und die Märkte vorhersagen können. Dies führt dann zu mehr oder weniger Iterationszyklen und damit zu deutlich verzerrten Resultaten – das Thema des letzten Post.

Bleiben wir doch beim Preis!

Als weiterführende Lektüre kann ich in diesem Zusammenhang Dan Ariely empfehlen. Der Forscher hat mit seinem Buch Predictably Irrational ähnlich Experimente mit seinen Studenten durchgeführt und zeigt meist sehr unterhaltsam die Ergebnisse.

Zurück zu meinem Vortrag

Wo endete dieser? Eigentlich entwickelte sich der Vortrag gleich zu Beginn zu einer Art Workshop wo wir uns intensiv über die einzelnen Fragestellungen austauschten.

Am intensivsten wurde jedoch das Ziegenproblem diskutiert – das war zu erwarten gewesen. Es verfolgte uns den ganzen Abend und bei einem Glas Bier und einem Schoppen Wein mussten dann empirische Tests mit Bierdeckeln als Türen die letzten Kritiker überzeugen.

MAQS – Global Trend Following

Signale  des wöchentlichen Systems:

  • Close Short EuroStoxx50

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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