3. Baustein und Monatsende

Gestern hatte ich verschiedene Möglichkeiten beschrieben einen Trend zu bestimmen. Am Ende hatte ich dann auf die wirklich steuerbare Größe des Risikos hingewiesen.

Da heute Monatsende ist und damit ein neuer Trade für das ETF-Portfolio ansteht, möchte ich an diesem Beispiel zeigen, wie ich das Thema Risiko für mich handhabe.

Gleich am Anfang des Blogs wurden die „Asset-Klassen“ welche für das ETF Portfolio in Frage kommen beschrieben. In einem weiteren Blog wurden aus den „Asset-Klassen“ Strategien mit Risiko-Prämien (Ertrag) und Risiko-Profilen (Risiko, Drawdown) – siehe Tabelle:

Risk-Return-ETF
Performance / Risiko / Drawdown

Hier einige Informationen auf einmal zu sehen. Gewicht ist der prozentuale Anteil am Portfolio. Ertrag ist der annualisierte Ertrag der jeweiligen Strategie. Das Risiko ist das annualisierte Risiko. Drawdown ist eine für mich wichtigere Größe als das Risiko bzw. die Standardabweichung.

Drawdown ist der maximale Verlust vom jeweiligen Höchststand der Strategie. Die MAR (Managed Account Ratio) ist Ertrag / Drawdown – angelehnt an die Sharpe Ratio (Ertrag über risikolosem Zins / Risiko).

Das Prinzip ist nun relativ einfach: die Renten- und die Aktienstrategien haben einen Drawdown von ca. 10-15%, während die Rohstoffe das doppelte aufweisen.

Damit werden die beiden erstgenannten mit dem doppeltem Gewicht im Portfolio, relativ zu den Rohstoffen versehen.

Das Prinzip ist keine Wissenschaft – ich halte die Gewichte prinzipiell statisch, bzw. werden dies in größeren Abständen nochmal überprüft. Die Strategie soll jedoch möglichst einfach umzusetzen sein und das genaue Verhalten bzgl. Drawdown und Risiko ist auch nur approximativ zu bestimmen.

Theoretisch fundiert ist das Ganze unter dem Stichwort Risk-Parity. Diese Art der Portfoliogewichtung wurde prominent von Bridgewater (Ray Dalio) zur Anwendung gebracht. Dabei wird prinzipiell das Risiko im Portfolio nach dem Prinzip 1/Risiko gleich gewichtet. Es gibt jedoch andere Untersuchungen, welche den Risikobeitrag (also unter Beachtung von ungleicher Korrelationen der einzelnen Assets/Strategien) oder den Shortfall als Maßgröße nutzen. In den letzten Jahren wurde auf dem Gebiet einiges geforscht – hier hilft Google sicher weiter.

Weiterhin ist in der Tabelle die deutliche Risikoreduktion, insbesondere der Drawdowns durch die Verwendung einer Trendfolgestrategie zu sehen.

Das Risiko sinkt zwar meist auch, jedoch ist das Ergebnis nicht ganz trivial.

Zum Hintergrund: Meine Strategie arbeitet zwar nur auf der Long-Seite, aber es können auch relativ hohe positive Monatsrenditen auftreten, wenn die Strategie nicht investiert ist. Diese positiven Renditen würden durch die Strategie abgeschnitten und damit wird die Verteilung der Renditen weniger breit als im Vergleich mit Buy-and-Hold. Die Gefahr von Drawdown bliebe jedoch weiterhin gegeben.

Drawdowns werden durch Autokorrelation verursacht. Eine Strategie, die Autokorrelation als Bedingung für das funktionieren unterstellt (langsame Anpassungsprozesse – Over- and Underreaction) und daraus einen Vorteil zieht, kann große Drawdowns vermeiden.

Der Vergleich der Erträge der Index-Strategie (also Buy-and-Hold) mit den Erträgen der Trendfolgestrategie zeigt, dass nicht immer ein höherer Ertrag zu erzielen ist. Hauptvorteil liegt in der starken Reduktion der Drawdowns. Das ist psychologisch ein sehr großer Vorteil, da dies die Wahrscheinlichkeit mindert, zum falschen Zeitpunkt auszusteigen!

