2. Baustein und 20 Regeln

Im Post bzgl. der Handels-Frequenz hatte ich schon etwas über das monatliche System geschrieben.

In Anlehnung an die Untersuchungen von Meb Faber habe ich mein System sehr ähnlich konstruiert.

Mebane hat u.a. analysiert, wie sensibel die Länge der gleitenden Durchschnitte auf das Ergebnis reagiert. Die Untersuchung ergab keinen großen Unterschied bei mittelfristigen Zeiträumen.

Dem kann ich mich anschließen: Zum einen habe ich selbst mehrere verschieden Zeiträume untersucht und eben nur kleine Unterschiede gefunden. Bei einer Strategie (Asset Klasse) funktioniert der kürzere besser bei der anderen der längere. Somit bin ich letztlich bei einem 6/12M System gelandet.

6/12M bedeutet ich gewichte 2 monatliche Systeme 50/50. Eines arbeitet mit dem 6M gleitenden einfachen Durchschnitt auf dem Monatsultimo und das andere eben mit dem 12M Durchschnitt.

Damit variiert meine Positions-Größe zwischen 0-0,5-1. Das erhöht zwar leicht die Anzahl der Trades, aber lässt mich einen Trend frühzeitig erfassen bzw. hält mich länger im Trend. Wichtig ist, das große Trends in der richtigen Richtung erfasst werden.

Die geringe Sensitivität der Handelsfrequenz zwischen 6-12 Monaten zeigt m.E., dass es weniger auf das eine perfekte System zum Einsteigen ankommt, als vielmehr auf das richtige Risiko-Management und das disziplinierte Umsetzten der selbst aufgestellten Regeln.

Bei meiner Recherche im Internet, bin ich bei Wallstreet-Online auf einen Blog gestoßen, auf dem am Anfang auf 20 Regeln hingewiesen wird, welche beim Traden immer zu beachten sind.

Ganze 20 Regeln erschienen mir relativ viele, aber warum nicht?

Werfen wir mal ein Blick auf diese Regeln, mit Kommentaren meinerseits:

