Stop Loss Analyse

Infolge meines letzten Blogs über die richtige Positionsgröße und deren Ermittlung über die Stop Loss bin ich nochmal in die Analyse der Wirkung von Stop Loss eingestiegen.

Wie schon ausgeführt benötigt ein Trendfolge-System keine Stop Loss, da die Position geschlossen wird, sobald z.B. die Gleitenden Durchschnitte sich erneut kreuzen.

Der Stop Loss dient also nur dem Position Sizing und sichert die noch frische Position ab, da nicht immer zu erwarten ist, dass eine kurzfristige Gegenbewegung zu einem erneuten Kreuzen der Durchschnitte und damit zu einem Closing führt.

Der von mir verwendete 1:1 Zusammenhang zwischen der Positionsgröße und dem harten Stop Loss ist jedoch etwas willkürlich. Man könnte den tatsächlichen Stop Loss ebenso etwas kleiner fassen z.B. um Slippage zu berücksichtigen.

Deshalb bin ich nochmals in die Analyse der Stop Loss Wirkung eingestiegen.

Das Test-Setup:

Es wird ein Backtest mit verschiedenen Stop Loss – Parametern durchgeführt.

  1. Ein Stop Loss mit dem Parameter 1 der initialen Positionsgröße.
  2. Der Stop Loss wird in kleinen Schritten von 0,1 verringert, sodass z.B. ein Parameter von 0,5 der halben initialen Positionsgröße entspricht.

Dabei werden 2 verschiedene Varianten simuliert:

  1. Der Stop Loss wird ausgeführt und danach kann das System ganz normal eine neue Position starten. Dabei können bei jedem Parameter andere Positionen entstehen.
  2. Der Stop Loss wird ausgeführt, aber das originale Signal (mit Parameter 1,0) bleibt erhalten. D.h. das System handelt immer die gleichen Positionen, ggf. ist nur deren Laufzeit durch das frühzeitige Auftreten eines Stop Loss kürzer.

Die These, welche dem Test zugrunde liegt, ist das Gefühl, dass wenn eine Position z.b. zu 2/3 in den Verlust gelaufen ist, der Counter-Trend so stark ist, dass dieser dann auch dazu führt den Stop Loss zu erreichen.

Da ich Emotionen möglichst ausschließen möchte,  sollte ein Test Bestätigung oder Ablehnung der These herbeiführen.

Die Tests wurden auf einem System mit 23 verschiedenen gehandelten Märkten und nur 1% initialer Positionsgröße durchgeführt. Der Grund ist, dass ich durch die breitere Diversifikation den Effekt einzelner Sondersituationen mindern möchte.

Bei wenigen Märkten könnten Ausreißer bzw. diskrete Parameter zu besonders guten oder besonders schlechten Ergebnissen kommen, da diese eine sehr spezielle Situation ermöglichen bzw. verhindern.

Es werden wieder die üblichen Verdächtigen untersucht: Ertrag, Risiko und Drawdown -zudem noch der Durchschnitt der 5 größten Drawdowns.

Die Testresultate sind da:

Zuerst die Variante 1 – neue Positionen entstehen, immer wenn das Setup passt.

SL_Ertrag-DD_V1
Test Variante 1: Ertrag vs. max. DD
SL_MAR_V1
Test Variante 1: MAR (Ertrag / max. DD)

Dann Variante 2 – neue Positionen entstehen nur wenn die ursprüngliche Position auch geschlossen ist.

SL_Ertrag-DD_V2
Test Variante 2: Ertrag vs. max. DD
SL_MAR_V2
Test Variante 2: MAR (Ertrag / max. DD)

Zu guter Letzt noch die vollständigen Tabellen:

SL_Tabelle_V1

SL_Tabelle_V2

Das Ergebnis ist ernüchternd.

Die Höhe des Stop Loss hat noch viel weniger Einfluss als vermutet. Klar war, dass ein sehr enger Stop dem System die Luft zum Atmen nimmt und die Performance verringert. Dies trifft umso mehr zu, wenn dem System verboten wird nach einem „frühzeitigen“ Stop direkt nach einem neuen Setup zu suchen. Aber, dass selbst bei „normalen“ Stop Loss (0,9-0,5) der Einfluss so gering ist, hätte ich nicht gedacht.

Leider sind die meisten Vorfälle der Natur, dass kurz nach Entry der Markt die Richtung ändert und zwar so stark, dass ein kleinerer Stop auch nicht hilft, da der Markt sehr schnell durch diesen hindurch handelt.

Außerdem gibt es ab und zu auch Trades, bei dem der Counter-Trend nicht weit genug läuft, um den Stop Loss zu triggern. Das könnten dann die beschriebenen Ausnahmen sein, welche ich mit dem breiten Portfolio versuche zu neutralisieren. Der Effekt bleibt noch leicht sichtbar, da die Verläufe nicht linear bzw. proportional mit den gewählten Parametern zusammenhängen.

In der Variante 1 kommt es vor, dass ein neues Setup entsteht und damit ein weitere Trade generiert und dann „frühzeitig“ ausgestoppt wird. Das verringert die Performance ebenfalls.

Durch diesen unstrukturierten Noise, sind alle „normalen“ Stop Loss tendenziell Performance beeinträchtigend. Die Risikoseite sieht nicht viel besser aus, auch hier bringen Stop Loss keinen wesentlichen Mehrwert. Während in Variante 1 die MAR noch leicht bei sehr engen Stops ansteigt, ist sie in der Variante 2 gleich bzw. niedriger als mit einem Parameter von 1,0.

Mein Fazit aus der Untersuchung ist es denn Stop Loss Parameter bei 1,0 zu belassen. Die Verbesserungen der MAR in der ersten Variante bei sehr engen Stops überzeugen mich nicht –  bzw. treiben die Handelskosten in die Höhe.Außerdem verschlechtert sich die Sharpe-Ratio – also Ertrag pro Risiko, da das Risiko nicht in gleichem Maße wie der Ertrag zurückgeht.

Mit dem Parameter von 1,0 muss ich zwar länger eine Verlustposition hinnehmen und dabei zusehen wie der Verlust aufläuft, aber den richtigen Parameter zu bestimmen scheint mir zu unsicher. Mit zusätzlichen Parametern steigt das Risiko den Backtest zu „overfitten“ auf der aktuellen Historie.

Trades diese Woche im wöchentlichen System:

Long EUR / USD, SL: 1,073

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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