2. Baustein: Gleitende Durchschnitte und andere Methoden

Um an den letzten Post über das monatliche Handelssystem anzuschließen, möchte ich diesmal das Prinzip der Trenderkennung vertiefen.

In meinem Fall des monatlichen Systems wird nur jeweils ein GD (Gleitender Durchschnitt) für 6 Monate oder 12 Monate ermittelt. Das Signal wird dann direkt über den Preis gegeben indem dieser über oder unter dem GD auf Schlußkursbasis liegt.

Das ist bei einer nur monatlichen Handelsfrequenz ausreichend, da kleinere Schwankungen innerhalb des Monats keine Rolle spielen und somit kurzfristiges Hin und Her an den Börsen ausreichend gefiltert wird.

Das wöchentliche System ist um einiges komplexer. Da dieses auch short Positionen generiert und auf Wochenbasis arbeitet, war es mir wichtig, dass

  1. Das Preissignal etwas geglättet wird um sehr kurzfrsitige Schwankungen zu filtern und
  2. es einen neutralen Bereich ohne Position gibt.

Ein solches Design zieht einige andere Konsequenzen nach sich – z.B. eine etwas höhere Handelsfrequenz und damit mehr Handelskosten (Gebühren, Slippage etc.)

Im Wesentlichen benutze ich ein Triple Moving Average Crossover System mit folgenden Regeln:

Eröffnung:

  • Kreuzt der kurze GD den langen GD von unten, dann long.
  • Kreuzt der kurze GD den langen GD von oben, dann short.

Close:

  • Kreuzt der kurze GD den mittleren GD von oben, dann close (long).
  • Kreuzt der kurze GD den mittleren GD von unten, dann close (short).

Damit ist klar, dass eine neutrale „Warteposition“ entsteht, wenn der kurze GD zwischen dem langen und dem mittleren GD liegt. Entweder wurde eine long Position geschlossen: der mittlere liegt über dem langen, oder es wurde eine short Position geschlossen: der mittlere liegt unterhalb des langen.

Der kurze GD dient als Noise-Filter, da auf Wochenbasis der einzelne Preis zu volatil ist und Fehlsignale generiert. Um das Signal trotzdem möglichst nah am aktuellen Rand (also mit den neuesten Informationen) zu generieren, wird dieser GD als exponentieller GD berechnet. Dieser reagiert etwas sensibler auf neu hinzugefügte Werte – insbesondere, wenn diese eine große Differenz zum bestehenden Niveau aufweisen. Bei der Trendfolge ist es m.E. wichtig Signale für die Entwicklung eines Trends zu bekommen und wenn ein starker Impuls in die Richtung des Trends entsteht, dann ist das – aller Erfahrung nach – schon mal ein guter Anfang.

Das Ziel von Trendfolgern ist, einen Trend so früh wie möglich zu erkennen, lange durchzuhalten und so wenig wie möglich von den Profiten wieder abzugeben. Trendfolger müssen erst hinter dem Peak sein, um den Wechsel des Trends zu erkennen – d.h. (zu)spät im Markt und (zu)spät wieder raus.

Value Manager sind eher genau das Gegenteil: (zu)früh im Markt (das Tief liegt noch nicht vor) und (zu)früh wieder raus, da der innerer faire Wert schon vor dem Kurs-Hoch erreicht wurde.

Das soll keine Wertung sein, welche der Strategien besser oder schlechter ist – beide können prinzipiell (nur von mir nicht) vorteilhaft umgesetzt werden. Das Wesentliche für beide ist jedoch vom Anstieg genug mitzunehmen und das Rechteck so groß wie möglich werden zu lassen!

Value-Trend-Markt
Signalverlauf Value Manger vs. Trendfolger

 

Gleitende Durchschnitte sind nur eine Möglichkeit einen kommende Trendbewegung aufzuspüren.