Die Buy-and-Hold-Strategie ist insofern sehr anfällig, dass natürlich jeder versteht, das über lange Zeiträume Risikoprämien zu verdienen sind, aber nicht jeder die Kraft hat diese langen Zeiträume auch durchzuhalten.

Wie immer am Monatsende ein Blick auf die Performance des Gesamtsystems:

Feb16: 4,58% und 6,23% seit Jahresanfang.

Trades für das monatliche System:

 

Kauf von 1/2 Position: EM Renten

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

2. Baustein: Gleitende Durchschnitte und andere Methoden

Um an den letzten Post über das monatliche Handelssystem anzuschließen, möchte ich diesmal das Prinzip der Trenderkennung vertiefen.

In meinem Fall des monatlichen Systems wird nur jeweils ein GD (Gleitender Durchschnitt) für 6 Monate oder 12 Monate ermittelt. Das Signal wird dann direkt über den Preis gegeben indem dieser über oder unter dem GD auf Schlußkursbasis liegt.

Das ist bei einer nur monatlichen Handelsfrequenz ausreichend, da kleinere Schwankungen innerhalb des Monats keine Rolle spielen und somit kurzfristiges Hin und Her an den Börsen ausreichend gefiltert wird.

Das wöchentliche System ist um einiges komplexer. Da dieses auch short Positionen generiert und auf Wochenbasis arbeitet, war es mir wichtig, dass

  1. Das Preissignal etwas geglättet wird um sehr kurzfrsitige Schwankungen zu filtern und
  2. es einen neutralen Bereich ohne Position gibt.

Ein solches Design zieht einige andere Konsequenzen nach sich – z.B. eine etwas höhere Handelsfrequenz und damit mehr Handelskosten (Gebühren, Slippage etc.)

Im Wesentlichen benutze ich ein Triple Moving Average Crossover System mit folgenden Regeln:

Eröffnung:

  • Kreuzt der kurze GD den langen GD von unten, dann long.
  • Kreuzt der kurze GD den langen GD von oben, dann short.

Close:

  • Kreuzt der kurze GD den mittleren GD von oben, dann close (long).
  • Kreuzt der kurze GD den mittleren GD von unten, dann close (short).

Damit ist klar, dass eine neutrale „Warteposition“ entsteht, wenn der kurze GD zwischen dem langen und dem mittleren GD liegt. Entweder wurde eine long Position geschlossen: der mittlere liegt über dem langen, oder es wurde eine short Position geschlossen: der mittlere liegt unterhalb des langen.

Der kurze GD dient als Noise-Filter, da auf Wochenbasis der einzelne Preis zu volatil ist und Fehlsignale generiert. Um das Signal trotzdem möglichst nah am aktuellen Rand (also mit den neuesten Informationen) zu generieren, wird dieser GD als exponentieller GD berechnet. Dieser reagiert etwas sensibler auf neu hinzugefügte Werte – insbesondere, wenn diese eine große Differenz zum bestehenden Niveau aufweisen. Bei der Trendfolge ist es m.E. wichtig Signale für die Entwicklung eines Trends zu bekommen und wenn ein starker Impuls in die Richtung des Trends entsteht, dann ist das – aller Erfahrung nach – schon mal ein guter Anfang.

Das Ziel von Trendfolgern ist, einen Trend so früh wie möglich zu erkennen, lange durchzuhalten und so wenig wie möglich von den Profiten wieder abzugeben. Trendfolger müssen erst hinter dem Peak sein, um den Wechsel des Trends zu erkennen – d.h. (zu)spät im Markt und (zu)spät wieder raus.

Value Manager sind eher genau das Gegenteil: (zu)früh im Markt (das Tief liegt noch nicht vor) und (zu)früh wieder raus, da der innerer faire Wert schon vor dem Kurs-Hoch erreicht wurde.

Das soll keine Wertung sein, welche der Strategien besser oder schlechter ist – beide können prinzipiell (nur von mir nicht) vorteilhaft umgesetzt werden. Das Wesentliche für beide ist jedoch vom Anstieg genug mitzunehmen und das Rechteck so groß wie möglich werden zu lassen!

