„Retro“ Schuhe und Trendfolge

Was haben Schuhe mit Trendfolge zu tun?

Letzte Woche war ich unterwegs, um mir ein paar neue Schuhe zu kaufen.

So what?

Die von mir präferierten Schuhe gab es nicht in diesem Shop. Der nette Verkäufer erklärte mir wie ich die Schuhe bestellen kann, um sie dann in 3-4 Tagen per Post direkt nach Hause zu bekommen. Ich lehnte erstmal ab um weitere Läden danach zu erkunden.

Der Verkäufer meinte gleich, dass die Suche wohl erfolglos sein wird. Daraufhin fragt ich, warum er so sicher sein würde?

Die Antwort kam prompt: Die Schuhe seien eben etwas Retro.

Retro? Ich bin schon mal froh, dass er damit die Schuhe meinte und nicht mich.

Also machte ich mich auf den Weg um das Statement zu überprüfen. Nach einer halben Stunde erfolgloser Suche, kam ich wieder bei dem Verkäufer vorbei, um die Schuhe dann doch zu bestellen.

Da hat die Verlustaversion wieder zugeschlagen: Für einen kleinen Gewinn (die Schuhe sofort) und einem großen Verlust (tagelanges von Geschäft zu Geschäft ziehen) habe ich „gezockt“ die Schuhe doch noch direkt kaufen zu können.

Mein Stop Loss war aber gesetzt: Nach einer Runde durch die anderen Geschäfte wird die Suche aufgegeben und bestellt!

Die Verbindung zur Kapitalanlage mit Trendfolge-Methoden wurde mir erst im Nachgang bewußt.

Bei meiner kleinen Research Tour im Shoppingcenter ist mir aufgefallen, dass in den anderen Schuhläden immer wieder die gleichen Schuhe zu finden waren –> Mainstream.

Mir ist zwar nicht klar, warum alle Anbieter mit dem gleichen Angebot in einen Preiswettbewerb unterwegs sind und keiner Alternativen anbietet – aber gut erstmal akzeptiert – meine Schuhe gab es nicht!

Im Asset Management ist das eigentlich ganz ähnlich. Es werden sehr viele Produkte angeboten, welche alle das gleiche machen. Die meisten Fonds werden nach fundamentalen Kriterien – diskretionär oder quantitativ gemanaged. Die einzige weiter verbreitete halbe Alternative sind die im letzten Blog besprochenen ETF’s.

Daher herrscht ein enormer Preiswettbewerb unter den verschiedenen Anbietern und nur die ganz Großen können sich aufgrund der Economies of Scale in diesem Wettbewerb behaupten.

Fonds welche nach Trendfolge Prinzipien verwaltet werden sind relativ rar und liegen nicht wie der Name vermuten lässt „im Trend“. Einige kleine Nischenanbieter haben sich auf diese Art des Managements spezialisiert und es gibt natürlich – wie immer – einige Ausnahmen: Winton, AHL und Co.

Trendfolge ist jedoch unter den klassischen Asset Managern relativ unbeliebt und das trotz der Erkenntnis, das dieser Faktor einen sehr nachhaltigen Ertrag liefert.

Warum ist das so?

Es könnte daran liegen, dass keine vernünftige ökonomische Erklärung für das Phänomen vorliegt und alle Erklärungsversuche nur mit der immer noch neuen Behavioural Finance begründet werden können.

Dies erscheint mir jedoch relativ kurz gesprungen, da die Investoren sehr oft manche Sinnfrage hinsichtlich der Management-Prinzipien vernachlässigen, wenn die Renditeversprechen im Vordergrund stehen – siehe ABS/CDO kurz vor der Finanzmarktkrise.

Meiner Meinung nach haben Trendfolge-Strategien einige Eigenschaften, welche schwer zu vermitteln sind:

  1. Kein besonders hohes Index Tracking, bzw. deutliche Abweichung zu traditionellen Aktienindizes.
  2. Underperformance in Aufwärtsphasen und Outperformance in Abwärtsphasen. Die Entscheider in den Gremien schauen oft nur auf traditionelle Indizes und vergleichen die Performance Daten. Da fallende Kurse relativ selten sind (nach der Normalverteilung noch zu oft) und heftig, ist in der Mehrzahl der Fälle Underperformance über kurze Zeiträume vorprogrammiert. Das ab und an die gefühlte „Benchmark“ deutlich geschlagen wird, wird dann ausgeblendet.
    Der Fondsmanager bzw. der Berater, der diese Fonds empfiehlt hat damit ein relativ hohes Karriere-Risiko. Getreu nach dem Motto von J.M. Keynes:

    „Worldly wisdom teaches that it is better for reputation to fail conventionally than to succeed unconventionally.“ – The General Theory of Employment, Interest and Money“, Chapter 12, V)

  3. Werden als Blackbox wahrgenommen, da keine besonders gute Geschichte zu erzählen ist. Anleger hören gern Geschichten bzw. Erklärungen warum etwas gestiegen oder gefallen ist – die ganze Medienbranche ist darauf fixiert.
    Ein Rat an dieser Stelle:
    Wer Geschichten hören will, sollte sein Geld nicht in einen Fonds stecken, sondern zum Buchhandel tragen und Bücher kaufen. Dann ist der Verlust überschaubar und der Erfolg bei einem richtig gutem Buch nahezu unendlich.

Warren Buffett’s Wette

Vielleicht ist nicht jedem bekannt, dass der wohl bekannteste Investor der Welt Warren Buffett mit einem Hedge Fonds Manager 2008 gewettet hat, dass ein ETF auf den S&P 500 eine ausgesuchte Gruppe von Hedge Fonds über 10 Jahre schlagen wird.

Warren ist für solche Wetten bekannt und kennt gewöhnlich seine Risiken sehr gut.

Das Ergebnis lässt sich kurz vor dem Ziel schon mal sehen. Allerdings kann man auch sehen, wie volatil die Zeitreihe des S&P 500 gegenüber der Gruppe von Hedge Fonds ist.

… und genau das ist der Mehrwert der Hedge Fonds

Hedge Fonds schaffen typischerweise eine deutliche Reduktion der Performance Ausschläge, obwohl sie z.T. Aufgrund der relativ hohen Gebührenstrukturen einiges an Performance für den Investor einbüßen. So gesehen sind die Gebühren eine Art Versicherungsprämie gegen Volatilität. (Möchte an dieser Stelle nicht die z.T. abenteuerlichen Gebühren der Hedge Fonds Branche verteidigen, aber so ganz ohne ökonomischen Beitrag arbeiten die Hedge Fonds nicht)

Trendfolger wie auch Hedge Fonds (manchmal sind beide in der gleichen Gruppe) managen Risiken und helfen dem Investor lange schwierige Marktphasen durchzuhalten um die Risikoprämien „in the long run“ zu verdienen.

Ein einfaches Investment in einen Index verleitet den typischen Investor zu schnell die „Flinte ins Korn“ zu werfen und am Ende mit deutlich niedrigeren Erträgen auskommen zu müssen.

Von den Trendfolgern wieder zurück zu den Schuhen: Diese werden hoffentlich demnächst geliefert sind dann auch „for the long run“.

Nachträglich zum Monatsende April noch die Performance des Gesamtsystems YTD: +5,56%

MAQS – Global Trend Following

Signale im wöchentlichen System:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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