Allheilmittel: ETF

Verschiedene Blogs und Presse-Veröffentlichungen propagieren immer wieder ETFs als die ideale Kapitalanlage für den „kleinen Mann“ oder Frau.

Das Hauptargument ist dabei immer das gleiche: ETF sind besonders kostengünstig und transparent. Außerdem schlagen aktive Fondsmanager in 80% der Fälle nicht ihre Benchmark den Index – also hat man mit ETF’s zumindest den Index – so der Talk.

Soweit so gut. Wie ich in meinem Blog schon beschrieben habe nutze ich selbst in meinem monatlichem System ETF’s als Anlagevehikel.

Also ist doch alles in Ordnung, oder?

Werfen wir mal einen etwas genaueren Blick auf den ETF.

Ein ETF ist per Definition erst mal ein Exchange Traded Fund – also ein Fonds der an einer Börse gelistet ist. Mittlerweile sind auch ganz normale aktive Fonds an einer Börse gelistet – die sind aber eigentlich nicht gemeint – und was ist überhaupt aktiv?

Also fangen wir mal damit an, was passiv als Gegenteil von aktiv ist. Ein passiver Fonds ist ein Fonds, welcher Wertpapiere in der gleichen Mischung wie ein bestimmter zugrunde liegender Index enthält. Da dazu kein Fondsmanager einen besonderen Beitrag leistet und aktiv die Gewichte bestimmt, nennt man diese Fonds passiv.

Wer sich an einen meiner ersten Blogs erinnert, habe ich früher auch einen passiven Fonds betreut. Dieser Fonds folgte dem EuroStoxx50, war aber kein ETF, da er nicht an der Börse gehandelt wurde.

Also was ist mit aktiv gemeint. Von aktiv spricht man m.M. wenn ein Fondsmanager auf (meist) diskretionärer Basis einzelne Aktien in seinem Fonds anders gewichtet als im Index (in der Benchmark). Das ist in der Tat recht schwierig und führt nach Kosten oft nicht zum gewünschten Erfolg – einer Outperformance,  also besseren Entwicklung als der Index. Dies ist theoretisch auch gut begründet, da die Outperformance des einen immer die Underperformance eines anderen ist, kann keiner im Mittel besser performen. Leider ist die Outperformance nicht gleich verteilt. Dies führt dazu, dass wenige sehr wohl den Markt schlagen und sehr viele eben nicht und nach Kosten nicht besser sind als der Index und eine Menge eben auch schlechter als dieser.

Neuerdings gibt es Smart Beta ETF’s.

Ich mache demnächst einen eigenen Post dazu – aber jetzt erst mal Aktiv oder Passiv?Streng genommen sind diese aktiv. Da diese jedoch systematisch einzelne Faktoren höher oder niedriger gewichten als in der Benchmark, kann man auch von passiv sprechen.

Sie bilden eben nur nicht mehr den Dax oder EuroStoxx nach sondern eine andere Benchmark, bei der die Gewichtung meist nicht marktwert-gewichtet erfolgt.

Nehmen wir mein Universum: Dort findet wir unter den ETF’s einen DAX ETF. Dieser bildet ganz stumpf die Entwicklung des DAX Index ab. Alle 30 Aktien in diesem Fonds werden exakt so gewichtet wie diese im DAX zu finden sind – also nach ihrem individuellen Marktwert.

Ein zweiter ETF bildet die Entwicklung des MSCI Emerging Market Minimum Volatility ab. Dies ist ein Smart Beta ETF, welcher zwar vom Namen her auf den MSCI Emerging Market referenziert, aber die Aktien in diesem Fonds werden nach der geringsten Schwankung – also Volatilität ausgesucht und dementsprechend gewichtet. Dabei wird beachtet, dass die Länder und Branchengewichtung des Fonds nicht zu weit von der Standard Benchmark abweicht.

Klingt jetzt irgendwie doch nicht so einfach!

Die Beiträge in der Presse und dem Internet suggerieren die spielend leichte Kapitalanlage mit ETF’s und raten dazu, dass deshalb jeder in ETF’s investieren sollte.

Aus meiner Sicht bleiben jedoch bei dieser sehr oberflächlichen Betrachtung eine Menge Fragen offen, bzw. werden dem interessierten Leser vorenthalten.

Nachdem wir eben geklärt haben, was im ETF drin ist, kommt man wahrscheinlich zur nächsten Frage:

Welcher ist denn jetzt der richtige für mich?

 

Das ist eine gute Frage und auch nicht pauschal zu beantworten. Es gibt heute eigentlich auf jeden Index oder Strategie einen ETF – marktgewichtete nach Ländern und Branchen, volatilitätsgewichtete, Value, Growth, Dividenden, Renten (Bonds), High Yield, Gold, Rohstoffe, Long und Short bzw. mit Hebel 2xLong oder 2xShort, in EUR oder USD oder EUR gehedged?