Value-Trend-Markt
Signalverlauf Value Manger vs. Trendfolger

 

Gleitende Durchschnitte sind nur eine Möglichkeit einen kommende Trendbewegung aufzuspüren.

Eine andere weit verbreitete Methode ist zum Beispiel ein Channels-Break-Out-System (CBO). Alternativ auch ein Volatility-Break-Out-System (VBO) bzw. natürlich jede mögliche Kombination von dieser.

Ein CBO ist ein System, bei welchem ein Signal durch das Über- bzw. Unterschreiten gewisser historischer Höchstwerte bzw. Tiefpunkte entsteht. Ganz bekannt ist sicher das System von Richard D. Donchian. Dieser fand schon vor der Erfindung der Computer heraus, dass ein System welches auf ein neues Hoch nach 20 Tagen setzt, sehr profitabel ist, da die Preise im Schnitt noch ein gutes Stück weiter liefen. Als Stop diente ein neues 20-Tages Tief.

Bei einem VBO System würde man ähnlich vorgehen und würde nach einem Ausbruch der Volatilität aus einer Handelsspanne suchen. Der Trade erfolgt dann natürlich in Richtung der Preisbewegung.

Beim Design meines Systems habe ich auch mit verschiedenen Alternativen zu den Durchschnitten experimentiert. Unter anderem habe ich das System der Turtles, welches sich an Richard Donchian anlehnt versucht abzubilden. Eine interessante Alternative war auch eine Kombination der verschiedenen Systeme z.B. in der Art der Bollinger Bänder oder eines Envelope um den langen Trend. Die Idee war dabei den Noise, gerade am Anfang eines Trades besser zu filtern und nur große Bewegungen frühzeitig zu identifizieren.

Da ich aber strikt bei einem wöchentlichen Rhythmus bleiben wollte – die Gründe hatte ich in vorherigen Posts schon erläutert – wurden alle möglichen Kombinationen wieder verworfen.

Das Hauptproblem bleibt jedoch bestehen: Je sicherer das Signal, desto kleiner der profitable Anteil an der Trendlänge (Skizze). Oder anders ausgedrückt der Trade off ist: Häufige Fehlsignale vs. weniger profitable „Strecke“ (Höhe des Rechteckes).

Den Entry zu verbessern ist wichtig, aber zu viel Energie sollte nicht aufgebracht werden, da letztlich die Zukunft und damit der neue Trend nicht vorhersagbar ist. Das gleiche gilt für den Exit. Auch dieser ist nur bedingt zu optimieren. Klar ist, dass dieser einerseits frühzeitig nach dem Peak kommen sollte, jedoch ein vorzeitiges Ende auch nicht wünschenswert ist. Wir können aber nicht vorhersehen, wie sich der Markt weiter entwickelt.

Es gibt kein Signal der Welt, welches uns einen kommenden Trend zeigt bzw. den Wechsel (Ende) eines solchen!

Die bekannten Trendfolge Indikatoren (DMI/ADX, AROON, MACD etc.), zeigen nicht mehr als die aktuelle Trendstärke oder Preisbewegung – also wie stark der Trend bisher gewesen ist.

Für den Entry oder den Exit hilft das relativ wenig.

Nach dieser großen Ernüchterung, bleibt die Frage, warum sich überhaupt mit dem Thema beschäftigen, wenn es doch so viele Unsicherheiten gibt. Dann könnte man auch einmal die Woche mit einem Dartpfeil auf eine Kursliste werfen und am Ende der Woche die eingegangene Position wieder schließen, oder? In der Tat gibt es Studien, die den Erfolg solcher Strategien zeigen.

Wenn es aber möglich ist, mit einem willkürlich gewähltem Eintrittspunkt und einem Exit nach festgelegter Zeit – zumindest etwas – Geld zu verdienen (oder keines zu verlieren), dann muss der Vorteil aus einer anderen Quelle gewonnen werden! –> dem Risiko.

Dieses wird maßgeblich über die Anzahl gleichzeitig gehandelter Märkte und über die Positions-Größe gesteuert.

Neue Positionen des wöchentlichen Systems:

Long Gold, Stop Loss: 1.087

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

2. Baustein und 20 Regeln

Im Post bzgl. der Handels-Frequenz hatte ich schon etwas über das monatliche System geschrieben.

