Positionsgröße im wöchentlichen System

Mein wöchentliches System arbeitet mit harten Stop Loss Kursen. Die ist zwar prinzipiell nicht nötig, hilft mir aber das Risikomanagement zu gestalten.

Es gibt in der akademischen Welt einige Untersuchungen bzgl. dem Sinn und Unsinn von Stop Losses. Klar ist, ein Trendfolger ist weniger auf Stop Losses angewiesen, als z.B. ein Value Manager.

Der Trendfolger folgt dem Preis und wenn die Long Position unterhalb eines Gleitenden Durchschnitts oder einem neuen Tief (gemessen x Perioden zurück im Channel Break Out), dann wird die Position geschlossen bzw. in die Short Richtung aufgesetzt. Gleiches gilt für eine bestehende Short Position.

Der Value Manager hat im Zweifel dass Problem, dass der Preis fällt und aus seiner Sicht der Kauf immer attraktiver wird. Dann müsste er nach seiner Logik weiterkaufen.

Wir erinnern uns an die Weisheiten von Paul Tudor Jones:

Losers Average Losers

Financial World, July 11, 1989, Photo by Alex Quesada/Matrix

Das typische Double Down führt leider oft zum Ruin. Deshalb sollten gerade Value Manager Stop Loss einsetzten um die Position zu schließen, bevor diese das Eigenkapital signifikant aufzehrt.

Zurück zum wöchentlichen Trendfolge-System: Dort helfen die Stop Losses bei der Bestimmung der Positionsgröße. Waren es im monatlichen System die Drawdowns, so ist es hier der maximale Verlust einer einzelnen Position. Natürlich können die gesetzten Stop Loss Kurse manchmal durch eine sehr starken Marktbewegung über/unterschritten werden und dadurch größere Verluste auflaufen als geplant.

An dieser Stelle müssen wir 2 verschiedene Probleme kurz beleuchten, welche es aus meiner Sicht zu unterscheiden gilt:

  1. Da das wöchentliche System nur 1x pro Woche handelt, können Positionen erst zum Beginn der nächsten Woche glatt gestellt werden. Die Zeit vom Erreichen des System-Stop Losses bis zum Close am Freitag ist Teil des Systems und kann relativ einfach in Zahlen ausgedrückt werden: Von den 156 Trades in ca. 9 Jahren gab es 12 mit einem Close > dem Stop Loss – die Hälfte davon lag nur 5% daneben. Der schlechteste Close war mit >60% ein schwarzer Schwan.
  2. Die Zeit vom Freitag Close bis zum Handel am Montag ist nicht vom System berücksichtigt. Diese Slippage ist mal positiv und mal negativ. Da wir in Richtung des herrschenden Trends handeln ist die Wahrscheinlichkeit für eine negative Slippage etwas größer, ohne das bisher genau gemessen zu haben.
    Eine Messung auf dem Open am Montag statt dem Close am Freitag könnte diese Zahlen bestätigen (ToDo).

Aus diesem Grund habe ich mir zur Regel gemacht die Position immer relativ nah an der Eröffnung glattzustellen. Ratio: Ist die Eröffnung für mich gelaufen (Open am Montag besser als der Close am Freitag), dann gilt es diesen Windfall sofort einzulocken. Läuft die Eröffnung gegen mich (Open schlechter als der Close), dann ist Risikobegrenzung angesagt.

Somit gibt es keinen Grund die Position nicht zu schließen, bzw. abzuwarten.

Bei der Positionseröffnung wird die Größe der einzelnen Trades so bestimmt, dass ein Bruchteil meines Accounts (z.B. 2%) im Risiko steht – also bei einem Totalverlust der Postion – der Stop Loss wird ausgelöst – verliert das Depot nur die 2%.

Die Handelsgröße von 2% erscheint vielleicht sehr gering, aber mit einer kleinen überschlägigen Rechnung wird das gesamte Ausmaß schnell sichtbar.