Eine andere weit verbreitete Methode ist zum Beispiel ein Channels-Break-Out-System (CBO). Alternativ auch ein Volatility-Break-Out-System (VBO) bzw. natürlich jede mögliche Kombination von dieser.

Ein CBO ist ein System, bei welchem ein Signal durch das Über- bzw. Unterschreiten gewisser historischer Höchstwerte bzw. Tiefpunkte entsteht. Ganz bekannt ist sicher das System von Richard D. Donchian. Dieser fand schon vor der Erfindung der Computer heraus, dass ein System welches auf ein neues Hoch nach 20 Tagen setzt, sehr profitabel ist, da die Preise im Schnitt noch ein gutes Stück weiter liefen. Als Stop diente ein neues 20-Tages Tief.

Bei einem VBO System würde man ähnlich vorgehen und würde nach einem Ausbruch der Volatilität aus einer Handelsspanne suchen. Der Trade erfolgt dann natürlich in Richtung der Preisbewegung.

Beim Design meines Systems habe ich auch mit verschiedenen Alternativen zu den Durchschnitten experimentiert. Unter anderem habe ich das System der Turtles, welches sich an Richard Donchian anlehnt versucht abzubilden. Eine interessante Alternative war auch eine Kombination der verschiedenen Systeme z.B. in der Art der Bollinger Bänder oder eines Envelope um den langen Trend. Die Idee war dabei den Noise, gerade am Anfang eines Trades besser zu filtern und nur große Bewegungen frühzeitig zu identifizieren.

Da ich aber strikt bei einem wöchentlichen Rhythmus bleiben wollte – die Gründe hatte ich in vorherigen Posts schon erläutert – wurden alle möglichen Kombinationen wieder verworfen.

Das Hauptproblem bleibt jedoch bestehen: Je sicherer das Signal, desto kleiner der profitable Anteil an der Trendlänge (Skizze). Oder anders ausgedrückt der Trade off ist: Häufige Fehlsignale vs. weniger profitable „Strecke“ (Höhe des Rechteckes).

Den Entry zu verbessern ist wichtig, aber zu viel Energie sollte nicht aufgebracht werden, da letztlich die Zukunft und damit der neue Trend nicht vorhersagbar ist. Das gleiche gilt für den Exit. Auch dieser ist nur bedingt zu optimieren. Klar ist, dass dieser einerseits frühzeitig nach dem Peak kommen sollte, jedoch ein vorzeitiges Ende auch nicht wünschenswert ist. Wir können aber nicht vorhersehen, wie sich der Markt weiter entwickelt.

Es gibt kein Signal der Welt, welches uns einen kommenden Trend zeigt bzw. den Wechsel (Ende) eines solchen!

Die bekannten Trendfolge Indikatoren (DMI/ADX, AROON, MACD etc.), zeigen nicht mehr als die aktuelle Trendstärke oder Preisbewegung – also wie stark der Trend bisher gewesen ist.

Für den Entry oder den Exit hilft das relativ wenig.

Nach dieser großen Ernüchterung, bleibt die Frage, warum sich überhaupt mit dem Thema beschäftigen, wenn es doch so viele Unsicherheiten gibt. Dann könnte man auch einmal die Woche mit einem Dartpfeil auf eine Kursliste werfen und am Ende der Woche die eingegangene Position wieder schließen, oder? In der Tat gibt es Studien, die den Erfolg solcher Strategien zeigen.

Wenn es aber möglich ist, mit einem willkürlich gewähltem Eintrittspunkt und einem Exit nach festgelegter Zeit – zumindest etwas – Geld zu verdienen (oder keines zu verlieren), dann muss der Vorteil aus einer anderen Quelle gewonnen werden! –> dem Risiko.

Dieses wird maßgeblich über die Anzahl gleichzeitig gehandelter Märkte und über die Positions-Größe gesteuert.

Neue Positionen des wöchentlichen Systems:

Long Gold, Stop Loss: 1.087

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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