In Anlehnung an die Untersuchungen von Meb Faber habe ich mein System sehr ähnlich konstruiert.

Mebane hat u.a. analysiert, wie sensibel die Länge der gleitenden Durchschnitte auf das Ergebnis reagiert. Die Untersuchung ergab keinen großen Unterschied bei mittelfristigen Zeiträumen.

Dem kann ich mich anschließen: Zum einen habe ich selbst mehrere verschieden Zeiträume untersucht und eben nur kleine Unterschiede gefunden. Bei einer Strategie (Asset Klasse) funktioniert der kürzere besser bei der anderen der längere. Somit bin ich letztlich bei einem 6/12M System gelandet.

6/12M bedeutet ich gewichte 2 monatliche Systeme 50/50. Eines arbeitet mit dem 6M gleitenden einfachen Durchschnitt auf dem Monatsultimo und das andere eben mit dem 12M Durchschnitt.

Damit variiert meine Positions-Größe zwischen 0-0,5-1. Das erhöht zwar leicht die Anzahl der Trades, aber lässt mich einen Trend frühzeitig erfassen bzw. hält mich länger im Trend. Wichtig ist, das große Trends in der richtigen Richtung erfasst werden.

Die geringe Sensitivität der Handelsfrequenz zwischen 6-12 Monaten zeigt m.E., dass es weniger auf das eine perfekte System zum Einsteigen ankommt, als vielmehr auf das richtige Risiko-Management und das disziplinierte Umsetzten der selbst aufgestellten Regeln.

Bei meiner Recherche im Internet, bin ich bei Wallstreet-Online auf einen Blog gestoßen, auf dem am Anfang auf 20 Regeln hingewiesen wird, welche beim Traden immer zu beachten sind.

Ganze 20 Regeln erschienen mir relativ viele, aber warum nicht?

Werfen wir mal ein Blick auf diese Regeln, mit Kommentaren meinerseits:

  1. Vergiss die Nachrichten und handle den Chart
    Für mich interpretiert würde das heißen: Vergiss die Nachrichten und handle Dein System!
    Da gibt es dann auch nichts weiter hinzuzufügen.
  2. Kaufe den ersten Rücksetzer nach einem neuen Hoch, bzw. Verkaufe Rücksetze nach neuen Tief.
    Das klingt erstmal ganz vernünftig, aber gibt in Wirklichkeit keine konkrete Handlungsempfehlung. Es ist weder definiert, was ein Rücksetzer konkret ist, noch ist definiert, wann der Trade als gescheitert gilt – z.b. durch die Definition eines Stop Loss. Das Set-Up ist nicht vollständig.
  3. Kaufe bei Unterstützungen und verkaufe bei Widerständen:
    Hier gilt das gleiche. Wer einmal vor einem Chart gesessen hat, dem ist sicher ganz schwindelig geworden von den möglichen Linien die als Unterstützung gelten können. Leider ist Chart-Technik mehr eine Kunst als eine Wissenschaft – selbst ausgewiesene Experten sind sich an vielen Stellen nicht einig. Deshalb gilt auch hier – zu wenig konkret!
  4. Kurze Rallyes ohne Sell-Offs sind typisch für einen Abwärtstrend.
    Das ist überhaupt keine Regel, sonder allenfalls eine Beobachtung.
  5. Kaufe oder Verkaufe nie in einen großen gleitenden Durchschnitt.
    Diese Regel verstehe ich nicht – gegen oder mit dem Trend?
    Der Preis liegt unter, auf (selten) oder über dem Durchschnitt. Dann sollte die Regel lauten: Verkaufe nie wenn der Preis über einem „großen“ Durchschnitt liegt und vice versa.
    Das Problem bleibt: Zu wenig konkret um darauf zu handeln – was ist ein großer Durchschnitt und wie verhalte mich, wenn der Preis unter dem einen „großen“ Durchschnitt liegt und gleichzeitig über einem anderen – das gibt eine Menge Dissonanzen!
  6. Renne nie dem Momentum nach, wenn Du den Ausstieg nicht finden kannst.
    Trader die Ihre Hausaufgaben vor dem Trade machen, finden immer den Ausstieg.
  7. Erschöpfungs-GAP werden geschlossen. Durchbruchs- und Fortsetzungs-GAP nicht. Handle daher in Richtung der GAP-Unterstützung.
    Das Problem liegt darin, dass man immer erst nachher genau wissen kann, welches Gap aufgetreten ist. Dann darauf zu setzen, das der aktuelle Trend dreht in einem schnellen Markt (Fortsetzungs-GAP) kann sehr teuer werden.
  8. Trends testen die letzten Widerstands- und Unterstützungspunkte.
    Als Trendfolger muss ich dem natürlich widersprechen, aber hier soll nur die Regel im Vordergrund stehen.
    Nehmen wir mal an, dass der Widerstand relativ gut definiert ist, so fehlt der Hinweis darauf, wann der Trade geschlossen werden muss. Zumal ein Break der Widerstandszone zu einer Beschleunigung führen sollte und nicht so leicht zu handeln ist.
    Erfahrungen zeigen, dass Widerstände – die auch als solche taugen – meist nochmals getestet werden. Das sollte man bei der Definition des Setup beachten.
  9. Trade mit dem Tick, nicht gegen ihn. Spiele nicht den Helden.
    Das ist in soweit Ok Trendfolger handeln immer in Richtung des Marktes. Für mittelfristige Trades jedoch nicht zu nutzen. „Spiele nicht den Helden“ ist sicher der wichtigste Teil dieser Regel. (Recht haben vs. Geld verdienen)
  10. Vergiss deinen Hochschulabschluss … und vertraue auf deinen Instinkt.
    Über den Hochschulabschkuss kann man streiten – vertraue dem Instinkt halte ich für gefährlich. Wozu stellt der Autor überhaupt Regeln auf, wenn man nur seinem Instinkt folgen soll – es lebe die Behavioural Finance!?
  11. Verkaufe das zweite Hoch und kaufe das zweite Tief.
    Wie immer zu pauschal, kein konkretes Set-Up, keine konkrete Handlungsanweisung.
  12. Der Trend ist Dein Freund in der letzten Handelsstunde … in den USA.
    Für den Mittelfristig orientierten Trader ist der Trend natürlich immer Dein Freund.
    Dies wurde schon in der Behavioural Finance untersucht: Over- and Underreaction (Momentum: Jegadeesh & Titman)
  13. Vermeide den Handel der Eröffnung, besonders Anfänger werden hier oftmals überrannt.
    Habe ich schon oft gehört, aber auch noch nie einen wirklichen Test dazu gesehen. Meine eigenen Untersuchungen anhand meiner Handels-Signale zeigen das der Handel in der Eröffnung die geringsten Gaps zum Wochenschluss bzw. Ultimo aufweisen.
  14. 1-2-3-Regeln beachten. Suche dafür in Abwärtstendenzen nach einem Top, zwei niedrigeren.
    Hoch’s und einem Doppelboden, um in die Gegenrichtung zu investieren.
    Wenig konkret: Wie bestimmt man die Abwärtstendenz, wie qualifiziert sich ein Top und wie genau sieht der Doppelboden aus. Alles Dinge die auf dem Chart der Vergangenheit mit Phantasie zu lesen sind, aber am aktuellen Rand beim Einstieg in die Position eine Menge Fragen aufwerfen. Der Exit bleibt wie bei vielen Regeln ungeklärt!
  15. Die Bullen leben über der 200-Tagelinie, Bären darunter.
    Das klingt wenig konkret ist aber konkreter als viele Regeln vorher. Die 200-Tagelinie ist normalerweise ein einfacher gleitendender Durchschnitt der letzten 200 Handelstage.
    Damit ist implizit auch schon ein Exit definiert. Konkret würde dies heißen: Kaufe wenn der Schlusskurs des Vortages über der 200-Tagelinie lag und verkaufe sobald dieser darunter liegt.
  16. Der Preis hat ein Gedächtnis.
    Keine Regel, da keine Handlungsanweisung. Zumindest ein Analyse-Hinweis (mehr zum Thema unter Hurst-Exponent)
  17. Große Handelsvolumen töten eine Trend-Bewegung. … Erkenne diese Muster und warte auf eine Entscheidung oder handel die Range.
    Viel zu viele offene Fragen: Was genau? Wann? Exit?
  18. Trends kehren nicht nach wenigen Punkten um. Trend-Umkehrungen bauen sich immer langsam auf. Die erste scharfe Abwärtsbewegung findet immer Käufer und die erste starke Aufwärtsbewegung immer Verkäufer.
    Da kann ich nur sagen: Good Luck – an der Börse wird gewöhnlich nicht geläutet!
  19. Böden bilden sich länger aus als Hochpunkte. Angst agiert schneller als Gier und sorgt dafür dass Aktien vom eigenen Gewicht fallen und bei Optionsscheinen die Volatilität zunimmt.
    Das ist keine Regel, allenfalls eine Beobachtung bzw. doch nur eine Behauptung. Schon allein, dass die Vola nur bei Optionsscheinen ansteigt finde ich etwas gewagt. Das war wahrscheinlich nicht so gemeint, aber dann sollte man es eben auch nicht schreiben.
  20. Schlage die Masse innerhalb und außerhalb der Tür. Du musst Ihnen Ihr Geld nehmen, bevor Sie Deins nehmen. Nur so wirst Du ein Gewinner.
    Da kann ich nur auf meinen letzten Post über das Buch: Was Gewinner von Verlierern unterscheidet verweisen.
    Die Regel 20 (welche keine ist) führt auf jeden Fall dazu, dass der äußere Verlust zum inneren wird. Was dann passiert haben die beiden Autoren im Buch m.E. deutlich genug beschrieben.