Im Grenzfall werden gleichzeitig 8 Trades eröffnet. Diese können alle gleichzeitig ihren Stop Loss erreichen und dabei 16% Drawdown im Portfolio erzeugen.

Zur besseren Verdeutlichung des Risikos hier ein paar Testreihen von meinem System.

Return -Testreihe
Ertrag in Abhängigkeit der Positionsgröße

Fangen wir mit dem Parameter Ertrag an.

Je größer die Positionen, desto besser ist der Ertrag – zumindest am Anfang. Mit zunehmender Positionsgröße nehmen die Erträge nicht mehr proportional zu. Ganz im Gegenteil, bei einer Positionsgröße von 18% entsteht ein Totalverlust.

Warum das so ist, kann man auf dem nächsten Chart sehr gut erkennen.

maximal Draw Down-Testreihe
max DD in Abhängigkeit von der Positionsgröße

Der Parameter Drawdown ist hier entscheidend.

Mit zunehmender Trade Size nehmen die Drawdowns fast proportional zu. Damit wird klar, das wenn der Drawdown die 100% erreicht hat, das Spiel verloren ist und keine Mittel für eine Fortführung der Strategie mehr zur Verfügung stehen.

Risk -Testreihe
Risiko in Abhängigkeit von der Positionsgröße

Als letzter Parameter noch ein Blick auf die Volatilität der Strategie in Abhängigkeit von der Postitionsgröße.

Hier ist zu sehen, dass bei steigenden Positionsgrößen, das Risiko (gemessen an der Volatilität) immer deutlicher steigt. Während der Ertragszuwachs abnimmt, nimmt das Risiko immer stärker zu und explodiert bei einem Drawdown von 100%.

MAR -Testreihe
MAR in Abhängigkeit von der Positionsgröße

Zusammengefasst ergibt sich dann die MAR (Ertrag / Drawdown) als abnehmend bei steigender Positionsgröße.

Für mein System habe ich mich für 2% Positionsgröße entschieden, da dies heißt ich muss ein Risiko von ca. 14% und einen Drawdown von ca. 14% akzeptieren. Dabei werde ich mit einem Ertrag von ca. 14% entlohnt.

Schon bei einer Position von 4% müsste ich einen Drawdown von ca. 25% aushalten können. An dieser Stelle sei nochmal darauf hingewiesen, das dies Simulationsergebnisse sind und die Wirklichkeit immer noch ein Stück anders aussieht.

Zurück zur Mechanik: Weder die Positionsgröße noch die Stop Loss Kurse werden während der Laufzeit der Trades angepasst.Damit haben Trades, welche schon ein Stück weit im Gewinn liegen gemessen am Abstand zu ihrem Stop Loss ein höheres Risikogewicht im Depot als die 2%.

Nur in Ausnahmesituationen wird der Stop Loss nachgezogen, um eine im Gewinn befindliche Position zu sichern, bzw. auf ein verändertes Risikoprofil zu reagieren.

Das generelle nachziehen von Stop Loss hat sich nicht bewährt. Der Sto Loss in meinem System dient nur der Absicherung des noch „jungen“ Trades. Damit sollen Fehlsignale abgefangen werden – ein ständiges Nachziehen verhindert nach meinen Erfahrungen Performance Chancen.

Bevor ich das heutige System mit nur 8 Positionen gehandelt habe, hatte ich ein ähnliches mit 22 Positionen. Auch hier waren 2% @Risk und damit ein Verlustpotential von > 40%.

Ein Grund warum ich jetzt mit deutlich weniger Risiko trade ist, dass diese 40% Drawdown auch wirklich 2012 erreicht wurden. Dabei wurde mir klar, dass ein Verlust von 40% doch nicht so einfach zu verkraften ist, wie ich ursprünglich glaubte. Das Positive an dieser Erfahrung ist, dass ich einen Drawdown in dieser Höhe jetzt hinter mir habe und emotional auf kleinere Drawdowns besser vorbereitet bin.

 Trades für die kommende Woche (wöchentliche System):

Close Short S&P500

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen:

2 Gedanken zu “Positionsgröße im wöchentlichen System

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