1. Baustein

Heute möchte ich gern den 1. Baustein weiter vertiefen.

Der 1. Baustein sollte mindestens drei Fragen aufwerfen:

  1. System oder diskretionär?
  2. Was ist das richtige Zeitintervall, die richtige Handelsfrequenz?
  3. Warum gleich zwei Systeme?

Diese drei Fragen habe ich mir nicht alle direkt von Anfang an gestellt und sicher ist die Antwort noch nicht 100%ig, aber die Antworten erschienen mir auf meinem Lern-Pfad als am geeignetsten für den Moment.

Damit wird auch gleich ein wesentlicher Aspekt des Erfolgs an den Kapitalmärkten deutlich:

Es gibt nicht DAS eine System, oder DIE eine Methode. Jeder muss für sich erkennen, welche Methode zu einem passt.

Damit sind wir bei Frage: Was ist besser? Systematisch oder diskretionär zu entscheiden?

Als ich im Asset Management anfing war einer meiner ersten Jobs das Management eines Index-nahen Aktienfonds – heute würde man dies sicher ETF nennen.

Meine Aufgabe bestand darin, regelmäßig die Gewichte der einzelnen Aktien des Index mit dem des Fonds abzugleichen und ggf. Transaktionen zum Ausgleich vorzunehmen. Dies wurde dadurch erschwert, dass laufend Mittel zu- oder abflossen. Des Weiteren beschränkte die Gesetzeslage einzelne Titel in ihrem Gewicht, sodass ggf. weitere Optimierungen nötig wurden.

Ironischer Weise war somit das Management eines Indexfonds ein sehr systematischer Anlageprozess. Die Gewichtung und damit das Risiko waren vorgegeben und die Aufgabe bestand darin eine Handelsvorgabe möglichst kostengünstig umzusetzen. Die Benchmark für den Erfolg dieser Strategie war der Index.

Da wir, wie die meisten Häuser ein fundamental getriebenes Haus waren, war solch ein Produkt ein Nebenprodukt des normalen Investment-Prozesses. Alsbald wechselte ich zum diskretionären fundamentalen Stockpicking.

Damit hatte ich gleich zwei neue Baustellen: Diskretionär und fundamentales Stockpicking.

(Das fundamentale Stockpicking möchte ich an dieser Stelle erst einmal nicht weiter verfolgen – das kommt in den Themenspeicher für später.)

Was ist also besser: Diskretionäre Entscheidungen oder systematische Entscheidungen?

Systematisch

Vorteile: Methoden und Systeme können an echten Marktsituationen getestet werden und geben schon eine Vorstellung darüber was hinsichtlich Ertrag und Risiko bzw. Drawdown zu erwarten ist.

Das System gibt dem Händler konkrete Informationen über den Zeitpunkt und die richtige Positionsgröße der Trades. Der Händler muss diese nur noch mechanisch umsetzen oder hat sogar ein automatisiertes Orderrouting.

Nachteile: Einem System muss man out-of-sample vertrauen, Signale können zum Teil gegen die eigenen Intuition laufen, bzw. Strukturbrüche könnten das erkannte Muster negativ beeinflussen. Gerade in Stresssituationen ist man geneigt in die Mechanik des Systems einzugreifen. Es besteht immer der Versuch das rigide System auszumanövrieren, weil man glaubt, dass man besondere Informationen hat, welche das System natürlich nicht kennen kann. Außerdem benötigt ein Systemansatz immer den Zugang zu verlässlichen Daten – mit möglichst langer Historie.

Diskretionär

Vorteile: Die oben genannten Nachteile können natürlich auch Vorteile sein. Zum einen hat man die Möglichkeit sehr flexibel Positionen auf- und abzubauen. Des Weiteren ist man bei der Wahl der Instrumente oder Märkte etwas flexibler und kann diese schneller wechseln. Sollten sich fundamental neue Dinge / Moden an den Märkten einstellen, dann ist man mit einem diskretionären Ansatz schnell in Lage auf diese Modetrends und Themen aufzuspringen. Bei einem systematischen Ansatz müssten erst genügend Daten des neuen Verhaltens beobachtbar sein, ehe man damit sein System kalibrieren kann.

Nachteile: Die Nachteile sind natürlich die Vorteile des systematischen Ansatzes und liegen alle samt im verhaltensorientierten Ansatz. Overconfidence, Under- and Overreaction, Kognitive Dissonanzen etc. Einige weitere Biases und Research dazu unter folgendem Link: http://www.behaviouralfinance.net/

Damit greifen wir an dieser Stelle das Thema vom ersten Blog: Der Suche nach dem Heiligen Gral – nochmals auf. Meine Erkenntnis vor allem an mir zu arbeiten, hat mich letztlich zu den Systemtradern gebracht, da ich einfacher mit den Nachteilen der Systeme zurechtkomme.

Somit gibt es prinzipiell kein Besser oder Schlechter. In der Industrie gibt es sogar Mischformen – typischerweise auf Grundlage eines Systems wird dann in Ausnahmefällen diskretionär eingegriffen.

Meines Erachtens gibt es dann zu häufig Ausnahmefälle, insbesondere wenn diese vorher nicht klar definiert sind (was äußerst schwer ist: Black Swan, siehe Taleb). Backtesting ist dann natürlich nicht möglich, da man vor dem Hintergrund der bekannten Zukunft wahrscheinlich deutlich weniger Ausnahmen machen würde bzw. man hätte sich gleich für ein anderes System entschieden.


Meiner Meinung nach folgt man entweder dem System oder man bleibt bei diskretionären Entscheidungen!

 

Signale im wöchentlichen System:

  • Long US T-Note 10J, SL: 125,40
  • Short USD/JPY SL: 123,20

 

Eure Kommentare sind herzlich willkommen.

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