Alles in allem eine sehr durchwachsene Bilanz. Die meisten Regeln sind nicht konkret genug, damit überhaupt ein Trade klar formuliert werden kann. Nur eine Regel beantwortet (implizit) die Frage, was mit dem Trade passieren soll, wenn man diesen erstmal eröffnet hat – ganz zu schwiegen von einer Regel, welche das Risiko-Management auch nur streift.

Einige Regeln sind bestenfalls Beobachtungen, manchmal nur auf Basis weniger subjektiver Wahrnehmungen und andere sind schlicht Behauptungen, welche nie überprüft wurden.

Das gilt leider für viele der selbsternannten Gurus in Internetforen.

Trades im wöchentlichen System:

 

keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

Was Gewinner von Verlierern unterscheidet

Diesmal ein kleines Intermezzo zwischen den sonstigen System-Posts:

Was Gewinner von Verlierern unterscheidet (Jim Paul & Brendan Moyniham).

Ganz ehrlich – der deutsche Titel gefällt mir nicht! Der Originaltitel ist interessanter:

What I learned loosing a million dollars.

So ein Titel ist natürlich auffällig, insbesondere neben den typischen Büchern – Wie ich die Lotterie gewann!

Das Buch ist schon ein paar Tage auf dem Markt, aber ich bin durch Zufall wieder darauf gestoßen.

Ich verfolge, wenn auch mit großem Zeitverzug, einen Podcast von Michael Covel. In der Trendfolger Szene ist er bekannt geworden über sein Research über die Turtles (Themenspeicher) und hat verschiedene Bücher geschrieben.

Michael hatte Brendan Moyniham zu Gast und sie sprachen über sein Buch. (Meb Faber – aus dem letzten Post – ist übrigens auch regelmäßig im Covels-Podcast).

Eigentlich kenne ich das Buch auch schon länger. Ich habe es von einem Kollegen und Freund zum Ausstand bei meinem letzten Arbeitgeber bekommen.

Nach dem Podcast habe ich das Buch gleich nochmal aus dem Regal genommen und musste als erstes über die Widmung des Kollegen schmunzeln. Dann war es mir gleich vertraut, sodass ich begann einige Seiten nochmal zu lesen.

Das verrückte ist! – Brendan hat es auch im Podcast erwähnt – das Buch versteht man erst nach den Erfahrungen der letzten Jahre incl. deutlicher eigener Verluste viel besser als beim ersten mal lesen.

Worum geht es im Buch? Prinzipiell um Verluste – genauer gesagt um den Umgang mit Verlustsituationen, insbesondere am Kapitalmarkt – also Geld!