Also einfach kaufen! Scheint nicht die richtige Strategie.

Geldanlage ist m.E. höchst individuell. Nur weil ich „günstig“ an die Bausteine komme (ETF) heißt das noch lange nicht, dass ich daraus ein Haus bauen kann, welches auch in 30 Jahren noch steht.

Dabei haben die ETF’s genau wie aktive Fonds verschiedene Risikoklassen und diese wollen beurteilt und an der richtigen Stelle verbaut werden.

Dabei werden die Risiken nicht durch ETF’s gemanaged, sondern durch Positionsgrößen a.k.a Portfolio Gewichte. Diese Portfolio Gewichte müssen aber bestimmt werden. Einfache Daumenregeln können schon helfen (Aktiengewicht = 100 – Lebensalter), aber eine intensive Beratung kann manchmal nötig sein.

Zur Frage der Positionsgrößen oder der Allokation verschiedener Strategien habe ich ja schon auf meine „Liebling-Aallokation“ Risk-Parity hingewiesen.

Diese ist m.E. auch in der langfristigen Anlage ohne ein Handelssystem sinnvoll. Dazu bieten sich eben die dann doch typischen Bausteine Aktien, Renten, Rohstoffe an – ggf. auch als Smart Beta Variante – aber dazu mehr im nächsten Blog.

Diese werden risiko paritätisch gemischt und dabei wird das Gesamtrisiko im Auge behalten. Wie auch schon oft ausgeführt: Ist für mich das wesentliche Risiko die Tiefe eines Drawdowns (Grund: Ich muss die Allokation auch durchhalten können).

Wenn man für sich entschieden hat, wieviel Geld man bereit ist zu verlieren (prozentual) und dann dies mit dem Faktor 0,8 multipliziert, dann hat man m. M. nach schon die wichtigste Entscheidung getroffen.

Das Risk-Parity-Portfolio wird auf das jeweilige Drawdown Niveau kalibriert und für die nächsten Jahre immer nur z.B. einmal jährlich readjustiert.

Wie man das mit einem Handelsansatz kombinieren kann, um Drawdowns besser zu managen, zeige ich in meinem monatlichem System.

Was hoffentlich deutlich geworden ist:

Ein ETF macht noch kein Portfolio und schon gar keine langfristige Kapitalanlage.

Klar ist, dass durch die verschiedene ETF’s dem Anleger ein ganzer Werkzeugkasten zur Verfügung steht. Das richtige Werkzeug auszusuchen, bleibt aber jedem Anleger selbst überlassen.

Eine Regel hat sich nach meiner Erfahrung immer wieder bewährt:

Keep It Simple!

Damit meine ich, dass man nicht nach einer Mode oder nach Geheimtipps sein Portfolio strukturieren sollte, sondern immer breit gestreut in Standartwerte.

Die Ertragsunterschiede werden nicht durch zusätzliches Alpha (Outperformance) generiert, sondern durch das disziplinierte managen von Risiken.

Noch ein Wort zu den vermeintlich günstigen Kosten von ETF’s

Natürlich werden Kosten für den Fondsmanager gespart – zumindest zum Teil, da die monatlichen Rebalancings von einem Computer erledigt werden können und nur ein paar Portfolio Ingenieure diesen Prozess überwachen müssen.

Fest steht aber auch, dass Unternehmen welche ETF’s anbieten damit ordentlich Geld verdienen und keinen gemeinnützigen Auftrag verfolgen.

Das Geschäft ist natürlich in erster Linie auf Economies of Scale angelegt und funktioniert besonders gut, wenn viele Transaktionen über ein und das selbe System bzw. Plattform abgewickelt werden können.

Das hat aber auch Nebenwirkungen!

Zum einen erhöht dieses gleichzeitige Handeln den Markteinfluss der Beteiligten. Damit werden von den großen ETF-Anbietern die Kurse vielleicht stärker bewegt als gedacht. Das führt dann dazu, das Wertpapierkäufe vermutlich zu teuer und Wertpapierverkäufe zu billig sind.

Ein zweiter Nebeneffekt ist, dass wenn alle die gleichen Wertpapiere nachfragen die vermeintliche Outperformance (bei Smart Beta Produkten) relativ schnell verschwunden sein dürfte.

Als drittes bleibt die Frage, was die großen Kapitalsammelstellen mit den Wertpapieren machen, welche sie im Kundenauftrag halten. Meine Vermutung ist, dass die Unternehmen Wege finden die zusätzliche Liquidität gewinnbringend zu nutzen.

MAQS – Global Trend Following

Signale im wöchentlichen System:

  • keine

Signale des monatlichen Systems:

  • Kauf 1/2 Position DBLCI – OY Balanced (Rohstoff ETF)
    Kauf 1/2 Position MSCI Emerging Markets Minimum Volatility

 

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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