  1. Vergiss die Nachrichten und handle den Chart
    Für mich interpretiert würde das heißen: Vergiss die Nachrichten und handle Dein System!
    Da gibt es dann auch nichts weiter hinzuzufügen.
  2. Kaufe den ersten Rücksetzer nach einem neuen Hoch, bzw. Verkaufe Rücksetze nach neuen Tief.
    Das klingt erstmal ganz vernünftig, aber gibt in Wirklichkeit keine konkrete Handlungsempfehlung. Es ist weder definiert, was ein Rücksetzer konkret ist, noch ist definiert, wann der Trade als gescheitert gilt – z.b. durch die Definition eines Stop Loss. Das Set-Up ist nicht vollständig.
  3. Kaufe bei Unterstützungen und verkaufe bei Widerständen:
    Hier gilt das gleiche. Wer einmal vor einem Chart gesessen hat, dem ist sicher ganz schwindelig geworden von den möglichen Linien die als Unterstützung gelten können. Leider ist Chart-Technik mehr eine Kunst als eine Wissenschaft – selbst ausgewiesene Experten sind sich an vielen Stellen nicht einig. Deshalb gilt auch hier – zu wenig konkret!
  4. Kurze Rallyes ohne Sell-Offs sind typisch für einen Abwärtstrend.
    Das ist überhaupt keine Regel, sonder allenfalls eine Beobachtung.
  5. Kaufe oder Verkaufe nie in einen großen gleitenden Durchschnitt.
    Diese Regel verstehe ich nicht – gegen oder mit dem Trend?
    Der Preis liegt unter, auf (selten) oder über dem Durchschnitt. Dann sollte die Regel lauten: Verkaufe nie wenn der Preis über einem „großen“ Durchschnitt liegt und vice versa.
    Das Problem bleibt: Zu wenig konkret um darauf zu handeln – was ist ein großer Durchschnitt und wie verhalte mich, wenn der Preis unter dem einen „großen“ Durchschnitt liegt und gleichzeitig über einem anderen – das gibt eine Menge Dissonanzen!
  6. Renne nie dem Momentum nach, wenn Du den Ausstieg nicht finden kannst.
    Trader die Ihre Hausaufgaben vor dem Trade machen, finden immer den Ausstieg.
  7. Erschöpfungs-GAP werden geschlossen. Durchbruchs- und Fortsetzungs-GAP nicht. Handle daher in Richtung der GAP-Unterstützung.
    Das Problem liegt darin, dass man immer erst nachher genau wissen kann, welches Gap aufgetreten ist. Dann darauf zu setzen, das der aktuelle Trend dreht in einem schnellen Markt (Fortsetzungs-GAP) kann sehr teuer werden.
  8. Trends testen die letzten Widerstands- und Unterstützungspunkte.
    Als Trendfolger muss ich dem natürlich widersprechen, aber hier soll nur die Regel im Vordergrund stehen.
    Nehmen wir mal an, dass der Widerstand relativ gut definiert ist, so fehlt der Hinweis darauf, wann der Trade geschlossen werden muss. Zumal ein Break der Widerstandszone zu einer Beschleunigung führen sollte und nicht so leicht zu handeln ist.
    Erfahrungen zeigen, dass Widerstände – die auch als solche taugen – meist nochmals getestet werden. Das sollte man bei der Definition des Setup beachten.
  9. Trade mit dem Tick, nicht gegen ihn. Spiele nicht den Helden.
    Das ist in soweit Ok Trendfolger handeln immer in Richtung des Marktes. Für mittelfristige Trades jedoch nicht zu nutzen. „Spiele nicht den Helden“ ist sicher der wichtigste Teil dieser Regel. (Recht haben vs. Geld verdienen)
  10. Vergiss deinen Hochschulabschluss … und vertraue auf deinen Instinkt.
    Über den Hochschulabschkuss kann man streiten – vertraue dem Instinkt halte ich für gefährlich. Wozu stellt der Autor überhaupt Regeln auf, wenn man nur seinem Instinkt folgen soll – es lebe die Behavioural Finance!?
  11. Verkaufe das zweite Hoch und kaufe das zweite Tief.
    Wie immer zu pauschal, kein konkretes Set-Up, keine konkrete Handlungsanweisung.
  12. Der Trend ist Dein Freund in der letzten Handelsstunde … in den USA.
    Für den Mittelfristig orientierten Trader ist der Trend natürlich immer Dein Freund.
    Dies wurde schon in der Behavioural Finance untersucht: Over- and Underreaction (Momentum: Jegadeesh & Titman)
  13. Vermeide den Handel der Eröffnung, besonders Anfänger werden hier oftmals überrannt.
    Habe ich schon oft gehört, aber auch noch nie einen wirklichen Test dazu gesehen. Meine eigenen Untersuchungen anhand meiner Handels-Signale zeigen das der Handel in der Eröffnung die geringsten Gaps zum Wochenschluss bzw. Ultimo aufweisen.
  14. 1-2-3-Regeln beachten. Suche dafür in Abwärtstendenzen nach einem Top, zwei niedrigeren.
    Hoch’s und einem Doppelboden, um in die Gegenrichtung zu investieren.
    Wenig konkret: Wie bestimmt man die Abwärtstendenz, wie qualifiziert sich ein Top und wie genau sieht der Doppelboden aus. Alles Dinge die auf dem Chart der Vergangenheit mit Phantasie zu lesen sind, aber am aktuellen Rand beim Einstieg in die Position eine Menge Fragen aufwerfen. Der Exit bleibt wie bei vielen Regeln ungeklärt!
  15. Die Bullen leben über der 200-Tagelinie, Bären darunter.
    Das klingt wenig konkret ist aber konkreter als viele Regeln vorher. Die 200-Tagelinie ist normalerweise ein einfacher gleitendender Durchschnitt der letzten 200 Handelstage.
    Damit ist implizit auch schon ein Exit definiert. Konkret würde dies heißen: Kaufe wenn der Schlusskurs des Vortages über der 200-Tagelinie lag und verkaufe sobald dieser darunter liegt.
  16. Der Preis hat ein Gedächtnis.
    Keine Regel, da keine Handlungsanweisung. Zumindest ein Analyse-Hinweis (mehr zum Thema unter Hurst-Exponent)
  17. Große Handelsvolumen töten eine Trend-Bewegung. … Erkenne diese Muster und warte auf eine Entscheidung oder handel die Range.
    Viel zu viele offene Fragen: Was genau? Wann? Exit?
  18. Trends kehren nicht nach wenigen Punkten um. Trend-Umkehrungen bauen sich immer langsam auf. Die erste scharfe Abwärtsbewegung findet immer Käufer und die erste starke Aufwärtsbewegung immer Verkäufer.
    Da kann ich nur sagen: Good Luck – an der Börse wird gewöhnlich nicht geläutet!
  19. Böden bilden sich länger aus als Hochpunkte. Angst agiert schneller als Gier und sorgt dafür dass Aktien vom eigenen Gewicht fallen und bei Optionsscheinen die Volatilität zunimmt.
    Das ist keine Regel, allenfalls eine Beobachtung bzw. doch nur eine Behauptung. Schon allein, dass die Vola nur bei Optionsscheinen ansteigt finde ich etwas gewagt. Das war wahrscheinlich nicht so gemeint, aber dann sollte man es eben auch nicht schreiben.
  20. Schlage die Masse innerhalb und außerhalb der Tür. Du musst Ihnen Ihr Geld nehmen, bevor Sie Deins nehmen. Nur so wirst Du ein Gewinner.
    Da kann ich nur auf meinen letzten Post über das Buch: Was Gewinner von Verlierern unterscheidet verweisen.
    Die Regel 20 (welche keine ist) führt auf jeden Fall dazu, dass der äußere Verlust zum inneren wird. Was dann passiert haben die beiden Autoren im Buch m.E. deutlich genug beschrieben.

Alles in allem eine sehr durchwachsene Bilanz. Die meisten Regeln sind nicht konkret genug, damit überhaupt ein Trade klar formuliert werden kann. Nur eine Regel beantwortet (implizit) die Frage, was mit dem Trade passieren soll, wenn man diesen erstmal eröffnet hat – ganz zu schwiegen von einer Regel, welche das Risiko-Management auch nur streift.

Einige Regeln sind bestenfalls Beobachtungen, manchmal nur auf Basis weniger subjektiver Wahrnehmungen und andere sind schlicht Behauptungen, welche nie überprüft wurden.

Das gilt leider für viele der selbsternannten Gurus in Internetforen.

Trades im wöchentlichen System:

 

keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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