 Es wird die Geschichte von Jim Paul einem Händler im Rohstoffmarkt erzählt, welcher nach einem sehr großen Gewinn diesen wieder verlor und am Ende Schulden hatte.

Die beiden Autoren erarbeiten systematisch, was passiert ist und ordnen dies in die 5 Phasen des Verlustes ein. Dabei wird unterschieden zwischen inneren und äußeren Verlusten. Der innere Verlust ist der persönliche – wenn man recht bekommen will. Der äußere ist nur der Verlust von Geld. Den äußeren Verlust kann man aber vorher planen und dafür sorgen, dass der Verlust des Geldes nicht zum Ruin führt – Recht haben kann teuer werden.

Deshalb gibt es an der Börse auch die Frage: Recht haben oder Geld verdienen.

Weiterhin wird auf den Unterschied zwischen (Wett)-Spiel und Spekulation an der Böse eingegangen.

Das eine ein Spiel mit ex ante bekanntem Zeithorizont, Regeln und klaren Gewinnen und Verlusten. Auf der anderen Seite die Börse als ein kontinuierliches Spiel, bei dem man die Regeln selbst bestimmen muss.

Am Ende geben die Autoren dem Leser einige Werkzeuge an die Hand, welche den Spekulant besser vor der Spirale eines Verlustes bewahren soll.

Dabei wird klar, dass man selbst der Einzige ist, der die Regeln, den Plan oder Strategie aufstellen und sehr diszipliniert befolgen muss.

Das ganze funktioniert nur, wenn man im neutralen Zustand – also ohne Position – diese Regeln bzw. Pläne aufschreibt. Diese müssen möglichst detailliert sein, um jeden möglichen Zustand im Voraus durchzuspielen und Handlungsanweisungen sofort zur Verfügung zu haben.

Hat man erstmal einen Plan, gibt es immer wieder Situationen, an die man nicht sofort gedacht hat. Als Beispiel hatte ich in einem der vorherigen Posts über mein Problem mit den zu früh exekutierten Stops geschrieben. Hat man solche Prozessschwächen erkannt, kann man seinen Plan adjustieren und ist gewappnet für das nächste mal – diesmal hat man die Lösung schon in der Schublade.

Um zu vermeiden, dass ich Verluste persönlich nehme, stelle ich mir meine Systeme als eine Reihe von Spielautomaten (Einarmige Banditen). Die Preise am Markt für die von mir gehandelten Märkte sind eben ganz neutral nur Zeitreihen – es könnten auch Daten über die wöchentlichen (monatlichen) Temperaturschwankungen sein, aber diese sind leider nicht handelbar.

Die Einarmigen Banditen werden einmal pro Woche bzw. Monat von mir angestoßen und liefern dann die Trades für die in der nächsten Woche respektive dem nächsten Monat umzusetzen sind.

Das Spiel ist nach einer Woche dann zu Ende und beginnt mit dem neuen Trade-Set von vorn.

Das Buch ist absolut lesenswert – ggf. sogar nochmals nach einigen Jahren Erfahrungen. Es hat mich auf meinem Weg bestätigt: Die Suche nach dem Heilige Gral ist die Suche nach sich selbst.

Signale des wöchentlichen Systems:

keine

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

1. Baustein zum Dritten – das zweite System

Als verbleibendes Stück zum ersten Baustein möchte ich kurz darlegen, was mich bewogen hat 2 Systeme zu handeln.

Der Grund ist natürlich relativ einfach: Risiko und Rendite.

Das wöchentliche System verwendet aufgrund der Risiko-Einstellung nicht das gesamte Kapital und dann lag es relativ nah, mit diesem freien Kapital etwas anzufangen. Da die Renditen im Geldmarkt momentan nicht besonders hoch sind, viel die Wahl auf eine Anlage in Fonds.

Das ein Buy-and-Hold Investment nicht in Betracht kommt sollte nach dem schon im Blog gesagten relativ klar sein. Auf der Hand lag natürlich ebenfalls ein Trendfolge-System zu benutzen.

Natürlich würde eine stärkere Stil-Diversifikation das Risiko im Portfolio weiter absenken, aber dann könnte ich bekannte Verfahren nicht nutzen und ich wollte unbedingt wieder etwas relativ mechanisches.

