Trade or not to Trade?

Trade or not to Trade?

Eigentlich keine Frage, oder!

Es gibt bei mir immer wieder Trade Signale, welche sich für mich nicht „richtig“ anfühlen, andere wiederum werden förmlich herbeigesehnt.

Zum Beispiel der letzte Trade Long S&P500 fühlte sich sich aus meiner Sicht nicht „richtig“ an. Der Grund lag wahrscheinlich darin, dass noch eine Short-Position im EuroStoxx50 besteht.

Die typisch hohe Korrelation zwischen den beiden Indizes lässt vermuten, dass entweder dieser Trade nicht besonders gut funktionieren wird, oder der andere die Gewinne abgibt.

Es könnte jedoch auch sein, dass sich der amerikanische Aktienmarkt, zumindest zeitweise anders verhält als der europäische.

Als zweites „Indiz“ kann angeführt werden, dass am Montag der Handel im Minus startete. Das ist erstmal gut für eine Eröffnung einer Long-Position i.S. von Slippage, aber generell schlecht i. S. einer Trendfolgeposition. Prinzipiell nehme ich lieber etwas Slippage in Kauf, habe aber genügend Dynamik in die gehandelte Richtung.

Damit kommen wir zur Frage: Trade or not to trade?

Ohne länger nachzudenken, muss jedes Trade-Signal natürlich umgesetzt werden. Das System hat kein second guessing. Das System ist so wie es ist konzipiert und der Backtest beinhaltet sowohl die gefühlt „richtigen“ Trades als auch die gefühlt „falschen“ Trades.

Bei etwas längerem Nachdenken kann man die ganze Frage auch ganz logisch lösen bzw. sogar spirituell (dazu später).

Rein logisch gibt es 2 Input-Komponenten und 2 Output-Komponenten.

Input: 1. Trade und 2. No Trade

Das Grundprinzip von Trendfollowing ist:
Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen.

Wenn man diesen Grundsatz befolgt ergeben sich aus jedem Trade zwei mögliche Outputs:

Output: 1. Big-Win oder 2. Small-Loss

Geht man jetzt die Optionen durch, dann hat man im Fall von „No Trade“ keinen Verlust, aber auch keinen Gewinn – also Ergebnis EUR 0,0.

Die 2. Variante „Trade“ führt zu einem kleinen Verlust (xs-R Multiple) oder einem großen Gewinn (XXL-R Multiple).

Damit ist der Ergebnis-Vektor: (xs-R; 0; 0; XXL-R)

Die Darstellung als Diagramm:

Trade-or-not-Trade

Somit ist die Frage rein rational beantwortet. „Trade“ ist die einzige richtige Option, da dort der größte Profit aus allen möglichen Kombinationen zu erwarten ist.

In meinem Fall kann ich den Trade auch – bei Annahme einer hohen Korrelation der beiden Aktienmärkte – als ein Schließen der offenen Risiko-Position sehen, d.h. wenn die Aktienmärkte tatsächlich weiter steigen, bin ich mit dem SP500 Trade gehedged und verliere in der Summe kein Geld.

Sollten die Märkte sich trotzdem in unterschiedliche Richtung bewegen, dann hieße das ein Gewinn auf beiden Positionen.

Der Worst-Case bliebe, dass sich beide Trends umkehren, aber dann gilt die obige Logik: Big-Win vs. Small Loss.

Nun zum spirituellen Teil:

Hier sind die Überlegung als Pascals Wette bekannt.

Dabei wird der Glaube an Gott hinterfragt:

Glaube ich an Gott und er existiert wirklich, dann kommt man in den Himmel
Glaube ich an Gott und er existiert nicht, dann entsteht kein Gewinn, aber auch kein Verlust
Glaube ich nicht an Gott und er existiert auch nicht entsteht ebenfalls kein Verlust, aber auch kein Gewinn.
Glaube ich jedoch nicht an Gott, aber existiert, dann landet man in der Hölle (unendlicher Verlust)

Der Ergebnis-Vektor lautet also: (Hölle; 0 ; 0 ; Himmel).