Also gesagt getan: Sinnvolle Strategien ausgewählt und dann auf die Teststrecke.

Sinnvolle Strategien? Ich habe mir über die Jahre angewöhnt besser von Strategien als von Asset-Klassen zu sprechen.

  1. Verursacht der Begriff Asset-Klasse immer eine Menge Abgrenzungsfragen und Dissonanzen: z.B. sind Währungen eine Asset Klasse? Sind es Hedge Fonds, oder sind das nur Kombinationen verschiedener Asset Klassen?
  2. Eine Strategie kann, aber muss nicht aus nur einer Asset Klasse bestehen. Anders herum ist jedoch jede Asset Klasse eine Strategie. Kaufe ich den DAX mit seinen 30 Werten, dann ist das die Asset Klasse Aktien Deutschland – es ist aber auch die Strategie: Kaufe immer die 30 größten Aktien Deutschlands (nach free float) und gewichte diese nach ihrer Marktkapitalisierung.

Ganz abstrakt betrachtet ist eine Strategie ein Risikoprofil mit den bekannten Parametern Mittelwert, Standardabweichung  etc. Der Mittelwert liefert idealerweise eine Risikoprämie.

Als sinnvollen Strategien ausgewählt habe ich:

  • Aktien Deutschland
  • Aktien Welt
  • Aktien Emerging Markets (Minimum Volatility)
  • Langlaufende Euro-Renten
  • Renten Emerging Markets
  • Rohstoffe (Roll-Renditen-Optimiert)

Warum gerade diese?

Wir haben zwar noch nicht viel über Risikomanagement gesprochen, aber ich gewichte Risiken im Portfolio generell gleich bzw. sehr ähnlich. Solange ich von den einzelnen Risiken gleiche Risikoprämien über die Zeit erwarte, gibt es keinen theoretischen und praktischen Grund für ein anderes Handeln. Genaueres werde ich dann in mindestens einem separaten Blog erläutern.

Die monatliche Strategie basiert im Wesentlichen auf gleitenden Durchschnitten und geht ein Instrument long, sobald es mit dem Ultimokurs über dem gleitenden Durchschnitt liegt. Die Position wird glattgestellt, wenn diese Bedingung nicht mehr zutrifft.

Das klingt super simpel und ist es auch.

Kann das funktionieren?

Der Backtest zeigt ganz gute Ergebnisse: Die Rendite ist langfristig nur leicht besser als eine Buy-and-Hold Strategie, aber! die Drawdowns sind deutlich geringer schonen meine Nerven.

Wie ich schon erwähnt hatte besteht das Problem selten daraus eine langfristige Strategie zu finden, sondern diese durchzuhalten. Drawdowns sind dabei ein entscheidendes Element, welches den Investor genau zur falschen Zeit die Strategie verwerfen lässt.

Zusätzlich zu dem geringeren Risiko und Drawdowns hatte diese long only Trendfolgstrategie eine geringere Korrelation (ca. 0,6 – 0,7) zu meinem bestehendem wöchentlichen System.

Eine langfristige Untersuchung einer ähnlicher Strategie kann man bei Mebane Faber finden:

http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=962461

Mebane Faber schreibt auch einige sehr gute Bücher und weitere Research Paper – also auf jeden Fall lesenswert!

 

Signale der wöchentlichen Strategie:

  • Schließen der Short-Position in Gold
  • Schließen der Short-Position im EUR/USD.

Bei beiden Positionen wurde der Stop Loss erreicht.

Damit man diese beiden Trades einordnen kann, muss ich noch meine Startaufstellung für das Jahr 2016 bekannt geben.

Monatliches System (long only):

  • DAX
  • MSCI Welt (hedged in EUR)

Das wöchentliche System hatte zum Jahresanfang folgende Positionen:

  • Short EuroStoxx50
  • Long Bund Future
  • Short WTI
  • Short Gold
  • Short EUR/USD

Zuletzt noch ein Nachtrag zum letzten Blog: Die Performance der beiden kombinierten Strategien nach Abzug aller Kosten beträgt seit Jahresanfang: 1,59% per Ende Januar.

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.