Unterstellen wir mal, dass niemand freiwillig in die Hölle möchte – also das weitaus größere Risiko darstellt, dann folgt daraus, dass man besser an Gott glauben sollte.

Um es jetzt nicht vollständig esoterisch werden zu lassen, sei gesagt, dass dieses Logik-Beispiel natürlich auch schon oft wiederlegt bzw. kritisiert worden ist. Der Link zur Wikipedia gibt einige Hinweise, in welche Richtung sich die Kritik bewegt.

Ich wollte mit dem Beispiel niemanden zum Glauben bekehren, sondern nur zeigen, dass es das gleiche logische Grundprinzip wie die Frage: trade or not to trade verfolgt.

Übrigendes gibt es auch oft (genauso oft) Situationen, wo man Wochenlang auf einen Einstieg wartet. Ein Beispiel hierfür ist sicher die letzte Bewegung im JPY/USD. Der Short war schon einige Wochen vor dem eigentlichen Trade für mich (gefühlt) „richtig“. Aber auch hier werden natürlich nur Trades umgesetzt, welche als Signal vom getesteten System vorgegeben werden – auch wenn das manchmal meine Nerven beansprucht.

Denn hier ist die Lage genau andersherum:

Geht der Trade gut, dann hat man einen kleinen Vorteil gegenüber dem System, da das System den Trade ebenfalls irgendwann finden würde (wahrscheinlich 2-3 Wochen später). Entwickelt sich der Trade jedoch völlig in die andere Richtung, stehen wir plötzlich ohne klare Regeln da, den Trade einzufangen – sprich den Verlust zu begrenzen. Dann hat dieser Trade das Potential zu einem großen Verlust zu werden.

Ich kann mich noch gut erinnern, da erschien mir eine Long-Position im Rohstoff-ETF als „richtig“. Der Preis bewegte sich nach oben und war kurz davor die Trendlinie von unten zu durchstoßen. Ich erwartete, dass am Monatsende der Trigger erreicht ist und ich Long gehen konnte. Kurz vor dem Monatswechsel, drehte der Preis jedoch wieder und es kam zu keinem Signal des Systems. Zum Glück habe ich mich an meine Regeln gehalten und war noch nicht  investiert!

Im Buch „Reminiscences of a Stock Operator“, beschreibt der Autor auf Seite 57 ähnliche Erfahrungen unter dem Schlagwort: Sitting tight.

 

Also: Stay Calm – Trust Your System!

Wenn das System richtig konzipiert ist, dann wird es große Marktbewegungen immer erkennen. Wenn die Situation nur gefühlt „richtig“ ist, aber eben aus Sicht des Systems nicht objektiv, dann ist es eben noch zu früh zum handeln. Die Risiken mit diesem Trade schief zu liegen sind noch zu hoch, bzw. wurden nicht getestet. Im Fall von einem möglichen Stopp gilt das gleiche. Der Trade ist nach objektiven Gründen eben noch nicht beendet.

Bevor man der Spannung nachgibt, kann man die gefühlte Trade-Idee testen. Also die Programierung so anpassen, dass der aktuelle Trade in der gewünschten Richtung ausgeführt würde. Wenn man Glück hat, dann führt dies zu einer Verbesserung des Systems, in den meisten Fällen führt es meiner Erfahrung nach zu langfristig schlechteren, oder instabilen Ergebnissen.

Vorsicht ist geboten, wenn die aktuelle Situation nur sehr selten, bzw. nur 1 mal in der Historie vorkam. Dann ist davon auszugehen, dass dies kein systematisch handelbares Setup ist.

MAQS – Global Trend Following

Signale im wöchentlichen System:

  • keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Trade or not to Trade?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s